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Berge, Gletscher, Nebel: VielfÀltiger Pluto begeistert Astronomen

Pluto

Pluto mit der riesigen Eisebene Sputnik Planum

(Bild: NASA/JHUAPL/SwRI)

Seit die NASA-Sonde New Horizons den Zwergplaneten Pluto passiert hat, sorgen die Forschungsergebnisse fĂŒr Überraschungen. Nun haben die Forscher die Erkenntnisse auch im Fachmagazin Science veröffentlicht. Viele Fragen sind noch offen.

Der Zwergplanet Pluto ist deutlich vielfĂ€ltiger als gedacht. New Horizons hat bei ihrem Vorbeiflug im Sommer Berge, Schluchten, kraterzerklĂŒftete Landschaften und ausgedehnte, glatte Eisebenen erspĂ€ht. Pluto und sein grĂ¶ĂŸter Mond Charon zeigen eine unerwartete geologische AktivitĂ€t, wie die Forscher um Alan Stern vom Southwest Research Institute in Boulder (US-Staat Colorado) in einer ersten wissenschaftlichen Zusammenfassung der Beobachtungen im Fachblatt Science berichten.

Pluto-Sonde New Horizons (0 Bilder) [1]

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Detailblick auf Sputnik Planum: Auch hier ohne (kleine) Einschlagskrater

Detailblick auf Sputnik Planum – gĂ€nzlich ohne (sogar kleine) Einschlagskrater. Die OberflĂ€che muss also jung sein.

(Bild: NASA/JHUAPL/SwRI)

New Horizons hat dabei unter anderem erstmals den Durchmesser des Eiszwergs genau bestimmt: Pluto misst demnach 2374 Kilometer. Eine Abplattung wie etwa bei der Erde durch die Eigenrotation konnte die Raumsonde nicht feststellen – der Zwergplanet ist kugelrund. Plutos OberflĂ€che wird von Eis bestimmt. New Horizons hat jedoch Berge [3] fotografiert, die sich bis in 3000 Meter Höhe recken. Das Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methaneis, das bereits vor dem Besuch der Raumsonde auf dem Zwergplaneten nachgewiesen wurde, ist fĂŒr derart hohe Berge viel zu weich. Die Forscher nehmen daher an, dass diese Eissorten vielerorts nur eine relativ dĂŒnne Schicht auf der OberflĂ€che bilden und sich darunter das deutlich hĂ€rtere Wassereis zu Bergen tĂŒrmt. Plutos Gebirge, die es durchaus etwa mit den Rocky Mountains in Nordamerika aufnehmen können, bestehen also aus Eisbergen.

Pluto-Mission New Horizons
NASA-Mission New Horizons

Fast zehn Jahre lang flog die NASA-Sonde New Horizons zum Pluto. Als erste Sonde ĂŒberhaupt passiert sie den Zwergplaneten, um ihn aus der NĂ€he zu erforschen.

Überraschenderweise gibt es auf Pluto vergleichsweise wenig Einschlagskrater, gemessen am zu erwartenden kosmischen Bombardement in der Heimat des Eiszwergs, dem KuipergĂŒrtel. Die Krater mĂŒssen durch aktive geologischen Prozesse verschwunden sein, folgern die Astronomen. Das bedeutet, dass etwa die völlig kraterlose Eisebene Sputnik Planum nur etwa 100.000 Jahre alt sein kann. Unklar ist, welche Energiequelle die geologische AktivitĂ€t antreibt.

In der Eisebene Sputnik Planum erspĂ€hte die Raumsonde Hinweise auch eine Art Gletscher [9]. Das Eis scheint dort in Bewegung gewesen zu sein oder immer noch zu fließen. Aufnahmen zeigen, wie die Eisschichten Hindernisse umflossen haben.

