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Post aus Japan: Das apportierende Motorrad

Martin Kölling

Die Tokyo Motor Show ist nicht nur fĂŒr Autos da. Honda, Suzuki und Yamaha stellen auch ZweirĂ€der aus. Dabei war auch eines, das sich selbst aufrichten und dem Fahrer wie ein Hund folgen kann.

Selbstfahrende Autos sind ja einfach, hat sich Isaac Tsuji gedacht. Darum tat er etwas, das fĂŒr einen Motorradingenieur naheliegend ist: Er baute fĂŒr seinen Arbeitgeber Yamaha ein Elektromotorrad, das sich sich selbst vom StĂ€nder aufrichten und dann fahren kann. Der Fahrer funkt es nur an und schon fĂ€hrt es zu ihm. Gestatten: Motoroid ist der Name.

Um diesen Trick zu ermöglichen, hat Tsuji ein gelenkiges Motorrad entwickelt. Vorder- und Hinterrad sind mit einer mÀchtigen drehbaren, diagonal verlaufenden Rolle verbunden. Beim Aufrichten rotiert nun das Hinterrad um diese Achse ein wenig zur Seite und richtet dann sich und das Motorrad dank der Hebelgesetze auf.

Post aus Japan
Post aus Japan

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus - und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle ĂŒber die neuesten Trends aus Japan und den Nachbarstaaten.

NatĂŒrlich hĂ€lt das Motorrad sich dank eines Gyrosensors selbststĂ€ndig im Lot. Ein schweres Gegengewicht zwischen den RĂ€dern, dort wo sonst bei herkömmlichen MotorrĂ€dern der Motor sitzen wĂŒrde, erleichtert dabei das Ausbalancieren: Es ist der Akku fĂŒr den Elektromotor. Langsam rollt es dann hinter dem Menschen her. Sein Herr- oder Frauchen behĂ€lt es dabei mit einer Kamera im Blick.

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Theoretisch könnte es sogar einen Menschen freihĂ€ndig chauffieren, sagt Tsuji. Praktisch sei das allerdings schwierig, weil sich Menschen zu viel bewegen wĂŒrden. Ganz so schnell wie ein Mensch reagiert der maschinelle Gleichgewichtssinn offenbar noch nicht.

Ein anderes Problem ist, dass die Kunden ihre MotorrĂ€der noch auf absehbare Zeit nicht bei Fuß stehen lassen können. Der Motoroid sei nur ein Prototyp, sagt Tsuji. An eine Serienfertigung wird derzeit noch nicht gedacht.

Was allerdings kommen wird, ist ein neues Dreirad von Yamaha. Derzeit fĂŒhrt Yamaha bereits ein GefĂ€hrt im Angebot, dass wie das italienische Piaggio zwei RĂ€der vorne und eines hinten hat. Es handelt sich um eine Art Scooter. Doch nun will Yamaha mit dem Niken das stabilisierte Motorradfahren auch unter Touringmaschinen verbreiten.

Niken steht fĂŒr "doppeltes Schwert" und spricht sich nach dem Willen seiner Ingenieure englisch Nai-ken aus. Und wer das Motorrad sieht, versteht die Namenswahl. In etwa 50 Zentimeter Abstand schneiden sich zwei RĂ€der an StoßdĂ€mpfern durch den Asphalt.

Yamaha Niken (0 Bilder) [3]

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Mit dem schnittigen Dreirad will Yamaha nun neue Kunden erschließen und alte behalten, indem es mehr StabilitĂ€t mit dem Fahrverhalten eines Motorrads kombiniert. Zum einen soll Niken Autofahrern die Angst vor dem Umsteigen aufs Motorrad nehmen, zum anderen Senioren noch ein paar JĂ€hrchen lĂ€nger Freiluftrasen ermöglichen als sie sich sonst auf zwei RĂ€dern zutrauen wĂŒrden.

Gerade in Japan wird Demographie zu einem Problem fĂŒr die Motorradhersteller. Immerhin betrĂ€gt hier das Durchschnittsalter der Motorradfahrer schon 52,9 Jahre. Doch das Niken fĂ€llt nicht so leicht um, steht allein und lĂ€sst sich daher einfacher beherrschen als ein richtiges Motorrad. Und wieder einmal zeigt eine japanische Firma, wie durch Innovation ein Problem in neues Absatzpotenzial verwandelt werden kann.

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