Cambridge Analytica: Facebook strebt bei Klage von US-Nutzern Vergleich an
(Bild: TY Lim/Shutterstock.com)
Nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica reichten US-Nutzer Klage gegen Facebook ein. Nach jahrelangem Prozess ist Facebook nun zu einem Vergleich bereit.
Der Facebook-Konzern Meta will eine seit Jahren laufende Klage von US-Nutzern wegen des Datenskandals um Cambridge Analytica mit einem Vergleich beilegen. AnwĂ€lte beider Seiten baten am Wochenende ein Bundesbezirksgericht in Kalifornien, das Verfahren fĂŒr 60 Tage auszusetzen, damit sie Details einer Einigung ausarbeiten können. In gut drei Wochen sollten sich Facebook-GrĂŒnder Mark Zuckerberg und die jahrelang fĂŒr das operative GeschĂ€ft zustĂ€ndige Top-Manager Sheryl Sandberg mehrstĂŒndigen Befragungen durch AnwĂ€lte der KlĂ€ger stellen.
Vergleich wird binnen 60 Tagen ausgehandelt
Details zu angestrebten Konditionen der Vereinbarung wurden zunĂ€chst nicht öffentlich. Ein Vergleich mĂŒsste noch vom Gericht freigegeben werden, damit er wirksam wird. Der gemeinsame Brief der AnwĂ€lte an das Bundesbezirksgericht [1] Nordkalifornien in San Francisco ist jedoch veröffentlicht (Aktenzeichen 3:18-md-02843).
Im Fall Cambridge Analytica hatte eine gleichnamige Datenanalysefirma (sowie weitere Unternehmen, wie spĂ€ter herauskam) Zugriff auf einige Daten von Millionen Facebook-Nutzern bekommen, ohne dass es diesen bewusst war. Die Firma hatte eine Umfrage veröffentlicht, an der einige Facebook-Nutzer teilnahmen. Doch dank der damaligen PrivatsphĂ€re-Einstellungen bekam sie auch Zugang zu einigen Informationen ihrer Facebook-Freunde. Als das bekannt wurde, geriet Facebook unter Druck und gelobte Besserung beim Datenschutz, was erst in mehreren AnlĂ€ufen umgesetzt wurde. Wegen Vergehen gegen den Datenschutz untersuchte die US-Aufsichtsbehörde den Fall und einigte sich mit dem Unternehmen schlieĂlich auf hohe BuĂgelder: Allein an die Handelsaufsicht FTC musste die Firma 2019 5 Milliarden US-Dollar bezahlen [2] (was ungefĂ€hr einem Monatsumsatz des Konzerns entspricht).
BetrĂŒgerisches Unternehmen Cambridge Analytica
Cambridge Analytica hatte im Wahlkampf zur PrĂ€sidentenwahl 2016 zeitweise auch fĂŒr den damals siegreichen Donald Trump gearbeitet. Die Rolle dieser Daten fĂŒr den Erfolg wurde jedoch spĂ€ter heruntergespielt [3].
Die US-Nutzerklage war 2018 eingereicht worden. Bei einer Niederlage in dem Fall wĂ€ren Zahlungen von mehreren hundert Millionen Dollar möglich gewesen. Das Vorgehen von Cambridge Analytica ist mittlerweile als Betrug eingestuft [4]. Facebook hatte beteuert, sein Umgang mit Nutzerdaten stehe in Einklang mit seinen DatenschutzgrundsĂ€tzen und begrĂŒnde keine rechtlichen AnsprĂŒche gegen das Unternehmen.
Der Cambridge-Analytica-Skandal [5] könnte noch weitere rechtliche Konsequenzen haben: So reichte der Generalstaatsanwalt der Hauptstadt Washington, Karl Racine, im Mai eine Klage gegen Zuckerberg persönlich [6] ein. Er sei als Facebook-Chef direkt an Entscheidungen beteiligt gewesen, die zu dem Skandal gefĂŒhrt hĂ€tten, argumentierte Racine.
(tiw [8])
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- https://www.heise.de/news/Cambridge-Analytica-Trumps-angebliche-Datenhelfer-wohl-nur-heisse-Luft-3648461.html
- https://www.heise.de/news/FTC-bestaetigt-betruegerische-Praktiken-von-Cambridge-Analytica-4608335.html
- https://www.heise.de/thema/Facebook_Datenskandal
- https://www.heise.de/news/Klage-gegen-Mark-Zuckerberg-im-Cambridge-Analytica-Skandal-7103835.html
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