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David gegen Goliath: Wie der lokale Handel gegen Amazon kÀmpft

Online-Handel

(Bild: dpa, Jens BĂŒttner)

Immer mehr kleine HĂ€ndler spĂŒren den Druck der Online-Konkurrenz. Viele Kunden bleiben weg. Jetzt sollen lokale MarktplĂ€tze im Internet dem Einzelhandel vor Ort helfen, gegen Amazon und Co zu bestehen.

Lange Zeit haben BuchhĂ€ndler, Boutiquen und WeinlĂ€den auf Internetriesen wie Amazon gestarrt wie das Kaninchen auf die Schlange. Doch inzwischen formiert sich immer mehr Widerstand gegen die scheinbar ĂŒbermĂ€chtige Online-Konkurrenz [1]. Im Kampf helfen sollen lokale Internet-MarktplĂ€tze und Suchmaschinen, die anzeigen, wo in der Nachbarschaft ein gesuchter Artikel gerade verfĂŒgbar ist.

Vorreiter ist dabei nicht eine der großen deutschen Metropolen, sondern Wuppertal. Die Stadt hat zusammen mit dem Internet-Start-up Atalanda Ende vergangenen Jahres den lokalen Marktplatz Online City Wuppertal [2] (OCW) ins Leben gerufen. Dort prĂ€sentieren inzwischen 47 lokale HĂ€ndler vom Autoteile-Anbieter ĂŒber den SĂŒĂŸwarenshop bis zum Modeladen fast 4000 Produkte, wie die zustĂ€ndige Projektmanagerin Christiane ten Eicken berichtet. Der Clou des Angebots: Die Produkte werden auf Wunsch noch am selben Abend zugestellt.

Ganz verschiedene HĂ€ndler aus Wuppertal sind auf OCW vertreten.

Ganz verschiedene HĂ€ndler aus Wuppertal sind auf OCW vertreten.

(Bild: Screenshot)

Atalanda-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Roman Heimbold berichtet, das Start-up sei inzwischen mit ĂŒber 60 StĂ€dten im GesprĂ€ch ĂŒber die GrĂŒndung weiterer lokaler MarktplĂ€tze. Auch andere Internet-Start-ups haben das Thema fĂŒr sich entdeckt. So offeriert die unter anderem von Holtzbrinck Ventures unterstĂŒtzte Website Locafox [3] Verbrauchern die Möglichkeit, online festzustellen, wo in der Umgebung ein gesuchtes Produkt zu finden ist, und es auch gleich zu reservieren. Das Motto: "Online-Shoppen. Im GeschĂ€ft kaufen." Ähnlich ist das Angebot der zum Metro-Reich gehörenden Website Simply Local [4], die mit dem Slogan wirbt: "Alle Produkte deiner Stadt auf einen Blick und Klick". Allerdings befinden sich beide Portale noch in der Testphase.

"Die grĂ¶ĂŸte Trumpfkarte der lokalen HĂ€ndler im Wettbewerb mit der Feuerwalze Amazon ist die rasche VerfĂŒgbarkeit der Produkte, die sie bieten können. Sie sind nĂ€her dran am Kunden. Sie können die bestellte Ware noch am selben Tag zustellen. Das schafft Amazon nicht", beschreibt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein den Vorteil des Local-Shopping.

Doch bei aller Aufbruchstimmung warnt Heinemann vor zu viel Euphorie. Online City Wuppertal erscheine vielen StĂ€dten als Patentrezept, um die lokalen HĂ€ndler wettbewerbsfĂ€higer zu machen. Aber noch fehle der Beweis, dass das Konzept funktioniere. Schließlich mĂŒssten die neuen Angebote mit MarktplĂ€tzen wie eBay oder Amazon konkurrieren, die ein viel grĂ¶ĂŸeres Angebot offerieren könnten. "Daran, dass Kunden bereit sind, beim Interneteinkauf eine schlechtere Auswahl, schlechtere Informationen und höhere Preise hinzunehmen, weil sie damit den lokalen Handel stĂ€rken, glaube ich schon lange nicht mehr", urteilt Heinemann.

Auch die Macher hinter OCW rĂ€umen ein, dass das Projekt noch ganz am Anfang steht. "Im Moment ist es noch eher ein Online-Schaufenster. Wir werden wohl zwei Jahre brauchen, um daraus einen vollwertigen Online-Shop zu machen", sagt Atalanda-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Heimbold. Ein entscheidendes Element sei die Schulung der beteiligten HĂ€ndler. Wie weit der Weg in Wuppertal noch ist, zeigt eine einzige Zahl. Trotz der bundesweiten Beachtung des Projekts bewegt sich die Menge der bisherigen Online-Bestellungen noch im zweistelligen Bereich.

Tatsache ist: Wer kleine HĂ€ndler ins Internet bringen will, stĂ¶ĂŸt auf ganz praktische Probleme. Oft fehlt den LĂ€den ein elektronisches Warenwirtschaftssystem, das es ermöglicht, sofort zu ĂŒberprĂŒfen, ob ein bestimmter Artikel verfĂŒgbar ist. "Viele lokale HĂ€ndler agieren noch wie in der Steinzeit", meint Handelsexperte Heinemann. Der Erfolg der jĂŒngsten Initiativen werde deshalb ganz wesentlich von deren Bereitschaft abhĂ€ngen, sich auf die Erfordernisse des Online-Handels einzulassen und das nötige Geld in die Hand zu nehmen.

An Begeisterung fehlt es bei den Wuppertaler Pionieren jedenfalls nicht. Um seine SĂŒĂŸwaren in der Online City anbieten zu können, habe er manchmal bis vier oder fĂŒnf Uhr morgens daran gearbeitet, Produkte zu fotografieren und Texte zu schreiben, erzĂ€hlt Markus Kuhnke vom Naschkatzenparadies. Auch ĂŒber die Anschaffung eines elektronischen Warenwirtschaftssystems denkt der GeschĂ€ftsmann nach. Auch wenn die Zahl der Online-Bestellungen, die ihn bisher ĂŒber OCW erreichten, ĂŒberschaubar ist, zweifelt er nicht am Erfolg des Projekts: "Ich glaube nicht, dass Amazon von Anfang an gut verkauft hat." (mho [5])


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  1. https://www.heise.de/news/Umfrage-Innenstaedte-verlieren-Kunden-durch-Online-Handel-2529625.html
  2. http://www.onlinecity-wuppertal.de/home/
  3. https://www.locafox.de/
  4. http://www.simply-local.de/
  5. mailto:mho@heise.de