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3D-Druck: Diese RĂ€der reagieren auf ihre Umgebung

Akos Fodor
Fahrzeug mit dem Reifendesign erklimt Hindernis

(Bild: youtube.com/ Morphlab ICL)

Fahrende Roboter sind nicht die besten Kletterer. Mit diesen 3D-gedruckten RĂ€dern bezwingen sie aber ganz mĂŒhelos auch unwegsames GelĂ€nde.

An der Dyson School of Design Engineering (Imperial College London) hat ein Forscherteam ein Rad fĂŒr mobile Roboter entwickelt, das seine Form automatisch anpasst, um Hindernisse im GelĂ€nde zu ĂŒberwinden. DafĂŒr verwendet das Passively-Transformable Single-Part Wheel (PaTS) einen nachgiebigen Mechanismus (engl. compliant mechanism), das heißt, eine Kinematik, bei der alle Elemente mit elastischen Gelenken verbunden sind. Aufgrund dieser Konstruktion lĂ€sst sich der Entwurf vollstĂ€ndig und in einem StĂŒck mit einem 3D-Drucker fertigen.

Im Einsatz auf ebenem Untergrund sieht das Rad dann zunĂ€chst kreisrund aus. Sobald es aber mit einem Objekt kollidiert, das auf einen Trigger in der Kinematik drĂŒckt, verwandelt sich das betroffene Radsegment in eine Art Kralle (siehe Abbildung). Mit deren Hilfe soll der Roboter laut der Forscher Hindernisse mit einer Höhe von bis zu 70 Prozent des Rad-Durchmessers erklimmen können. Im Vergleich dazu sei ein herkömmliches Rad nur imstande, Objekte zu ĂŒberwinden, die etwa ein Viertel so hoch sind wie sein Durchmesser.

Die Elemente Claw und Pad schließen im Ruhezustand bĂŒndig ab und erzeugen ein Kreissegment. Erst wenn etwas (hier ein blauer Stift) auf Pad drĂŒckt, bewegt sich Claw nach außen und greift nach dem Hindernis.

(Bild: youtube.com/ Morphlab ICL)

Nach dem Klettern klappt das PaTS-Rad wieder zurĂŒck in seine ursprĂŒngliche Form. Dies geschieht passiv, mithilfe des nachgiebigen Mechanismus. Der Entwurf benötigt dafĂŒr also keine Sensoren, weitere Elektronik oder eine spezielle Programmierung – und zeigt, wie sich solch eine Herausforderung auch mit verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig einfachen Mitteln kreativ lösen lĂ€sst.

Zu dem Forschungsprojekt ist eine kostenpflichtige Publikation auf IEEE Xplore [1] erschienen. Auf Twitter [2] und YouTube [3] kann man sich den Mechanismus des PaTS-Rads zudem detailliert in Aktion anschauen. In den Kommentaren herrscht reges Interesse an dem Design und es wird viel ĂŒber die Belastbarkeit des nachgiebigen Mechanismus diskutiert, da die gedruckten Gelenke recht filigran sind. Offizielle CAD-Daten zum 3D-Drucken gibt es bislang nicht, aber bereits einen ersten Nachbauversuch auf Thingiverse [4].

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(akf [6])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-9706416

Links in diesem Artikel:

  1. https://ieeexplore.ieee.org/document/10502024
  2. https://twitter.com/GoddenThomas/status/1784609896203219433
  3. https://www.youtube.com/watch?v=oZbZZlDDEnc
  4. https://www.thingiverse.com/thing:6600179
  5. https://www.heise.de/make
  6. mailto:akf@make-magazin.de