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BKA will Besitz und Verbreitung von Kinderporno-Links kriminalisieren

Stefan Krempl

Christian Hoppe, Leiter der Zentralstelle Kinderpornographie beim Bundeskriminalamt, plĂ€dierte auf einer Anhörung im EU-Parlament fĂŒr eine deutliche Ausweitung der Strafbarkeit beim Umgang mit kinderpornographischem Material. Derweil wirft der AK Zensur den Polizeibehörden mit einer neuen Analyse von Sperrlisten schwere VersĂ€umnisse vor.

Christian Hoppe, Leiter der Zentralstelle Kinderpornographie beim Bundeskriminalamt (BKA), plĂ€dierte auf einer Anhörung [1] im EU-Parlament fĂŒr deutliche VerschĂ€rfungen in der Strafverfolgung. In der Anhörung, die sich mit dem Vorstoß der EU-Kommission zur BekĂ€mpfung des sexuellen Kindesmissbrauchs beschĂ€ftigte, forderte er eine deutliche Ausweitung der Kriminalisierung des Umgangs mit kinderpornographischem Material. Die Politik sollte darĂŒber nachdenken, erklĂ€rte der Strafverfolger am heutigen Mittwoch in BrĂŒssel, "ob auch der Besitz und die Verbreitung" von Links auf einschlĂ€gige Webseiten "eindeutig unter Strafe zu stellen ist". Der Ermittler betonte, wie wichtig die EU-weite Kriminalisierung "jeglicher Vorbereitungshandlungen wie Anklicken und Vorhalten im Arbeitsspeicher" nach deutschem Vorbild sei.

Der Vorstoß des BKA wĂŒrde sich nicht nur potenziell prĂ€ventiv auf mögliche SexualstraftĂ€ter auswirken, sondern auch die bislang legale Untersuchung von Filterlisten unterbinden. Der Arbeitskreis Zensur (AK Zensur) legte ebenfalls heute Ergebnisse [2] eines neuen, mit anderen europĂ€ischen BĂŒrgerrechtsorganisationen durchgefĂŒhrten "Praxistests" vor. Im Rahmen der aktuellen Analyse suchten die Aktivisten 167 EintrĂ€ge als reprĂ€sentatives Beispiel fĂŒr derzeit in DĂ€nemark blockierte Webseiten heraus, kategorisierten sie und ordneten sie nach HerkunftslĂ€ndern. "Das Ergebnis ist eine Blamage fĂŒr die Strafverfolgungsbehörden", meint Alvar Freude vom AK Zensur, da von allen untersuchten Links lediglich drei Seiten tatsĂ€chlich Inhalte enthielten, "die als Kinderpornografie eingestuft werden können". Zwei davon seien schon seit 2008 auf der dĂ€nischen Liste verzeichnet gewesen und stĂŒnden zudem in Norwegen, Finnland und Schweden in den vergleichbaren Filterverzeichnissen. Trotzdem habe es offensichtlich "keine Versuche von Seiten der Strafverfolgungsbehörden" gegeben, diese illegalen Inhalte aus dem Netz zu entfernen.

Dem AK Zensur gelang es dagegen nach eigenen Angaben, mit Hilfe einfacher E-Mails mit Missbrauchsmeldungen an Provider zwei aus den USA verbreitete Webseiten selbst am Wochenende binnen 30 Minuten löschen zu lassen. Eine dritte Webseite sei am Dienstag innerhalb von drei Stunden nach Meldung von der indischen Domain-Vergabestelle abgeschaltet worden. Die Inhalte hĂ€tten auf einem Server in den Niederlanden gelegen. Auch die Analyse der restlichen Inhalte der skandinavischen Sperrliste habe erneut die "Wirkungslosigkeit dieses Instruments" gezeigt. So seien weit ĂŒber die HĂ€lfte der dort verzeichneten Seiten bereits gelöscht gewesen. Die Ergebnisse decken sich mit vergleichbaren frĂŒheren Untersuchungen [3] des AK Zensur. KĂŒnftige vergleichbare Analysen wĂ€ren mit einer Kriminalisierung schon des Besitzes entsprechender Links aber auf legale Weise nicht mehr möglich.

Den Ermittlern scheint es laut den BĂŒrgerrechtlern generell nicht um eine wirksame Verfolgung der Taten und TĂ€ter oder um die verfassungsrechtlich gebotene Tilgung von nicht mehr relevanten Adressen auf einem Filterverzeichnis zu gehen. Denn eigentlich mĂŒssten die Entfernung der "menschenverachtenden Inhalte" und die Strafverfolgung "oberste PrioritĂ€t" haben. Sperren erreichten genau das Gegenteil. Dass dieses Mittel trotzdem nun auf der EU-Ebene gepriesen [4] werde, mache deutlich, dass auch in der Politik das Motto "Verstecken statt Verfolgen" gelte. (jk [5])


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https://www.heise.de/-1098392

Links in diesem Artikel:

  1. https://www.heise.de/news/EU-Kommission-plaediert-weiter-fuer-Websperren-1098160.html
  2. http://ak-zensur.de/2010/09/wegsehen-statt-handeln.html
  3. https://www.heise.de/news/Verschleierungstaktik-291986.html
  4. https://www.heise.de/news/EU-will-Websperren-einfuehren-965666.html
  5. mailto:jk@heise.de