Nanostrukturen verlÀngern Akkulebensdauer
Stanford-Forscher wollen die Anzahl der Ladezyklen von Lithium-Schwefel-Akkumulatoren deutlich erhöhen.
Stanford-Forscher wollen die Anzahl der Ladezyklen von Lithium-Schwefel-Akkumulatoren deutlich erhöhen.
Bei der Entwicklung besserer Stromspeicher stoĂen Wissenschaftler regelmĂ€Ăig auf ein Grundproblem: Zwar lĂ€sst sich die EnergiekapazitĂ€t der Zellen durch eine neue chemische Zusammensetzung relativ leicht erhöhen, doch die Anzahl möglicher Ladezyklen ist oft zu gering â die Batterien sind also nicht haltbar. Forscher an der Stanford University haben nun neuartige Nanostrukturen [1] entwickelt, die die besonders leistungsfĂ€higen Lithium-Schwefel-Akkus so widerstandsfĂ€hig machen soll, dass sich eine kommerzielle Verwendung etwa in Elektroautos lohnt.
Bislang ĂŒberstehen die Zellen höchstens 150 vollstĂ€ndige LadevorgĂ€nge. Die Stanford-Technik erreicht 1000, ohne dass die KapazitĂ€t deutlich dezimiert wird. In einer E-Auto-Konfiguration wĂŒrde das immerhin fĂŒr mehrere Jahre Nutzungszeit ausreichen. Hinzu kommt: Kommerzielle Versionen der Batterie könnten die Energiespeicherdichte von Lithium-Ionen-Akkus ungefĂ€hr verdoppeln, sagt Yi Cui, Professor fĂŒr Materialwissenschaften und Projektleiter. Nach 500 Zyklen verblieben bei den Prototypen immer noch 81 Prozent KapazitĂ€t und nach 1000 Zyklen 67 Prozent. Cui betont zudem, dass die Nanomaterialien mit vergleichsweise einfachen Herstellungsmethoden produziert werden können, die sich fĂŒr eine Massenproduktion eignen.
Die neuen Strukturen könnten die zwei Hauptherausforderungen bisheriger Lithium-Schwefel-Akkus lösen. Werden solche Zellen entladen, bindet sich der Schwefel an das Lithium, um Lithiumsulfid zu bilden. Beim Ladevorgang bildet sich wiederum erneut Schwefel. Die Reaktion lĂ€uft allerdings nur indirekt ab. Eine Anzahl von Zwischenstoffen, die Polysulfide, entstehen. Wenn diese Polysulfide sich aus der Elektrode bewegen, wird die Reaktion nicht mehr beendet, was die Energiemenge beschrĂ€nkt, die die Batterie speichern kann. Ăber mehrere LadevorgĂ€nge hinweg sammeln sich dann die Zwischenprodukte in der Zelle an, was die KapazitĂ€t weiter dezimiert.
Verschiedene Forscher haben gezeigt, dass unterschiedliche Nanostrukturen dabei helfen können, die Polysulfide innerhalb der Elektrode zu einzufangen. Doch diese Ideen beiĂen sich mit einem anderen Problem, das Lithium-Schwefel-Batterien aufweisen: Der Schwefel dehnt sich aus und beschĂ€digt die Nanostrukturen, so dass die Polysulfide die Schutzfunktion nach einiger Zeit nicht mehr vorhanden ist.
Das Stanford-Team entwickelte deshalb kugelförmige Nanopartikel aus Schwefel und beschichtete diese mit einer TitanoxidhĂŒlle, um die Polysulfide "festzuhalten", damit diese nicht mehr aus der Elektrode wandern können. Ein Teil des Schwefels wurde anschlieĂend gelöst, um innerhalb der HĂŒlle Platz zu schaffen. Hier kann sich der Schwefel ausdehnen, ohne dass die TitanoxidhĂŒlle beschĂ€digt wird.
FĂŒr die weitere Entwicklung haben die Forscher noch viel vor: Sie wollen in spĂ€teren Versionen ihres Prototypsystems auch noch nach 3000 Ladezyklen eine KapazitĂ€t von 80 Prozent erhalten. Wird dies erreicht, wĂŒrde ein Akkusatz wohl die gesamte Lebensdauer eines Elektroautos durchhalten, auch wenn man ihn fast jeden Tag komplett entlĂ€dt.
Die Gruppe um Cui arbeitet auĂerdem an der Sicherheit der neuen Zellen â bei der Verwendung von Lithiummetallen ist das ein wichtiges Kriterium. Alternativ denken die Wissenschaftler ĂŒber Lithium-Sulfid-Zellen nach, die deutlich unkritischer wĂ€ren. "Es gibt noch jede Menge Forschungs- und Optimierungsarbeit", sagt der Projektleiter. (bsc [2])
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[1] http://www.nature.com/ncomms/index.html
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