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350.000 SIM-Karten, 500 iPhones: Polizei findet Klickfarm in Thailand

Daniel Berger
Speicherchip auf Kreditkarte

(Bild: dpa, Jens BĂŒttner)

In Thailand hat die Polizei hunderttausende SIM-Karten und fast 500 iPhones sichergestellt. Sie dienten einem organisierten Klickbetrug im großen Stil. Unklar ist indes, woher die vielen Smartphones stammen.

Die Polizei in Thailand hat bei einer Hausdurchsuchung einen ungewöhnlichen Fund gemacht: Die Beamten stießen auf fast 350.000 fabrikneue SIM-Karten sowie auf 474 iPhones, berichtet die Bangkok Post [1]. Die iPhones (4S, 5C und 5S) seien demnach auf Metallgestelle fixiert gewesen. Videoaufnahmen [2] von der Nachrichtenagentur TNAMCOT zeigen die ungewöhnliche Apparatur: Die Smartphones wurden mit Strom versorgt und waren offenbar an Computer angeschlossen gewesen.

TNAMCOT

iPhones auf Metallgestell: Drei MĂ€nner betrieben in Thailand offenbar eine Klickfarm – bis die Polizei kam.

(Bild: TNAMCOT [3] )

Die thailĂ€ndische Polizei nahm drei Chinesen fest, die offenbar drei Monate lang unbemerkt eine Klickfarm betreiben konnten. Wie die Beschuldigten der Polizei erklĂ€rten, hĂ€tten sie 150.000 Baht (gut 4000 Euro) fĂŒr ihr Unterfangen erhalten. Als Gegenleistung sollten die MĂ€nner bestimmte Webseiten aufrufen sowie Likes und Shares via WeChat an Produkte verteilen. Die Festgenommenen weigerten sich, ihren Auftraggeber zu nennen. WeChat [4] ist einer der grĂ¶ĂŸten Online-Dienste der Welt und in China eine Universal-App, ĂŒber die sich etwa auch Essen bestellen oder Rechnungen bezahlen lĂ€sst.

Die MĂ€nner nutzten Thailand als Standort, weil dort die Smartphone-Tarife verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig gĂŒnstig sind. Die Polizei ermittelt nun, wie es den MĂ€nnern gelungen war, so viele Mobiltelefone ins Land zu bringen. Außerdem muss geklĂ€rt werden, wie sie die zahlreichen SIM-Karten beschafft haben. Lokale Anbieter sind gesetzlich dazu verpflichtet, die Kundendaten bei Aktivierung der SIM-Karten zu erfassen, erklĂ€rte die Polizei gegenĂŒber der Bangkok Post. Der Polizeichef schließt aus, dass die verhafteten MĂ€nner die SIM-Karten selbst besorgt haben. Sie stammten von drei verschiedenen thailĂ€ndischen Mobilfunkanbietern. Die Polizei wolle nun die HintermĂ€nner und Finanziers finden.

Die drei Festgenommenen mĂŒssen sich derweil nicht wegen Klickbetrug verantworten, sondern wegen fehlender Arbeitspapiere. Zudem wird ihnen ein illegaler Import von MobilgerĂ€ten vorgeworfen.

(dbe [5])


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  1. http://www.bangkokpost.com/news/crime/1267202/fake-likes-probe-turns-to-local-operators
  2. https://www.youtube.com/watch?v=wlWZsuhMzLY
  3. https://www.youtube.com/watch?v=wlWZsuhMzLY
  4. https://www.heise.de/download/product/wechat-93568
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