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Paris sperrt alte Autos aus

Martin Franz
Citroën 2CV

(Bild: CitroĂ«n)

Von ein paar Ausnahmen abgesehen macht Paris nun ernst: Alte Autos sind in der französischen Hauptstadt seit einigen Wochen tabu. Es ist erst der Anfang eines radikalen Plans, mit dem Paris endlich die Luftverschmutzung in den Griff bekommen möchte

Von ein paar Ausnahmen abgesehen macht Paris nun ernst: Alte Autos sind in der französischen Hauptstadt seit einigen Wochen tabu. Es ist erst der Anfang eines radikalen Plans, mit dem Paris endlich die Luftverschmutzung in den Griff bekommen möchte. Wer eine Erstzulassung vor 1997 im Fahrzeugschein stehen hat, muss seit dem 1. Juli 2016 vor der Stadtgrenze auf die Metro umsteigen. Das Verbot soll in den kommenden Jahren schrittweise ausgeweitet werden. Diesel-Fahrzeuge will die französische Hauptstadt ab dem Jahr 2020 sogar komplett verbieten.

Citroën 2CV

Oldtimer, also Fahrzeuge die mindestens 30 Jahre alt sind, die ein französisches Sammler-Kennzeichen haben, dĂŒrfen weiterhin in die Innenstadt von Paris einfahren. (im Bild: CitroĂ«n 2CV [1])

(Bild: Citroën)

Mit dieser AnkĂŒndigung hatte BĂŒrgermeisterin Anne Hidalgo Ende 2014 fĂŒr viel Wirbel gesorgt. Nach dem Abgasskandal und der dadurch losgetretenen Debatte um Emissionswerte sehen ihre Mitstreiter sich erst recht auf dem richtigen Weg - per Verbots-Verordnung treibt das Rathaus die PlĂ€ne gegen alle WiderstĂ€nde voran. „Der Diesel ist ein echter Gesundheitsskandal“, urteilt der fĂŒr Verkehr zustĂ€ndige Beigeordnete Christophe Najdovski.

Der Handlungsbedarf ist groß. Entlang der Pariser Verkehrsachsen sind die Werte fĂŒr Stickstoffdioxid und Feinstaub teilweise doppelt so hoch wie der Grenzwert. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Messstationen 26 Tage, an denen die Verschmutzung besonders hoch war: „WĂ€hrend einer Verschmutzungs-Spitze in Paris zu leben ist so, als wĂŒrde man den Rauch von acht Zigaretten in einem Zimmer von 20 Quadratmetern einatmen“, warnt die Stadt.

Zum Feinstaubproblem trĂ€gt auch bei, dass Frankreich lange Steuervorteile fĂŒr Diesel geboten hatte. Zeitweise steckten deshalb in mehr als 70 Prozent der Neuwagen Dieselmotoren. Dieser Trend hat sich aber deutlich umgekehrt: In diesem Jahr hatte bislang nur etwas mehr als die HĂ€lfte aller neuen Fahrzeuge einen Dieselmotor.

Die Ergebnisse der Pariser Verbote sind noch bescheiden, wie auch die Stadt einrĂ€umt. Man habe langsam angefangen, erklĂ€rt der GrĂŒnen-Politiker Najdovski, „damit die Leute sich das aneignen und es verstehen“. Schon seit einem Jahr sind alte Lastwagen und Busse (vor 2001) verboten, seit 1. Juli 2016 auch die ersten Privatautos – Diesel und Benziner. Najdovski verweist auf SchĂ€tzungen, wonach die nun betroffenen Fahrzeuge etwa fĂŒnf Prozent der im Verkehr erzeugten Stickoxide ausmachen sollen.

Noch droht bei VerstĂ¶ĂŸen nur eine Ermahnung, doch die Daumenschrauben sollen schnell angezogen werden: Ab Oktober 2016 gibt es ein Bußgeld von zunĂ€chst 35 Euro, im kommenden Jahr steigt es auf 68 Euro. Das freut natĂŒrlich nicht alle: Der Verband „40 Millionen Autofahrer“ protestiert seit Monaten heftig. Er kritisiert die Maßnahmen als unsozial, weil Ă€rmere Menschen sich keinen Neuwagen leisten könnten und verweist darauf, dass viele fĂŒr den Weg zur Arbeit auf ein Auto angewiesen seien. Die Kritiker ziehen auch die Umweltwirkung der Maßnahmen infrage. Sie zitieren zudem einen Experten, dass die betroffenen Autos schĂ€tzungsweise 50 Prozent ihres Wertes verlören. Der Verband reichte deshalb auch Klagen auf EntschĂ€digung ein.

Letztlich stellt sich auch die Frage, wie rigoros die Regeln durchgesetzt werden. Najdovski rĂ€umt ein, dass die Polizei nach den Pariser TerroranschlĂ€gen vom 13. November 2015 [2] andere PrioritĂ€ten hatte, als das da schon geltende Verbot alter Lastwagen durchzusetzen. Oldtimer [3]-Freunde konnten immerhin durchsetzen, dass mehr als 30 Jahre alte Fahrzeuge mit französischem Sammler-Kennzeichen weiterhin nach Paris dĂŒrfen. Doch grundsĂ€tzlich lĂ€sst die Stadt sich nicht beirren: Die Sozialistin Anne Hidalgo meint ihre Kampfansage ernst. Im Sommer 2017 soll das Verbot auf Autos ausgeweitet werden, die vor 2001 zugelassen wurden.

(dpa) (mfz [4])


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