Bitkom warnt vor Stolpersteinen bei der Frequenzauktion
Bitkom-PrÀsident DIeter Kempf.
(Bild: dpa)
Der Hightech-Verband Bitkom sorgt sich, dass TV-Sender die zu versteigernden Frequenzen im 700-MHz-Bereich teils bis 2019 und lÀnger nutzen wollen.
Im ersten Halbjahr 2015 will die Bundesnetzagentur [1] Frequenzen im 700- und 1500-MHz-Band versteigern [2] und dabei auch die Vergabe der "GSM-Frequenzen" in den Bereichen 900 und 1800 MHz erneuern. Bund und LĂ€nder haben sich bereits darauf geeinigt, dass die Erlöse in die "Digitalisierung" und den Breitbandausbau flieĂen sollen [3]. Doch fĂŒr das besonders begehrte 700-MHz-Band haben Fernsehsender eigentlich noch Nutzungsberechtigungen bis 2025. Die ARD etwa will ihre Frequenzen erst 2019 rĂ€umen.
Der Branchenverband Bitkom [4] fordert daher eine verbindliche Zusage der Politik, wann das versteigerte Spektrum nach der Auktion fĂŒr interessierte Mobilfunkbetreiber tatsĂ€chlich zur VerfĂŒgung steht. "Die Frequenzen mĂŒssen so schnell wie möglich freigemacht werden", betonte der PrĂ€sident Dieter Kempf am Mittwoch in Berlin. "Das ist rechtlich bindend niederzuschreiben." Andernfalls seien die Unsicherheiten zu groĂ und es bliebe den Mobilfunker zuwenig Zeit. Zudem könne die sogenannte 2. digitale Dividende [5] nichts mehr zum Erreichen der Breitbandziele der Bundesregierung [6] beitragen.
FĂŒr Kempf ist daher politisches Verhandlungsgeschick gefragt. Die LĂ€nder mĂŒssten die Sendeanstalten ĂŒberzeugen, sich baldmöglichst von ihren Frequenzen zu verabschieden. Einzelheiten mĂŒssten bis Ende MĂ€rz stehen, da der Bundesrat dann mit den politischen Vorgaben am Zuge sei. Die AusfĂ€lle und Unkosten fĂŒr die Rundfunkanbieter seien dabei ĂŒberschaubar, ergĂ€nzte Bitkom-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Bernhard Rohleder. Der Umzu der Sender in andere Frequenzbereiche sei vergleichsweise einfach zu handhaben. Zuschauer mĂŒssten sich mit dem parallelen Umstieg auf DVB-T2 [7] vielleicht neue Decoder zulegen. Am teuersten werde sich so wohl die Kompensation der Veranstaltungstechniker gestalten [8].
FĂŒr die Klagen von Festnetzbetreibern, dass von der Auktion und ihren Erlösen allein der Mobilfunk profitiere, hat die Bitkom-Spitze wenig VerstĂ€ndnis. Sie sieht das mobile Internet als gute Lösung zum ĂberbrĂŒcken der letzten Meile hin zum Endverbraucher. Es komme auf einen Mix aus Mobilfunk, TV-Kabel, Kupfer und Glasfaser an. Auch wie laut die Auktion die Staatskassen klingeln lassen wird, kann der Bitkom noch nicht abschĂ€tzen. Die fĂŒr LTE-Advanced und den kĂŒnftigen Mobilfunkstandard 5G [9] geeigneten Frequenzen seien "hoch attraktiv", meinte Rohleder. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen hĂ€nge aber auch noch von der KlĂ€rung der angefĂŒhrten Unsicherheiten ab. (vbr [10])
URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2517915
Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Digitale-Dividende-II-Regulierer-plant-Frequenzauktion-im-Fruehjahr-2015-2430952.html
[2] https://www.heise.de/news/Auktion-fuer-Mobilfunk-Frequenzen-Neue-Spektrum-Aufteilung-koennte-negative-Folgen-haben-2497608.html
[3] https://www.heise.de/news/Mobilfunkfrequenzen-Erloes-aus-Frequenzversteigerung-fliesst-in-Digitalisierung-2488473.html
[4] http://www.bitkom.org/
[5] https://www.heise.de/news/Mobilfunker-freuen-sich-auf-zweite-digitale-Dividende-1437100.html
[6] https://www.heise.de/news/Grosse-Koalition-plant-keine-Verpflichtung-zu-Breitband-fuer-alle-2045408.html
[7] https://www.heise.de/news/Terrestrisches-Fernsehen-Umstiegsszenario-auf-DVB-T2-wird-konkreter-2237837.html
[8] https://www.heise.de/news/Frequenzauktion-Veranstaltungstechnik-sieht-sich-erneut-benachteiligt-2504660.html
[9] https://www.heise.de/news/CES-LTE-mutiert-langsam-zum-sehr-schnellen-5G-Mobilfunk-2513397.html
[10] mailto:vbr@heise.de
Copyright © 2015 Heise Medien