Der Kompass-Rock
Auf der ergiebigen Fundgrube steampunkworkshop.com stellt die Kalifornierin Meredith Scheff ihre Arbeiten als Makerin vor. Ihre Projekte drehen sich um Soft Circuits und Wearable Technologies. Sie selbst sieht sich auf halbem Weg zwischen Handwerk und Software. In der Auswahl der Materialien, mit denen sie arbeitet, ist sie gerne unkonventionell.
- Elke Schick
(Bild:Â Meredith Scheff)
Ăśber den Sparkfun-Shop verkauft sie ihre selbst gebauten flexiblen Leiterplatten (PCBs), die StarBoards, fĂĽr die es ganz im Sinne von 'Sharing is caring' auch eine Anleitung zum Nachbau gibt. Das Projekt, das den AnstoĂź fĂĽr diesen Artikel gab, ist ein LED-Kompass zum Tragen: der North Skirt.
Die Künstlerin hat LED-Streifen auf einen Rock genäht und diese per Kompass-Chip und Mikrocontroller so angesteuert, dass jeweils die LEDs aufleuchten, die nach Norden zeigen.
Wichtig beim Entwurf dieses KleidungsstĂĽcks war der Erfinderin, dass die Verbindungen zwischen dem Mikrocontroller, dem Breakout Board und den LEDs nicht im Inneren des KleidungsstĂĽcks oder auf der RĂĽckseite verborgen, sondern Teil des Designs und somit optisch ansprechend sind. Die Basis bildet ein sogenannter Tellerrock mit breitem Bund, der nach unten hin weiter wird. Dieses Design stellt sicher, dass der Rock sich beim Drehen, das zur VorfĂĽhrung der Funktionsweise notwendig ist, mitbewegt.
Der Mikrocontroller, ein ATmega 168 und das Breakout Board befinden sich in einem durchsichtigen Kasten auf dem Bund des Rocks. Links und rechts davon hat Meredith Scheff elastische PCBs aufgebügelt, auf die je vier Kabel aufgelötet sind, die die Hinleitungen zu den LEDs bilden. Die Batterien für die LEDs und das Breakout Board sind auch direkt neben das Board montiert, allerdings sind sie im Inneren des Bunds untergebracht.
Die LEDs hat sie auf vier StarBoards aufgelötet und die Leiterplatten danach aufgebügelt. Für die Verbindung der StarBoards nutzte sie elektrisch leitendes Garn. Dabei arbeitete sie mit einem Steppstich, der den Faden gut fixiert.
(Bild:Â Meredith Scheff)
Der Blogeintrag macht Lust auf einen Nachbau, funktioniert aber als Anleitung zumindest für Anfänger nur eingeschränkt. Viele Inforamtionen fehlen, die man sich selbst zusammensuchen muss. Die Kosten für die elektronischen Bauelemente liegen bei ca. 150,- Euro, wenn man den Mikrocontroller selbst programmiert. Verwendet man den Bausatz, mit dem auch die Erfinderin gearbeitet hat, liegen die Kosten bei ungefähr 200,- Euro.
Von der Mode zur Neurobiopsychologie
(Bild:Â Meredith Scheff)
Über diesen Bausatz führt der North Skirt übrigens in weitere kuriose Gebiete des Hackings. Das NorthPaw Kit nämlich soll laut den Herstellern dazu führen, dass die Träger des Fußbands durch die Gewöhnung an die Impulse der Vibrationsmotoren einen unfehlbaren Richtungssinn entwickeln. Nach einer gewissen Tragezeit soll dieser neue Sinn auch ohne das angelegte Fußband funktionieren. Entwickelt wurde das NorthPaw auf der Basis eines Projekts am Institut für Kognitionsforschung an der Universität Osnabrück.
Der Neurobiopsychologe Prof. Dr. Peter König untersucht mit einer Forschungsgruppe, wie neue sensorische Eindrücke in das Bewusstsein integriert werden. Zu diesem Zweck arbeitet die Gruppe mit dem feelSpace Belt dessen Funktionsweise der des NorthPaw-Fußbands entspricht.
(Bild:Â Meredith Scheff)
Überschneidungen von Hacking und Neurowissenschaften sind übrigens auch in anderen Projekten vorhanden. So gibt es das nicht ganz gewaltfreie Projekt, bei dem sich ein Kakerlakenbein ohne zugehörige Kakerlake zu den Beastie Boys bewegt. Die Seite www.backyardbrains.com bietet Bausätze für die Spikerbox, ein Gerät zur Aufzeichnung von Gehirnströmen, zum Kauf an. Umgekehrt zeigen Suchergebnisse wie die Website der Brainhack Unconference, dass sich auch die Wissenschaft gerne bei den Methoden und Begriffen der Hacker bedient. (esk) (esk)