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Beunruhigende Gesundheitssituation in der IT-Industrie

Frank Möcke

Jeder zweite im Rahmen eines Forschungsprojektes befragte IT- BeschÀftigte berichtet von einer starken oder sehr starken Belastung durch extremen Zeitdruck und hohes Arbeitsaufkommen.

In den zurĂŒckliegenden Jahren habe sich die Belastung der BeschĂ€ftigten in der IT-Wirtschaft deutlich verschĂ€rft. Zunehmende Leistungsverdichtung, die Paradoxien neuer Managementkonzepte, eine VerĂ€nderung der betrieblichen Sozialordnungen und eine generelle Zunahme von Unsicherheiten haben eine grundlegend neue Belastungskonstellation geschaffen.

Auf einem Workshop des Forschungs- und Gestaltungsprojektes DIWA-IT - Gesund arbeiten, gesund bleiben in der IT-Wirtschaft [1] haben am 6. Oktober Wissenschaftler des MĂŒnchner Instituts fĂŒr Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) [2] diese EinschĂ€tzung der aktuellen Belastungskonstellation in der IT-Industrie prĂ€sentiert. An der Tagung nahmen auch Forscher aus dem IAQ [3] (UniversitĂ€t Duisburg-Essen), Mitarbeiter des Beratungsunternehmens Moderne Arbeitszeiten [4] sowie Vertreter von IT-Unternehmen, unter anderem von SAP, der Deutschen Telekom, Beiersdorf Shared Services und der evu.it teil.

Danach hat fast die HĂ€lfte der befragten IT- BeschĂ€ftigten von einer starken oder sehr starken Belastung durch extremen Zeitdruck und hohes Arbeitsaufkommen berichtet. Noch gravierender sei die Lage in besonders sensiblen Bereichen: Dass sie sich "immer wieder an der Grenze ihrer Belastbarkeit erleben" oder das Überschreiten dieser Grenze "in Form eines gesundheitlichen Zusammenbruchs" sogar schon am eigenen Leib erfahren hĂ€tten, gaben ĂŒber 50% der Befragten an. Von anderen hochqualifiziert BeschĂ€ftigten beklagt nur jeder dritte eine starke oder sehr starke Belastung durch Zeitdruck und Arbeitsaufkommen, von allen sozialversicherungspflichtig BeschĂ€ftigten Ă€ußert sich nur jeder fĂŒnfte entsprechend.

Nach den Analysen der Wissenschaftler, die sich auf langjĂ€hrige Forschungserfahrung in der IT-Industrie stĂŒtzen, handelt es sich hier nicht nur um eine kurzfristige Belastungsspitze, die man aussitzen könne. Damit die LeistungstrĂ€ger der IT-Wirtschaft nicht ausbrennen, mĂŒsse Gesundheitsförderung vom Randthema zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenspolitik und der Organisationsentwicklung werden.

Das Projekt DIWA-IT wird gefördert vom Bundesministerium fĂŒr Bildung und Forschung sowie aus Mitteln des EuropĂ€ischen Sozialfonds. Betreut wird es vom ProjekttrĂ€ger im DLR, Förderschwerpunkt "PrĂ€ventiver Arbeits- und Gesundheitsschutz". (fm [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-821154

Links in diesem Artikel:

  1. http://www.diwa-it.de
  2. http://www.isf-muenchen.de
  3. http://www.iaq.uni-due.de
  4. http://www.hellert.de
  5. mailto:fm@ct.de