Erste Ausfahrt: Renault Clio
In Genf stellte Renault den neuen Clio vor, den wir nun, ein halbes Jahr vor dem Verkaufsstart, fahren konnten. Der erste Eindruck ist positiv, wobei die spannendste Neuerung erst in einem Jahr Premiere haben wird
Die erste Clio-Generation lieĂ den damaligen VW Polo spontan um Jahre altern, zumindest in gestalterischer Hinsicht. Der fĂŒnften Generation könnte das nicht nur in diesem Bereich gelingen, denn ab dem kommenden Jahr will Renault den Kleinwagen auch mit Hybridantrieb anbieten. FĂŒr eine erste Ausfahrt stand er uns mit den aktuell stĂ€rksten Motoren zur VerfĂŒgung.
KĂŒrzer
Den Trend zu immer gröĂeren Abmessungen macht Renault beim fĂŒnften Clio nicht mehr mit. Er ist mit 4,05 Metern LĂ€nge 12 mm kĂŒrzer als der VorgĂ€nger. Das Platzangebot innen ist Ă€hnlich gerĂ€umig wie bisher, beim Kofferraum legt der Neue aber nochmals deutlich zu. Das alte Modell war mit 300 Litern im Klassenvergleich schon nicht schlecht, Nummer 5 bietet mit 391 Litern aber etwas mehr als beispielsweise ein VW Golf (Test) [1] oder Renault MĂ©gane (Test) [2], wobei letzterer rund 30 cm lĂ€nger ist.
Erste Ausfahrt: Renault Clio (0 Bilder) [3]
Auffallend ist auch, wie viel Arbeit Renault in die Materialauswahl gesteckt hat, alles wirkt fĂŒr diese Klasse fein ausgekleidet und sorgsam verarbeitet. Die Sitze sind leicht gewachsen und auch mit einer KörpergröĂe jenseits von 1,80 Metern deutlich bequemer als bisher. Wer mag, kann eine Reihe von Assistenten und einen groĂen Bildschirm in der Mittelkonsole ordern. Aktualisierungen fĂŒr Betriebssystem und Kartenmaterial sollen kĂŒnftig âover the airâ möglich sein.
Mit einer rollenden VerzichtserklĂ€rung hat diese Generation des Clio nichts gemein, wobei sich das auch in den Preisen widerspiegeln wird. Verfolgt Renault in dieser Hinsicht den Weg weiter, den man mit MĂ©gane und Talisman (Test) [5] schon beschritten hat, wird der neue Clio dennoch spĂŒrbar gĂŒnstiger als beispielsweise ein VW Polo (Test) [6] sein. NĂ€heres dazu wird es vermutlich erst im Sommer geben, denn auf den Markt soll der neue Clio erst im Herbst kommen.
Sieben Motorisierungen
Zum Start wird es den Clio mit vier Benzinern und zwei Dieselmotoren geben, ein Hybrid folgt spĂ€ter. An der Basis bietet Renault einen Dreizylinder-Ottomotor mit 65 und 75 PS an. Die Maschine kommt ohne Aufladung aus und wird, mit minimal anderen Leistungswerten, auch in den kĂŒrzlich minimal ĂŒberarbeiteten Twingo und den Dacia Sandero (Test) [7] eingebaut. Eine Stufe darĂŒber ist ebenfalls ein Dreizylinder angesiedelt, allerdings mit einem Turbolader. Hier kann der Fahrer auf 100 PS zurĂŒckgreifen. Diese Maschine wird spĂ€ter â wann genau, verrĂ€t Renault noch nicht â mit einem stufenlosen Getriebe zu haben sein.
