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Die dritte Generation wurde länger und etwas rundlicher

Ausfahrt im neuen Fiat Panda

Fahrberichte msu

Im März 2012 geht der Enkel der "tollen Kiste" von 1980 an den Start. Wir konnten den neuen Fiat Panda jetzt in seinem natürlichen Lebensraum – den Straßen Neapels – näher kennenl­ernen

Neapel (Italien), 15. Dezember 2011 – In seiner 1980 gestarteten Urform setzte er neue Maßstäbe im Individualverkehr: Der Fiat Panda war wie geschaffen für alle, die ein Auto als pures Fortbewegungsmittel betrachteten und so wenig Geld wie möglich dafür ausgeben wollten oder konnten. Die „tolle Kiste“ – wohl nie haben Werbetexter die Form eines Autos kürzer und treffender beschrieben – brachte es auf einen sagenhaften Produktionszeitraum von über zwei Jahrzehnten. Den Nuova Panda von 2003 schickt Fiat hingegen deutlich früher in Rente: Ab März 2012 geht die dritte Generation des Panda in den Verkauf. Diese wäre aus der Art geschlagen, böte sie nicht auf den ersten Blick ein funktionales Design gepaart mit einem großen Platzangebot. In und um Neapel herum konnten wir den Neuen in seinem natürlichen Lebensraum kennenlernen.

Mehr Platz für Fond und Kofferraum

Mit seiner leicht gewölbten Motorhaube und den abgerundeten Scheinwerfern wirkt er etwas rundlicher als sein Vorgänger, doch eine deutliche Familienähnlichkeit bleibt erhalten. Die Hauptscheinwerfer gehen jetzt bis in die Seitenpartie über und lassen die Front des Fiat plastischer wirken. Kunststoffleisten an den Flanken und dem Heck schützen vor den Folgen kleiner Rempler. Um elf Zentimeter ist der nun ausschließlich als Fünftürer erhältliche Panda in der Länge gewachsen – der Radstand blieb mit 2,30 Metern allerdings gleich. Dank einer verschiebbaren Rückbank und dünnerer Rücklehnen der Vordersitze bekommen die Fondpassagiere dennoch etwas mehr Beinfreiheit. Der Längenzuwachs der Karosserie geht ausschließlich auf das Konto von Motorhaube und Kofferraum. In diesen passen jetzt 225 Liter Gepäck – zehn mehr als zuvor. Bei umgeklappter Rücklehne der Fondsitzbank sind es bis zu 870 Liter. Optional kann der Beifahrersitz mit einer vorklappbaren Lehne geordert werden. Dann steht eine Ladefläche von über zwei Metern Länge zur Verfügung.

Auf dem Hochsitz

Dank des neu gestalteten Handbremshebels und einer nach oben versetzten Schaltkonsole wirkt das Cockpit angenehm luftig. Die erhöhte Sitzposition verschafft zusätzlich eine gute Rundumsicht; der Seitenhalt der Vordersitze ist nicht gerade ausgeprägt. Das zweifarbige Interieur ist jugendlich frisch gestaltet. Insgesamt bieten 14 Ablagefächer ausreichend Stauraum. Wie beim Ur-Panda ist das Handschuhfach als geräumige Tasche ausgeführt. Die offene Ablage im Armaturenbrett darüber bietet Platz für größere Gegenstände.

Zwei Zylinder jetzt auch im Panda

Der neue Panda soll nicht nur praktisch sondern auch sparsam sein. Zum Markstart stehen der bisherige 1,2-Liter-Benziner mit 69 PS und der 75 PS starke Turbodiesel mit 1,3 Litern Hubraum bereit. Neu im Motorenprogramm ist ein 65 PS starker Saugmotor sowie der aus dem Fiat 500 bekannte TwinAir Turbo. Alle Maschinen sind an eine Fünfgang-Schaltung gekoppelt. Zu einem späteren Zeitpunkt wird auch ein automatisiertes Schaltgetriebe verfügbar sein. Der vielfach ausgezeichnete [1] TwinAir-Motor schöpft aus gerade 875 Kubikzentimeter Hubraum stolze 85 PS. Dank Turboaufladung ist der Panda mit dem Zweizylinder flott unterwegs, allerdings muss man das Motörchen schon auf Touren halten, um in Schwung zu bleiben. Im höheren Drehzahlbereich ist das Arbeitsgeräusch deutlich vernehmbar.

Serienmäßig mit Start-Stopp

Mit einem innerstädtischen Verbrauch laut Bordcomputer von 6,4 Liter auf 100 Kilometer haben wir zwar nicht die von Fiat angegebenen fünf Liter erreicht, für den turbulenten Stadtverkehr von Neapel ist das trotzdem ein guter Wert. Der durchschnittliche Verbrauch liegt laut Fiat bei 4,2 Liter. Beim Spritsparen hilft eine serienmäßige Start-Stopp-Automatik inklusive Schaltpunktanzeige. Per Knopfdruck kann in einen ECO-Modus gewechselt werden. Dann verfügt der TwinAir-Turbo nur noch über 77,5 PS, arbeitet aber effizienter. Passend zum funktionalen Gesamtauftritt des wendigen Stadtflitzers ist der Panda mit einer zweistufigen Servolenkung ausgestattet. Über eine Taste in der Mittelkonsole kann der City-Modus zugeschaltet werden, wodurch die Servounterstützung deutlich erhöht wird. Das Einparken und Rangieren auf engstem Raum wird so zum Kinderspiel. Im Standard-Modus könnte die Lenkung bei höheren Geschwindigkeiten für unseren Geschmack eine stärkere Rückmeldung geben und etwas direkter ansprechen.

Notbremsfunktion und Allradler folgen

Die neue Panda-Generation gibt es zunächst nur mit Frontantrieb, eine Allradversion folgt im Herbst 2012. Ab Mitte 2012 ist der Panda auch mit einer City-Notbremsfunktion zu haben. Bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h erkennt das System Hindernisse automatisch und bremst den Panda selbständig ab – ein vergleichbares System [2] hat Volkswagen mit seiner Kleinstwagenfamilie Up eingeführt.

Unter 10.000 Euro

Das im Panda serienmäßige Informationssystem Blue&Me kann jetzt mit einem mobilen TomTom-Navi erweitert werden. Preise und Ausstattungsumfänge hat Fiat noch nicht endgültig festgelegt. Zur Serienausstattung gehören unter anderem vier Airbags, elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung und eine Start-Stopp-Automatik. Die dritte Generation des Kleinwagens werde „in allen wichtigen europäischen Märkten unter 10.000 Euro kosten“, kündigte Markenchef Olivier Francois an. Damit liegt der Panda unter dieser psychologisch wichtigen Preisschwelle, die auch VW Up, Skoda Citigo und Seat Mii mehr oder minder haarscharf unterschreiten.


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https://www.heise.de/-1395972

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/autos/artikel/International-Engine-of-the-Year-Awards-2011-die-Sieger-1246141.html
[2] http://www.heise.de/autos/artikel/Seat-Mii-spanischer-Kleinwagen-im-Fahrbericht-1382277.html?artikelseite=4