Vom Umgang mit AuĂerirdischen
1967 wurden erstmals Pulsare entdeckt. Wissenschaftler hatten sie zunÀchst als mögliches Zeichen intelligenten Lebens im All gedeutet. Daraus entstand das sogenannte Detection Protokoll, wie eine neue historische Untersuchung berichtet.
1967 wurden erstmals Pulsare entdeckt. Wissenschaftler hatten sie zunÀchst als mögliches Zeichen intelligenten Lebens im All gedeutet. Daraus entstand das sogenannte Detection Protokoll, wie eine neue historische Untersuchung berichtet.
Es dĂŒrfte eines der bedeutendsten Ereignisse der Erdgeschichte werden, sollte es Forschern eines Tages gelingen, intelligentes Leben im All nachzuweisen. Diese im Science-Fiction-Jargon als "Contact Event" bezeichnete Situation wĂŒrde die Menschheit wohl kulturell, gesellschaftlich und technologisch verĂ€ndern â und zwar enorm.
Die Frage, wie man mit einem solchen Ereignis umgehen könnte, wird seit lÀngerem breit diskutiert. So einigte sich die internationale Gemeinschaft im Jahr 1990 auf ein sogenanntes Detection Protocol [1], das die ersten Schritte vereinheitlicht, die eine Wissenschaftsgruppe gehen muss, sobald es wirklich zum Erstkontakt kommt.
Das Detection Protocol basiert augenscheinlich auf handfesten Erfahrungen mit der Fragestellung, wie der Astrophysiker Alan Penny von der University of St Andrews in Schottland in einem neuen Paper [2] ausfĂŒhrt. Es geht dabei um die sogenannte SETI-Episode aus dem Jahr 1967, als es erstmals danach aussah, als hĂ€tte man eine intelligente Zivilisation im All entdeckt. FĂŒr seine Untersuchung sprach Penny mit Beteiligten, um zu ergrĂŒnden, wie die Forscher mit der Möglichkeit eines Contact Event umgingen.
Die SETI-Episode vor 46 Jahren stellte sich spĂ€ter als Entdeckung des ersten Pulsars [3] heraus. Mittlerweile wissen wir, dass es schnell rotierende Neutronensterne gibt, die regelmĂ€Ăig wiederkehrende Signale im Radiofrequenzbereich erzeugen, die man, wenn die Erde im Strahlungsfeld liegt, verlĂ€sslich empfangen kann. FĂŒr die Entdeckung erhielt Anthony Hewish, dessen Doktorandin Jocelyn Bell Burnell den Neutronenstern PSR B1919+21 erstmals wahrnahm, den Nobelpreis.
Zu jener Zeit stand die Radioastronomie noch ganz am Anfang und die Entdeckung einer derart regelmĂ€Ăigen Strahlenquelle im All war eine groĂe Ăberraschung. "Wir mussten die Möglichkeit in ErwĂ€gung ziehen, dass die Signale in der Tat von einem Planeten stammen könnten, der sich um einen entfernten Stern drehte und die kĂŒnstlichen Ursprungs waren", sagte Hewish spĂ€ter.
Die Geschichte der Entdeckung umfasst mindestens ein halbes Jahr. Im August 1967 bemerkte Bell erstmals regulĂ€re Signale, die jeden Tag zur gleichen Sternenzeit nachweisbar waren. Es dauerte nicht lange, bis die Forscher erstmals die Hypothese aufstellten, dass die Signale von "kleinen grĂŒnen MĂ€nnchen" â LGM, wie sie scherzhaft schrieben â stammen könnten.
Im Dezember bestĂ€tigte das Team die Entdeckung mit einem weiteren Teleskop und Bell ermittelte die exakte Position der Quelle. Kurz darauf fand sie noch eine zweite Signalquelle und bis Mitte Januar eine dritte und vierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Team die Möglichkeit der kĂŒnstlichen Herkunft aber verworfen und fand schlieĂlich Neutronensterne als natĂŒrliche ErklĂ€rung. Im Februar wurde die Studie dann von "Nature" angenommen und nach einer öffentlichen Bekanntgabe am 24. Februar 1968 auch publiziert.
Penny beschreibt in seinem Paper, wie der Entdeckungsprozess ablief und welche Diskussionen es innerhalb des Forscherteams gegeben hat. So wurden die Auswirkungen besprochen, falls das Signal eine kĂŒnstliche Quelle haben könnte â und auch, wie sich ein solcher Schluss verifizieren und verkĂŒnden lieĂe. Ebenfalls diskutiert wurde, ob die Entdeckung tatsĂ€chlich gefĂ€hrlich fĂŒr die Menschheit sein könnte. Der Prozess folgte eng jenem, der im viele Jahre spĂ€ter verabschiedeten Detection Protocol von 1990 steht.
Und es gab noch eine andere interessante Frage: Das Team diskutierte die Möglichkeit, ob man auf das kĂŒnstliche Signal antworten sollte. Genau hier hat die internationale Gemeinschaft auch heute noch keine Lösung gefunden: Ein "Reply Protocol" existiert noch nicht.
Der Grund: Es gibt sehr unterschiedliche Meinungen, ob eine Antwort auf ein solches Signal der Menschheit dienlich oder fĂŒr sie gefĂ€hrlich sein könnte. Diese Situation muss sich Ă€ndern, argumentiert Penny. "Die SETI-Episode von 1967 zeigt, wie schwierig es ist, ein Antwortprotokoll zu erstellen, wĂ€hrend man sich in der hitzigen AtmosphĂ€re eines Contact Event befindet." Die SETI-Projekte [4] arbeiten derzeit wieder daran, bewohnbare Exoplaneten in einer Umlaufbahn anderer Sterne zu detektieren. Entsprechend sinnvoll wĂ€re es, sich endlich darĂŒber Gedanken zu machen. ()
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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.seti.org/post-detection.html
[2] http://arxiv.org/abs/1302.0641
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Pulsar#Geschichte
[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Search_for_Extra-Terrestrial_Intelligence
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