E-Book-Reader mit Social Community
Das Berliner Startup Wizpac prĂ€sentiert auf der CeBIT ein LesegerĂ€t fĂŒr digitalen Lesestoff, das Amazon Kindle, Sony Reader und Co. Konkurrenz machen soll.
LesegerĂ€te fĂŒr E-Books gibt es hierzulande bereits einige [1], ab dem 11. MĂ€rz [2] steigt mit Sony [3] einer der beiden groĂen Anbieter in den deutschen Markt ein. Auf der CeBIT stellt das Berliner Startup Wizpac nun einen Reader vor, der flotter und funktionsreicher als die Konkurrenz sein soll und das Sammeln von Texten mit einem sozialen Netzwerk verknĂŒpft.
Der Prototyp des txtr Readers [4], den die GrĂŒnder von Wizpac auf der CeBIT im GepĂ€ck haben, allerdings nicht auf einem eigenen Stand prĂ€sentieren, besitzt wie der Sony Reader [5] und der Amazon Kindle [6] ein 6-Zoll-Display mit E-Ink [7]-Technologie, das ohne Hintergrundbeleuchtung auskommt und prinzipiell nur fĂŒr das UmblĂ€ttern und die Navigation durch die MenĂŒs Strom benötigt. Das GerĂ€t wirkt klein und leicht, Navigationselemente sind aufs Wesentliche beschrĂ€nkt: Am Bildschirmrand sind zwei Buttons und ein kreuzförmiges, kapazitives Touchpad fĂŒrs Steuern durch MenĂŒs und BĂŒcherseiten angebracht. Das Display stellt Inhalte in Hoch- oder Querformat dar und lĂ€sst sich auch um 180 Grad drehen, sodass sich der Anwender selbst entscheiden kann, ob er die Bedienelemente auf der linken oder rechten Seite haben möchte. Dank einem Beschleunigungssensor erkennt das GerĂ€t automatisch die Ausrichtung des Bildschirms.
Beim BlĂ€ttern durch die digitalen Seiten macht der Reader-Prototyp einen deutlich flotteren Eindruck als Konkurrenten wie der Sony Reader. Die Bedienung ĂŒber das Touchpad erscheint ziemlich intuitiv, auch wenn der Prototyp noch nicht alle Funktionen des Endprodukts kennt, wie Andreas Steinhauser, Technikchef bei Wizpac, betont. Auch die Ausstattung, die zum Marktstart im txtr Reader stecken soll, kann sich sehen lassen: Bluetooth, UMTS/GPRS und WLAN soll das GerĂ€t dann unterstĂŒtzen, ĂŒber ein 2,4-GHz-Funkmodul können zudem Reader auf kurze Distanz miteinander kommunizieren. An der oberen Kante ist ein Micro-USB-Anschluss angebracht, SteckplĂ€tze fĂŒr SIM-Karte und Flashspeicher (eine 8-GByte-microSD-Karte will Wizpac gleich mitliefern) verbergen sich unter dem Akkudeckel.
Die Integration von WLAN und Mobilfunk ist elementarer Bestandteil des Konzepts von Wizpac, denn wie beim Amazon Kindle soll der Reader von einer stĂ€ndigen Leitung ins Netz profitieren, ĂŒber die der Anwender seine Texte jederzeit abrufen und synchronisieren kann. DafĂŒr werden allerdings MobilfunkgebĂŒhren fĂ€llig. Beim Kindle, der bisher nur in den USA erhĂ€ltlich ist, bietet Amazon ĂŒber Mobilfunk einen Online-Shop fĂŒr BĂŒcher, Zeitungs- und Zeitschriftenabos sowie ausgewĂ€hlte Newssites und Blogs an. Wizpac will ebenfalls einen Shop auf dem GerĂ€t bereitstellen, auf dem Verlage und Autoren ihre Inhalte kostenpflichtig anbieten können.
Das eigentliche HerzstĂŒck aber ist die zur Zeit bereits als Public Beta nutzbare Online-Community txtr [8], auf der Anwender digitale Inhalte sammeln und mit anderen tauschen können. Die dort hochgeladenen Dokumente, Info-Schnipsel und Webseitenausschnitte können spĂ€ter auf den E-Book-Reader oder andere GerĂ€te geladen werden. Wer lieber auf seinem iPhone liest, kann bei txtr jetzt schon ĂŒber eine iPhone-Anwendung [9] Dokumente mit seinem Apple-Smartphone synchronisieren. Die Texte lassen sich in beliebige Ordner sortieren, die wahlweise nur fĂŒr den Anwender selbst, fĂŒr eine Freundeliste oder öffentlich fĂŒr alle txtr-Mitglieder zugĂ€nglich sind. Bei Hinweisen auf Urheberrechtsverletzungen könne man die entsprechenden Inhalte auf privaten Gebrauch und Austausch mit Freunden einschrĂ€nken, so Steinhauser.
Das LesegerĂ€t soll im Herbst diesen Jahres auf den Markt kommen und unter anderem den offenen E-Book-Standard EPUB, PDF, TXT und MS-Office-Formate unterstĂŒtzen. Fehlt einem Anwender die UnterstĂŒtzung fĂŒr ein bestimmtes Format, kann er sie selbst nachrĂŒsten: Denn die Entwickler des txtr Readers wollen ihre Plattform möglichst offen halten. FĂŒr das auf einen Linux-Kernel basierende OS des LesegerĂ€ts wird ein Developer Kit, fĂŒr die Online-Plattform ein API zur VerfĂŒgung stehen. Beim Preis fĂŒr den Reader werde man, so Steinhauser, ungefĂ€hr in der gleichen GröĂenordnung wie die Konkurrenz spielen. Momentan seien Komponenten wie das Display einfach noch zu teuer, um die GerĂ€te billiger auf den Markt zu bringen. Einen ausfĂŒhrlichen Artikel zu txtr und Wizpac bietet die aktuellen Ausgabe 03/2009 [10] der Technology Review. (acb [11])
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[1] https://www.heise.de/news/Die-versteckten-E-Book-Reader-748196.html
[2] https://www.heise.de/news/Deutschland-Start-fuer-Sonys-E-Book-Reader-im-Maerz-204266.html
[3] http://www.sony.com
[4] http://reader.txtr.com/
[5] http://www.sony.de/hub/reader-ebook
[6] http://www.amazon.com/kindle
[7] http://www.eink.com/
[8] http://www.txtr.com
[9] http://txtr.com/#iphone
[10] http://www.heise.de/tr/magazin/
[11] mailto:acb@ct.de
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