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AminosÀure in Kometen gefunden

Dr. Wolfgang Stieler
AminosÀure in Kometen gefunden

Der Komet  67P/Tschurjumow-Gerassimenko aufgenommen von der Rosetta-Sonde am 15. August 2015. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Komet seine geringste Entfernung zur Sonne.

(Bild: ESA)

Ein internationales Forschungsteam hat erstmals die AminosÀure Glycin und Phosphor in der Gaswolke des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko nachgewiesen.

Ein internationales Forscherteam konnte sie nach der Auswertung von Massenspektren der Rosetta-Mission zweifelsfrei die AminosÀure Glycin, Methylamin, Ethylamin und Phosphor in der Gaswolke um den Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko [1] nachweisen. Das berichten [2] sie in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science Advances.

Obwohl mittlerweile mehr als 140 verschiedene organische MolekĂŒle im All [3] nachgewiesen wurden, sind AminosĂ€uren bisher nicht darunter. Sie bilden die Grundbausteine von Muskeln, Bindegewebe, Hormonen und Enzymen. Bei dem bislang einzigen Nachweis von Glycin in Kometen-Staub, den die Stardust-Mission [4] der NASA 2004 vom Kometen Wild 2 geborgen hatte, konnte eine irdische Kontamination nicht ausgeschlossen werden.

Der Nachweis von Glycin dĂŒrfte die These stĂ€rken, dass das Rohmaterial fĂŒr die Entwicklung des Lebens ĂŒber Kometen auf die Erde gelangte. DafĂŒr spricht unter anderem die weite Verbreitung von Kohlenstoffverbindungen im Weltraum, berichtet Birgit Herden in der aktuellen Ausgabe von Technology Review ("Lebt da was?", TR 6/16 S. 26 [5]).

Mit immer aufwendigeren Teleskopen identifizieren Radioastronomen organische MolekĂŒle anhand ihrer charakteristischen Spektrallinien. Besonders das Atacama Large Millimeter Array (ALMA) treibt seit 2013 diese Forschung voran, ein in den chilenischen Anden aufgestelltes Radioteleskop. Auch mit ihm ist der direkte Nachweis von AminosĂ€uren zwar nicht gelungen, weil ALMA nicht empfindlich genug ist. DafĂŒr aber spĂŒrte es in der gigantischen, rund 27000 Lichtjahre entfernten Gaswolke Sagittarius B2 ein MolekĂŒl namens iso-Propylcyanid auf. Es Ă€hnelt mit seiner verzweigten Struktur dem RĂŒckgrat von AminosĂ€uren und fand sich ausgerechnet in einer Region, in der besonders viele neue Sterne und Planeten entstehen.

Und ein weiteres Indiz spricht fĂŒr diese These: Uwe Meierhenrich von UniversitĂ€t Nizza Sophia-Antipolis beispielsweise erzeugte im Labor aus Wasser, Ammoniak, Methanol und Kohlendioxid unter simulierten Weltraumbedingungen in Eis-Staub-Partikeln eine Vielzahl an AminosĂ€uren und Zuckern, den Grundbausteinen von Proteinen und RNA. Bei weiteren Versuchen entstand sogar ein leichtes Übermaß an sogenannten linkshĂ€ndigen AminosĂ€uren – eine weitere Besonderheit irdischen Lebens.

Es ist also durchaus möglich, dass das Rohmaterial, aus dem sich Lebewesen zusammensetzen, ĂŒber Kometen auf die Erde gelangte. Wenn dem so ist, könnte es auch auf anderen Planeten gelandet sein und dort Lebensformen hervorgebracht haben.

Hochaufgelöste Nahaufnahmen von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko (0 Bilder) [6]

[7]

(wst [8])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-3221395

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.heise.de/newsticker/meldung/ESA-Sonde-Rosetta-Tausende-neue-Fotos-vom-Kometen-und-Suchbilder-mit-Lander-3206759.html
[2] http://advances.sciencemag.org/content/2/5/e1600285
[3] https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_interstellar_and_circumstellar_molecules
[4] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Erstmals-Staubteilchen-von-jenseits-des-Sonnensystems-identifiziert-2292995.html
[5] http://www.heise.de/tr/artikel/Lebt-da-was-3213503.html
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/1812453.html?back=3221395;back=3221395
[7] https://www.heise.de/bilderstrecke/1812453.html?back=3221395;back=3221395
[8] mailto:wst@technology-review.de