SAP-Anwender: KI-Angebot ist wichtig, Nutzen noch unklar
Mit SAPs Cloud-Strategie haben sich die Anwender inzwischen mehr oder minder arrangiert. Beim KI-Angebot des Softwarekonzerns vermissen sie aber Transparenz.

(Bild: Kittyfly/Shutterstock.com)
Laut dem aktuellen Investitionsreport der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe – kurz: DSAG – scheinen die KI-Bemühungen des Walldorfer Softwarekonzerns nach wie vor für eher verhaltene Reaktionen bei den Kunden zu sorgen. Konkret bewerten dieses Jahr 29 Prozent SAPs KI-Strategie mit gut beziehungsweise sehr gut. Im Vergleich zu 2024 ist das zwar ein positives Signal, da seinerzeit niemand ein sehr gut und lediglich zehn Prozent ein gut verteilen wollten. Ein "Mangelhaft" verteilen sechs Prozent (2024: elf Prozent), 23 Prozent ein "Befriedigend". Dass immer noch 30 Prozent (2024: 47 Prozent) sich kein Urteil erlauben, deutet aber weiterhin auf ein hohes Maß an Intransparenz bezüglich Roadmaps und praxisnaher Unterstützung seitens des Herstellers.
(Bild: DSAG)
Für viele Unternehmen sei es unklar, wie sie KI zum jetzigen Zeitpunkt gewinnbringend in ihre bestehende SAP-Landschaft integrieren können, schätzt DSAG-Chef Hungershausen die Gemengelage ein. Der Künstlichen Intelligenz (KI) im Allgemeinen attestieren inzwischen 68 Prozent der befragten Firmen (2024: 28 Prozent) eine hohe und mittlere Relevanz. Konsequenterweise wollen denn auch 45 Prozent bei den IT-Investitionen in diesem Jahr KI berücksichtigen und 48 Prozent versprechen sich mindestens einen hohen potenziellen Nutzen durch KI-Lösungen.
SAP-Kunden erwärmen sich für Cloud
Aus dem DSAG-Report geht bezüglich des ERP-Generationswechsels auf S/4Hana ebenfalls eine deutliche Verschiebung hin zu Cloud-Betriebsmodellen hervor. Auch hinsichtlich der geplanten Investitionen ist S/4HANA Cloud in der DACH-Region auf dem Vormarsch. Zu dem Ergebnis trug sicherlich die veränderte Befragungsstruktur des diesjährigen Reports ihr Scherflein bei, für den deutlich mehr größere Unternehmen als in den Vorjahren befragt wurden. Nach Beobachtungen von DSAG-Chef Jens Hungershausen sind es oftmals große Unternehmen, deren Strategie für die digitale Transformation im Grunde zur Migration in die Cloud überleitet.
Dazu passt der hohe Zuspruch, den SAPs Business Technology Platform (BTP) erfährt. In diesem Jahr beabsichtigen 40 Prozent der Befragten (2024: 33 Prozent) hohe und mittlere Investitionen in die PaaS-Umgebung. Oben auf der Agenda stehen dabei der Einsatz als Basis für Analyselösungen mit 46 Prozent (2024: 34 Prozent), gefolgt von den Integrationslösungen mit 40 Prozent (2024: 27 Prozent) sowie Anwendungsentwicklung und -automatisierung mit 36 Prozent (2024: 17 Prozent). Die steigende Investitionsbereitschaft für Anwendungsentwicklung und Automatisierung auf der BTP spricht für den Bedarf der Unternehmen an individuell zugeschnittenen Lösungen jenseits der Standard-ERP-Funktionen.
Business Data Cloud muss sich noch beweisen
Spannend aus DSAG-Sicht ist die Frage, welchen Einfluss die kürzlich vorgestellte SAP Business Data Cloud (BDC) auf den Zuspruch für das Business Transformation Center (BTC) ausübt. SAP positioniert BDC als ein Angebot zur systemübergreifenden Harmonisierung der SAP-Datenhaltung und bündelt dazu unter anderem bereits bekannte Datenmanagement- und Analyse-Produkte. Nahtlose Datenverarbeitung und -harmonisierung ist allerdings auch ein Schwerpunkt des BTC-Einsatzes, wie die hohe Investitionsbereitschaft in Analyse- und Integrationslösungen belegt.
Ob und wie SAP mit BDC hier einen zusätzlichen Mehrwert schaffen kann, muss sich erst noch zeigen. "Gerade mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von KI und datengetriebenen Geschäftsmodellen stellt sich die Frage, wie gut SAP die Integration von Daten aus verschiedenen Systemen – auch über die SAP-Welt hinaus – sicherstellen kann", so Hungershausen.
(axk)