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Amazons Verluste weiten sich aus

Daniel AJ Sokolov

Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz, aber auch die Verluste. Das laufende Quartal wird noch deutlich schlechter ausfallen. Die AktionÀre reagieren pikiert.

Donnerstagabend ist der Aktienkurs von Amazon.com, Inc., im nachbörslichen Handel um ĂŒber zehn Prozent abgerutscht. Die Kursgewinne vom Juni und Juli wurden damit praktisch ausgelöscht. Anlass waren die veröffentlichten Quartalszahlen [1]: Zwar stieg der Nettoumsatz im Jahresabstand um 23 Prozent auf 19,34 Milliarden US-Dollar, doch der Nettoverlust vervielfachte sich von sieben auf 127 Millionen Dollar. Der operative Verlust belief sich auf 15 Millionen Dollar nach einem operativen Gewinn von 79 Millionen ein Jahr zuvor [2].

Und im laufenden Quartal wird es noch viel schlimmer. WĂ€hrend der Nettoumsatz im dritten Quartal voraussichtlich 15 bis 26 Prozent zulegen wird, soll der operative Verlust auf 410 bis 810 Millionen US-Dollar explodieren. Im dritten Quartal 2013 hatte Amazon einen operativen Verlust von vergleichsweise bescheidenen 25 Millionen erlitten.

Robert Louis Stevenson

"Beurteile einen Tag nicht nach der Ernte, die Du einfÀhrst, sondern nach den Samen, die Du gesÀt hast." Dieser dem schottischen Schriftsteller Robert Louis Stevenson (Bild) zugeschriebene Aphorismus passt zu Amazons Strategie.

(Bild: Gemeinfrei (Lichtbild von Henry Walter Barnett, 1893))

In einer Telefonkonferenz mit Finanzanalysten betonte Amazons Finanzchef Tom Szkutak mehrmals, was seine Firma nicht alles fĂŒr neue Angebote, fĂŒr niedrigere Preise und somit fĂŒr die Kunden tue. Deren gibt es nun ĂŒber 250 Millionen. Ihnen stehen mehr als zwei Millionen VerkĂ€ufer auf den Amazon-Webseiten gegenĂŒber, die zuletzt 41 Prozent aller Waren verkauften (gerechnet in StĂŒck inklusive digitale Medien). Im Schnitt hat jeder Kunde fĂŒnf Prozent mehr ausgegeben als vor einem Jahr. Doch fĂŒr die AktionĂ€re schaut dabei auf absehbare Zeit wenig heraus.

Die Finanzanalysten hĂ€tten gerne gewusst, welche Faktoren konkret den GeschĂ€ftsverlauf im zweiten Quartal beeinflusst haben. Szkutak ließt sich nur zwei Beispiele entlocken. Die deutliche Preissenkung bei den Amazon Web Services sowie eine Erhöhung der Umsatzsteuer in Japan von fĂŒnf auf 8 Prozent. Letzteres hat die Kauflust der Japaner deutlich gebremst.

Szkutak sprach mehr darĂŒber, dass Amazon weiterhin viel Geld investieren wird. In einen Ausbau der Amazon Webservices beispielsweise, deren Inanspruchnahme deutlich zunimmt. In neue Ausliefer- sowie Sortierzentren fĂŒr schnellere Lieferung (fĂŒr ein Viertel der US-Einwohner inzwischen auch Sonntags).

Oder in eigene Videoserien und Pilotfolgen. Letzteres wird im dritten Quartal ĂŒber 100 Millionen US-Dollar kosten. Dass das nicht kapitalisiert sondern sofort als Ausgabe verbucht wird gibt einen Hinweis auf die Erwartung ĂŒber den langfristigen Wert dieser Geldanlage.

Auch in eigene EndgerĂ€te investiert Amazon laufend. Seit Donnerstag wird das Fire Phone [3] in den USA ausgeliefert. Doch obwohl es auf amazon.com seit ĂŒber einem Monat intensiv beworben wird, liegt es in der Elektronik-Bestsellerliste gegenwĂ€rtig nur auf Platz 22, einen Platz hinter dem Apple TV. Kein Wunder: Selbst wer den vollen Preis von 650 US-Dollar [4] zuzĂŒglich Steuer bezahlt, erhĂ€lt ein Handy mit SIM-Lock auf AT&T.

Übrigens ist Amazons Personalstand stark gestiegen. Zur Jahresmitte hatte Amazon 132.600 fixe Mitarbeiter (Vollzeit und Teilzeit, aber ohne WerkvertrĂ€ge und temporĂ€re Belegschaft). Mitte 2013 waren es 97.000. (ds [5])


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https://www.heise.de/-2267885

Links in diesem Artikel:
[1] http://phx.corporate-ir.net/phoenix.zhtml?c=97664&p=irol-newsArticle&ID=1951180&highlight=
[2] https://www.heise.de/news/Amazon-nimmt-fuer-Expansionskurs-Verlust-in-Kauf-1924208.html
[3] https://www.heise.de/news/Fire-Phone-Amazon-bringt-Smartphone-mit-3D-Effekt-2230418.html
[4] https://www.heise.de/news/Fire-Phone-Amazons-Smartphone-bricht-mit-Erfolgskonzept-2235084.html
[5] mailto:ds@heise.de