Er lĂ€uft nicht ganz so kultiviert wie der 1,3-Liter-Vierzylinder mit 130 PS, der den Clio sehr flott antreibt gut am Gas hĂ€ngt. Das dort alternativlose Doppelkupplungsgetriebe ist aufmerksam, ohne hektisch zu wirken. Insgesamt ist das eine sehr angenehme Kombination, deren Grundlayout auch in der Mercedes A-Klasse (Test) [8] verwendet wird. Bei Renault rechnet man damit, dass die meisten Clio-Kunden es bei 100 PS belassen werden. Nur eine Nebenrolle dĂŒrften die beiden 1,5-Liter-Diesel spielen, die beide ein Sechsgang-Schaltgetriebe bekommen. Sie leisten 85 und 115 PS. Die stĂ€rkere Version gefĂ€llt mit krĂ€ftigem Antritt und kultiviertem Lauf.
Spannendster Antriebsstrang wird der Hybridantrieb. Er entstand zusammen mit Nissan, die auch den 1,6-Liter-Benziner zusteuern, der im Atkinson-Zyklus lĂ€uft. Hier werden die Einlassventile besonders spĂ€t geschlossen, deutlich nach dem unteren Totpunkt. Der thermische Wirkungsgrad ist durch die damit lĂ€ngere Expansionsphase höher als bei normalen Steuerzeiten, das Drehmoment vor allem im unteren Drehzahlbereich etwas geringer. Letzteres gleicht der Hybridantrieb aber vollstĂ€ndig ĂŒber den E-Motor aus.
Hybrid mit drei Motoren
Im Clio Hybrid sind zwei E-Motor eingebaut, der stĂ€rkere sitzt am Getriebeausgang [9]. Renault verrĂ€t momentan noch keine exakten Daten, abgesehen von ein paar Eckpfeilern. Die Systemleistung soll bei 96 kW (130 PS) liegen. Die Batterie mit 1,2 kWh deutet mit ihrer geringen KapazitĂ€t bereits daraufhin, dass eine rein elektrische Fahrt nicht im Vordergrund steht. Vielmehr geht es darum, den Benziner immer dann zu entlasten, wenn er besonders viel verbraucht. Der Clio Hybrid fĂ€hrt beispielsweise immer elektrisch an. Dennoch: âUnser Plan ist es, dass der gemeine Autofahrer in seinem stĂ€dtischen Alltagsverkehr rund 80 Prozent der Zeit im Elektromodus fahren kannâ, sagt Antoine Vignon, verantwortlicher Entwickler aus dem Antriebsbereich von Renault.
Macht Freude
Schon jetzt lĂ€sst sich festhalten, dass der Clio auch beim Fahrwerk einen Schritt nach vorn gemacht hat. Gerade mit den 17-Zoll-Felgen macht der Kleinwagen richtig Freude, mit der höheren Flanke der 16-Zöller umrundet er Kurven geringfĂŒgig weniger prĂ€zis, rollt aber auch weniger komfortabel ab. Renault hat bei alledem aber nicht vergessen, dass der Clio vorwiegend abseits der Rennstrecke genutzt wird. Das Schluckvermögen der Federung ist beachtlich.
Alles in allem bleibt ein vom neuen Clio ein sehr erfreulicher Eindruck hĂ€ngen. Der Kleinwagen ist innen groĂ, schick gestaltet, dazu gut verarbeitet und bekommt ein geschickt abgestimmtes Fahrwerk mit auf den Weg. Sofern Renault bei den Preisen nicht ĂŒbertreibt, bekommt dieses Segment im Herbst einen sehr interessanten Zuwachs. (mfz [10])
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[2] https://www.heise.de/news/Fahrbericht-Renault-Megane-RS-4204393.html
[3] https://www.heise.de/bilderstrecke/4746712.html?back=4397903;back=4397903
[4] https://www.heise.de/bilderstrecke/4746712.html?back=4397903;back=4397903
[5] https://www.heise.de/news/Im-Test-Renault-Talisman-Grandtour-TCe-200-3349793.html
[6] https://www.heise.de/tests/Test-VW-Polo-TGI-3985611.html
[7] https://www.heise.de/news/Fahrbericht-Dacia-Sandero-Essentiel-SCe-75-3762260.html
[8] https://www.heise.de/tests/Test-Mercedes-A200-4248631.html
[9] https://www.heise.de/news/P0-bis-P3-wohin-mit-dem-E-Motor-4179135.html
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