Designierter EU-Handelskommissar will Telecom-Paket nicht mit ACTA aushebeln
Karel de Gucht, der voraussichtlich nĂ€chste Handelskommissar der EU, hat in einer Anhörung des EU-Parlaments zugesagt, den Kompromiss im EU-Telecom-Paket zum Zugangsrecht der BĂŒrger nicht mit Hilfe des geplanten Antipiraterie-Abkommens einschrĂ€nken zu wollen.
Der voraussichtlich nĂ€chste EU-Handelskommissar, der Belgier Karel de Gucht, hat wĂ€hrend seiner Anhörung [1] dem Industrieausschuss des EU-Parlaments zugesichert, mit dem geplanten Anti-Piraterie-Abkommen ACTA [2] nicht den Kompromiss im EU-Telecom-Paket [3] zum Zugangsrecht der BĂŒrger zum Netz auszuhebeln. "Mit ACTA darf kein SchlĂŒssel geschaffen werden, mit dem sich das Netz abschlieĂen lĂ€sst", versicherte van Gucht auf Nachfrage des deutschen EU-Parlamentariers Bernd Lange (SPD). EinschrĂ€nkungen der Meinungsfreiheit lehne er ab. Allerdings sieht das Telecom-Paket ZugangsbeschrĂ€nkungen unter engen Voraussetzungen [4] schon vor.
Bei ACTA gehe es nicht um den BĂŒrger, der mit einem gefĂ€lschten T-Shirt ĂŒber die Grenze komme, sondern um organisierte FĂ€lscherei, die meist auch von organisierten Kriminellen betrieben werde, sagte de Gucht. Ob diese Aussage tatsĂ€chlich von den bislang vorliegenden ACTA-Texten gedeckt ist, können die Parlamentarier allerdings vorerst nicht selbst ĂŒberprĂŒfen. Nach wie vor bleiben sie trotz ihrer neuen Mitspracherechte nach dem Lissabon-Vertrag von den Verhandlungen selbst und laut Guchts Aussagen auch vom direkten Zugang zu den Dokumenten ausgeschlossen.
Der Belgier verteidigte die Vertraulichkeit der Verhandlungen ĂŒber ACTA, die noch unter dem alten EU-Regime vereinbart worden seien. Er mĂŒsse sich daher jetzt an diese Vertraulichkeitsvereinbarungen halten und werde dies auch tun. Er sicherte allerdings mehrfach zu, dass er das Parlament umfĂ€nglich ĂŒber die Verhandlungen informieren werde und dabei konkrete Antworten zu den verhandelten Inhalten geben werde. Der Zugriff auf als vertraulich eingestufte Dokumente sei ein Problem, das er gemeinsam mit dem Parlament lösen wolle.
Generell zeigte er sich offen dafĂŒr, Parlamentarier bei kĂŒnftigen Verhandlungsrunden auch mit auf Reisen zu Verhandlungsrunden mitzunehmen. Allerdings seien manchmal Verhandlungen ohne Vertraulichkeit nicht möglich. Zudem reichten im Fall bilateraler Verhandlungen die Kompetenzen des Parlaments nicht so weit wie im Fall multilateraler Verhandlungen. (anw [5])
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[1] http://www.europarl.europa.eu/news/expert/infopress_page/008-67120-011-01-03-901-20100111IPR67119-11-01-2010-2010-false/default_de.htm
[2] https://www.heise.de/news/EU-Vertreter-sehen-ACTA-als-notwendig-im-Kampf-gegen-Urheberrechtsverletzungen-an-890239.html
[3] https://www.heise.de/news/Neuer-EU-Rechtsrahmen-fuer-Telekommunikation-tritt-in-Kraft-889871.html
[4] https://www.heise.de/news/Bruessel-schnuert-Telecom-Paket-862132.html
[5] mailto:anw@heise.de
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