E-Voting: Salami-Taktik mit Pilotversuchen in England
Richard Sietmann
Die britische Regierung weist Kritik an ihren E-Voting-Vorhaben zurĂŒck.
Die britische Regierung hat die Aufforderung der Electoral Commission zurĂŒckgewiesen, bis auf Weiteres keine Pilotversuche zum E-Voting mehr durchzufĂŒhren, sondern zunĂ€chst im Rahmen einer klaren Strategie zur Modernisierung des Wahlsystems eine öffentliche Debatte ĂŒber den Sinn solcher Innovationen zu fĂŒhren. Die vom englischen Parlament eingesetzte Wahlaufsichtsbehörde hatte Anfang August einen Evaluierungsbericht zu den zwölf Versuchen mit der elektronischen Stimmerfassung und -zĂ€hlung bei den Kommunalwahlen im Mai 2007 vorgelegt und darin die Risiken fĂŒr die VerfĂŒgbarkeit und IntegritĂ€t des Wahlverfahrens als "inakzeptabel" bezeichnet. "Mit der Sicherheit und Transparenz dieser E-Voting-Lösungen und ihren Auswirkungen auf das Wahlverfahren sind deutlich gröĂere Probleme verbunden, die zusammen mit den Kostenwirkungen der Technologie thematisiert werden mĂŒssen", erklĂ€rte die Kommission.
"Der Regierung ist kein einziger Fall eines behaupteten Betrugs wĂ€hrend der Wahl bekannt und sie glaubt nicht, dass die Pilotversuche das Risiko des Wahlbetrugs erhöht haben", entgegnet das Justizministerium jetzt in einer neunseitigen Stellungnahme zu dem Kommissionsbericht. "Wir stimmen der EinschĂ€tzung nicht zu, dass das Risiko hinsichtlich der VerfĂŒgbarkeit und IntegritĂ€t unakzeptabel war". Die Pilotversuche seien fĂŒr die Regierung "eine vernĂŒnftige und verhĂ€ltnismĂ€Ăige Methode", wichtige Erkenntnisse zu sammeln, wie das Wahlsystem weiter verbessert werden könne. "Sie helfen auch, Aufschluss darĂŒber zu erlangen, wie in Zukunft eine gröĂere Kosteneffizienz erreicht werden kann und welche GröĂenordnung fĂŒr die Implementierung notwendig ist, damit die Kosten reduziert werden können." In dem Evaluierungsreport hatte die Electoral Commission darauf hingewiesen, dass bei den Kommunalwahlen jede elektronisch abgegebene Stimme umgerechnet zwischen 150 und 900 Euro gekostet hatte.
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