VerblĂŒfft hat die Forscher auch die farbliche Vielfalt des Pluto [10]. Neben nahezu komplett weißen Eisebenen gibt es auf Pluto rötliche und leicht blĂ€uliche Landschaften. Die Rottöne stammen vermutlich von Kohlenstoffverbindungen namens Tholinen, die sich mit Hilfe ultravioletter Strahlung oder durch den Beschuss mit schnellen kosmischen Teilchen aus dem Stickstoff-Methanmix auf Pluto bilden und schon in geringer Konzentration fĂŒr gelbe bis dunkelrote Farbtöne sorgen.

Plutos AtmosphĂ€re ist dĂŒnner als erwartet. Der Luftdruck am Boden betrĂ€gt etwa 10 Millionstel Bar, das ist nur ein Hunderttausendstel des irdischen Luftdrucks. Unklar ist, ob die AtmosphĂ€re sich erst kĂŒrzlich ausgedĂŒnnt hat. In der AtmosphĂ€re fotografierte New Horizons Dunstschleier [11], deren Herkunft noch nicht geklĂ€rt ist.

Charons OberflÀche

Charons OberflÀche

(Bild: NASA/JHUAPL/SwRI)

Der grĂ¶ĂŸte Mond Charon [12] mit einem mittleren Durchmesser von 1212 Kilometern bietet ebenfalls erstaunlich abwechslungsreiche Landschaften. Unter anderem besitzt er ein gigantisches, kilometertiefes Canyonsystem, das mindestens viermal so lang ist wie der Grand Canyon auf der Erde. Die Canyons ziehen sich quer ĂŒber Charons OberflĂ€che. Manche Forscher spekulieren, dass auf dem Mond womöglich vor langer Zeit ein unterirdischer Ozean gefroren ist und dabei durch die VolumenĂ€nderung die komplette Kruste aufgesprengt hat. Charon scheint Ă€hnlich geologisch aktiv wie Pluto, auch bei ihm ist die Energiequelle dieser AktivitĂ€t unklar.

New Horizons hat auch die Plutomonde Hydra und Nix untersucht. Hydra ist demnach etwa 40 mal 30 Kilometer groß, Nix etwa 50 mal 30 Kilometer. Beide Minimonde reflektieren ĂŒberraschend stark. Die Astronomen nehmen daher an, dass sie mit saubererem Wassereis bedeckt sind als Charon. Wie die beiden Plutotrabanten angesichts der zahlreichen UmwelteinflĂŒsse im KuipergĂŒrtel ĂŒber Jahrmilliarden derart unbefleckte OberflĂ€chen behalten konnten, ist momentan noch rĂ€tselhaft. (mho [13])


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  3. https://www.heise.de/news/NASA-Sonde-New-Horizons-Plutos-eisige-Berge-im-Gegenlicht-2821033.html
  4. http://www.heise.de/thema/New-Horizons
  5. https://www.heise.de/news/Zum-Schluss-zum-Zwerg-Planeten-NASA-Sonde-New-Horizons-seit-10-Jahren-unterwegs-3073675.html
  6. https://www.heise.de/news/NASA-Sonde-New-Horizons-Die-besten-Bilder-des-Pluto-fuer-Jahrzehnte-3032866.html
  7. https://www.heise.de/news/NASA-Sonde-New-Horizons-Detailliertes-Panorama-des-Pluto-in-Farbe-2825693.html
  8. https://www.heise.de/news/Nach-Pluto-Vorbeiflug-NASA-Sonde-New-Horizons-meldet-sich-zurueck-2750434.html
  9. https://www.heise.de/news/NASA-Sonde-New-Horizons-Plutos-Gletscher-aus-gefrorenem-Stickstoff-2762946.html
  10. https://www.heise.de/news/NASA-Sonde-New-Horizons-Detailliertes-Panorama-des-Pluto-in-Farbe-2825693.html
  11. https://www.heise.de/news/NASA-Sonde-New-Horizons-Blauer-Himmel-ueber-dem-Pluto-2841043.html
  12. https://www.heise.de/news/NASA-Sonde-New-Horizons-Panoramafoto-des-Pluto-Monds-Charon-2836280.html
  13. mailto:mho@heise.de