Netlog: Datensammler und Mail-Schleuder
Als populĂ€rstes soziales Netzwerk gerĂ€t Facebook regelmĂ€Ăig in die Kritik der DatenschĂŒtzer. Doch im Windschatten des MarktfĂŒhrers segeln kleinere Plattformen, die offenbar noch weniger Hemmungen haben, wenn es um den Umgang mit Personendaten geht.
Die belgische Plattform Netlog [1] erfreut sich besonders unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen groĂer Beliebtheit. Sie ist auf radikale Ăffentlichkeit getrimmt und gibt den Mitgliedern kaum Möglichkeiten, ihre PrivatsphĂ€re zu schĂŒtzen. Etwa bei der sogenannten Friendfinder-Funktion: Meldet sich der Nutzer zum ersten Mal an, wird er aufgefordert, seine "Freunde" ĂŒber den Windows Live Messenger, Hotmail, Google-Mail, Yahoo-Mail, Facebook und andere Dienste zu "finden". Hat er Netlog Zugriff auf ein solches Konto gewĂ€hrt, kann er wĂ€hlen, welche der dort verzeichneten Kontakte er zur Netlog-Freundesliste hinzufĂŒgen möchte.
Dass diese Auswahl der Kontakte gleichzeitig mit dem Versand von Einladungs-Mails einhergeht, darĂŒber informiert der Dienst lediglich in der FuĂzeile im hellgrau Kleingedruckten. Er verschweigt jedoch, dass der Zugriff etwa auf das Google-Mail-Konto nicht nur das dort angelegte Adressbuch umfasst, sondern auch sĂ€mtliche Adressen in den Mails aus In- und Outbox. Auch fehlt hier ein Hinweis, dass Netlog dann an diese Adressen nicht nur eine Einladung mit der Aufforderung "Erhalte Zugang zu meinen Bildern und mehr" versendet, sondern regelmĂ€Ăig auch Erinnerungen. Im Absender setzt er dabei den Klarnamen des Mitglieds ein, das so unfreiwillig seine Freunde oder GeschĂ€ftspartner nervt.
Die aus anderen Diensten abgegriffenen Kontakte lassen sich nicht mehr löschen. Sie werden in "unerledigte Anfragen" gefĂŒhrt, bis sie sich bei Netlog registrieren. Man kann diese Anfragen nur einzeln stoppen. Und der Stopp-Vorgang ist fehlerhaft: Es kommt immer wieder zu Fehlermeldungen, die nicht nĂ€her erlĂ€utert werden. Zwar verschwindet dann die Adresse von der Liste der "unerledigten Anfragen", aber eine Woche spĂ€ter ergreift Netlog erneut die Initiative und verschickt wieder automatisierte Einladungen an die vermeintlich "gestoppten" Kontakte. Auf diese Weise werden Netlog-Nutzer ungewollt zu Spam-Schleudern.
Netlog bietet den automatischen Einladungsdienst bereits seit 2007 an und konnte laut der englischsprachigen Wikipedia [2] damit ein virales Wachstum erzielen. Netlog-Mitgliedern, die einmal in die Einladungsfalle geraten sind, bleibt nur ein Ausweg: Ihr Konto bei dem Dienst zu löschen. Doch das ist gar nicht so einfach, wie viele Hilfeanfragen in diversen Internetforen zeigen. Der relevante MenĂŒpunkt "Konto, Löschen" ist so gut versteckt, dass der direkteste Weg dorthin ĂŒber den FuĂleisten-Punkt "Hilfe & FAQ" fĂŒhrt. Die Suche nach "Konto löschen" fĂŒhrt zu den entsprechenden Informationen und Links. Auch den belĂ€stigten Kontakten steht eine Möglichkeit offen: Sie können sich ĂŒber einen Link auf der Einladungs-Mail selbst auf eine "Blacklist" setzen lassen.
Hat man sich ĂŒber das Facebook-Login angemeldet, greift Netlog sogar auf die dort hinterlegten Profildaten zu. Dazu zĂ€hlt auch das Geburtsdatum â selbst wenn dieses aufgrund restriktiver Datenschutzeinstellungen nicht einmal den eigenen Kontakten auf Facebook zugĂ€nglich ist. Das Geburtsdatum verbreitet Netlog dann samt dem Facebook-Profilfoto in den automatisierten Einladungs-Mails. Damit begĂŒnstigt der belgische Dienst sogar IdentitĂ€tsdiebstahl: IdentitĂ€ten fĂŒr Online-EinkĂ€ufe werden hĂ€ufig nicht nur ĂŒber die Postanschrift, sondern auch ĂŒber das Geburtsdatum autorisiert.
Auch innerhalb der eigenen Grenzen forscht Netlog intensiv nach den Interessen seiner Nutzer. Diese können im MenĂŒpunkt "Profil" ein "Interview" ausfĂŒllen, in dem nach Konsumgewohnheiten und Lifestyle-Produkten gefragt wird. Damit sammelt Netlog umfangreiche Marketingdaten. Die Standardeinstellungen sind so gewĂ€hlt, dass das eigene Profil zunĂ€chst in sĂ€mtlichen Details öffentlich ist. Ăber eine White- oder eine Blacklist können Netlog-Nutzer Kontakte filtern, die Zugriff auf das eigene Profil erhalten oder nicht. Jeder Nutzer, der gesperrt wird, erhĂ€lt hierĂŒber â anders als etwa bei Facebook â eine Nachricht. (ad [3])
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[1] http://de.netlog.com
[2] http://en.wikipedia.org/wiki/Netlog
[3] mailto:ad@ct.de
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