Fahrzeuge für den Mond: Immer mehr Autobauer legen Pläne vor

Südkoreas größte Autogruppe, Hyundai Motor, reiht sich in die wachsende Schar der Mobilitätskonzerne ein, die Mond-Rover bauen wollen. Ein kleiner Einblick.

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Die Erde vom Mond aus.

Die Nasa will 2025 wieder Menschen zum Mond schicken. Vor Ort werden auch Mond-Rover benötigt.

(Bild: Elena11/Shutterstock)

Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Martin Kölling

Zum Mond, bitte hier entlang: Nun steigt auch der südkoreanische Autobauer Hyundai Motor in die Herstellung von Mondmobilen ein. Im April kündigte die südkoreanische Gruppe an, zusammen mit Partnern aus der Luft- und Raumfahrt, der Bauindustrie und der Robotik ein Konzept für einen Mond-Rover zu entwickeln. Bereits im Juli 2022 hatte das Unternehmen eine Kooperation bekannt gegeben, mit dessen Hilfe "Mobilitätslösungen" für den Mond entwickelt werden sollten.

Bei der anvisierten Plattform handelt es sich um ein selbstfahrendes Fahrzeug, das mit Sonnenenergie aufgeladen werden kann, gegen radioaktive Strahlung schützt und bis zu 70 Kilogramm Ausrüstung trägt. Die Entwickler wollen dazu Steuerungs- und Robotertechnologien von Unternehmen der Hyundai-Motor-Gruppe verwenden.

Das Projekt ist offenbar keine Motivationshilfe für Ingenieure, sondern eine strategische Entscheidung. Kim Yong-wha, Leiter des R&D Planning & Coordination Center der Hyundai-Motor-Gruppe, erklärt: "Mit der Entwicklung des Rovers gehen wir über die Mobilität zu Lande, zu Wasser und in der Luft hinaus und expandieren in die Weltraummobilität". Der erste Prototyp ist für 2024 geplant, das fertige Mobil bis 2027.

Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends aus Japan und den Nachbarstaaten.

Dabei kann sich Hyundai staatlicher Unterstützung sicher sein. Auch die Regierung der ostasiatischen Exportnation hat die Raumfahrt als strategisches Geschäftsfeld entdeckt und verfolgt ein ehrgeiziges Mondprogramm. Derzeit umkreist die Sonde Danuri den Mond, die von einer Rakete des US-Unternehmens SpaceX in die Umlaufbahn geschossen wurden.

Bei der Entwicklung wird der Autobauer und von einer Reihe staatlicher Institute unterstützt, dem Korea Astronomy and Space Science Institute (KASI), dem Electronics and Telecommunication Research Institute (ETRI), dem Korea Institute of Civil Engineering and Building Technology (KICT), dem Korea Aerospace Research Institute (KARI), dem Korea Atomic Energy Research Institute (KAERI) und dem Korea Automotive Technology Institute (KATECH).

Die Eile der Koreaner spiegelt den weltweiten Wettlauf um die Erschließung des Mondes wider, den sich gerade Autohersteller leisten. Schon beim ersten Moon-Rover beteiligte sich ein irdischer Mobilitätskonzern an der Entwicklung himmlischer Fortbewegung: General Motors (GM) tüftelte mit dem Flugzeugbauer Boeing an einem elektrisch angetriebenen Zweisitzer, der 1971 tatsächlich auf der Mondoberfläche fuhr.

Der weltgrößte Autobauer Toyota hat bereits 2019 angekündigt, für Touren auf dem Mond einen mehrsitzigen Brennstoffzellenbus mit einer Reichweite von 10.000 Kilometern zu entwickeln.

Toyotas Lokalrivale Nissan hat ebenfalls Pläne für ein Mondfahrzeug bekanntgegeben, das eine Vierradtechnik des Renault-Partners nutzt. Damit erinnert die Initiative an den 2015 vorgestellten Audi Lunar Quattro, eine Anspielung auf den irdischen Vierradantrieb der VW-Marke.

In den USA ist es mittlerweile abermals der Autokonzern GM, der Mond-Rover entwickelt, dieses mal mit dem Flugzeug- und Rüstungskonzern Lockheed Martin. Das Duo will bis 2025 für die Mondmission der US-Weltraumbehörde NASA ein Elektrofahrzeug produzieren. Im Gegensatz zu seinem Urahn, der es mit einer Batterieladung sechs bis sieben Kilometer weit schaffte, wird es deutlich weiter reisen und vor allem auch autonom fahren können.

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Voriges Jahr versprachen die zwei Firmen sogar die Entwicklung weiterer Modelle für andere Einsatzzwecke und andere Kunden als die NASA. Die nächste große Herausforderung wird dann der Mondtransport sein. Denn für eine dauerhafte und vor allem bemannte Basis auf dem Mond muss ein regelmäßiger Transportdienst eingerichtet werden. Und die Unfallgefahr ist nach wie vor hoch, wie Ende April die erste Mondmission eines privaten Unternehmens zeigte.

Die japanische Firma ispace, die sich als Logistikunternehmen für Transporte im Weltall etablieren will, hatte im Dezember 2022 seinen Moonlander M1 an Bord einer Rakete von SpaceX auf die Reise geschickt. Doch bei der Landung crashte die Sonde mitsamt ihrer Fracht, darunter dem Mini-Moonrover Rashid der Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Reaktion der Anleger zeigte, dass dieser Rückschlag die Vision einer Besiedlung des Mondes keineswegs beendet hat. Zwar stürzte der Aktienkurs des Unternehmens, das Mitte April an die Tokioter Börse gegangen war, nach dem Unfall erst einmal um mehr als 20 Prozent ab. Aber der Kurs stabilisierte sich rasch beim etwa fünffachen Wert des Ausgabekurses. Denn das Unternehmen baut bereits zwei weitere Mobile für Mondmissionen für 2024 und 2025.

(jle)