EU empfiehlt RFID-Anwendern die Achtung der PrivatsphÀre
Mit einer Empfehlung zum Datenschutz will die EU-Kommission einen Interessenausgleich zwischen Verbrauchern und RFID-Anwendern bewirken.
Die EU-Kommission will dafĂŒr "sorgen, dass alle, die an der Entwicklung oder Verwendung der RFID-Technik beteiligt sind, das Grundrecht des Einzelnen auf Schutz der PrivatsphĂ€re und Datenschutz achten, das in der Charta der Grundrechte der EuropĂ€ischen Union [1] festgelegt ist". Um dieses Ziel zu erreichen, hat sie heute eine zehnseitige Empfehlung [2] (PDF-Datei) veröffentlicht, deren Kern sie zu folgenden GrundsĂ€tzen zusammenfasst:
- Den Verbrauchern sollte bekannt sein, welche Artikel in den GeschĂ€ften mit RFID-Chips ausgestattet sind. Beim Kauf solcher Artikel sollten die Chips noch im GeschĂ€ft automatisch, umgehend und kostenfrei deaktiviert werden, es sei denn, sie sollen auf ausdrĂŒcklichen Wunsch des KĂ€ufers entsprechend dem Opt-in-Prinzip funktionsfĂ€hig bleiben. Ausnahmen sind zulĂ€ssig, etwa um unnötige Belastungen der EinzelhĂ€ndler zu vermeiden, wenngleich zuvor mögliche BeeintrĂ€chtigungen der PrivatsphĂ€re zu untersuchen sind.
- Unternehmen und Behörden, die RFID-Chips verwenden, sollten den Verbrauchern einfache und klare Informationen bereitstellen, damit sie verstehen, wann welche personenbezogenen Daten (z. B. Name, Adresse, Geburtsdatum) zu welchem Zweck verwendet werden. Zudem sollten die GerĂ€te, mit denen die Daten aus den RFID-Chips ausgelesen werden, klar gekennzeichnet sowie Anlaufstellen genannt werden, bei denen die BĂŒrger nĂ€here Informationen erhalten können.
- EinzelhandelsverbĂ€nde und -organisationen sollten die Verbraucher durch ein europaweit einheitliches Zeichen ĂŒber die PrĂ€senz von RFID-Chips an Produkten informieren.
- Unternehmen und Behörden sollten vor der Verwendung von RFID-Chips FolgenabschĂ€tzungen zum Datenschutz durchfĂŒhren. Diese werden von den nationalen Datenschutzbehörden ĂŒberprĂŒft und sollen die Sicherheit und den Schutz personenbezogener Daten gewĂ€hrleisten.
Ziel dieser nicht bindenden Empfehlungen fĂŒr RFID-Hersteller und -Anwender sei es, gleiche Ausgangsbedingungen fĂŒr die europĂ€ische Wirtschaft zu schaffen und zugleich die PrivatsphĂ€re des Einzelnen zu schĂŒtzen, heiĂt es in der Mitteilung [3] der fĂŒr Informationsgesellschaft und Medien zustĂ€ndigen Kommissarin Viviane Reding. "Als vielversprechende Technologie fĂŒr die Zukunft können RFID-Chips das Leben in vielerlei Hinsicht vereinfachen", sagte Reding. "Denken Sie an intelligente KĂŒhlschrĂ€nke, die Ihnen mitteilen, dass das Haltbarkeitsdatum der Milch ĂŒberschritten ist, oder an intelligente Lebensmittelverpackungen, die Eltern vor möglichen Allergien warnen." Die Anwendung der Mikrochips sei "wirtschaftlich durchaus vielversprechend", doch mĂŒssten EuropĂ€er darĂŒber stets unterrichtet werden. "Wenn es um personenbezogene Daten geht, mĂŒssen die europĂ€ischen Verbraucher die Gewissheit haben, dass ihre PrivatsphĂ€re auch in einem sich verĂ€ndernden technischen Umfeld geschĂŒtzt bleibt", betonte die Kommissarin.
Hintergrund der Empfehlung ist eine öffentliche Konsultation ĂŒber die Entwicklung und den Einsatz von RFID-Tags (IP/06/289 [4]), die die EuropĂ€ische Kommission 2006 gestartet hatte [5]. Sie zog daraus im MĂ€rz 2007 den Schluss [6], dass die BĂŒrger zusĂ€tzliche MaĂnahmen zur GewĂ€hrleistung des Datenschutzes und zur Wahrung der PrivatsphĂ€re erwarteten (IP/07/332 [7]). Diesen Erwartungen werde mit der heutigen Empfehlung entsprochen, zu deren Ausarbeitung Hersteller und Anwender, Normungsorganisationen, VerbraucherverbĂ€nde, zivilgesellschaftliche Gruppen und Gewerkschaften konsultiert worden seien. Die im Herbst 2008 gestartete [8] und inzwischen beendete Konsultation zum Internet der Dinge [9], bei dem RFID eine tragende Rolle spielt, ist in diesen Prozess noch nicht eingeflossen - die Webseite zur Konsultation [10] kĂŒndigt hierzu fĂŒr demnĂ€chst eine Mitteilung zu den Ergebnissen an.
Die Mitgliedstaaten haben nun zwei Jahre Zeit, die Kommission ĂŒber ihre geplanten MaĂnahmen zur Verwirklichung der mit der Empfehlung verfolgten Ziele zu unterrichten. Die Kommission will innerhalb von drei Jahren einen Bericht ĂŒber die Umsetzung der Empfehlung erstellen, in dem auch die Folgen untersucht werden sollen, die sich fĂŒr die Unternehmen und Behörden, die RFID-Chips verwenden, und fĂŒr die BĂŒrger ergeben haben. (anm [11])
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Links in diesem Artikel:
[1] http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2007:303:0001:0016:DE:PDF
[2] http://ec.europa.eu/information_society/policy/rfid/documents/recommendationonrfid2009.pdf
[3] http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/09/740&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=de
[4] http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/06/289&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en
[5] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-startet-Online-Konsultation-zu-RFID-138816.html
[6] https://www.heise.de/news/EU-Kommission-will-gemeinsame-RFID-Strategie-157116.html
[7] http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=IP/07/332&format=HTML&aged=0&language=DE&guiLanguage=en
[8] https://www.heise.de/news/EU-Konsultation-zum-Internet-der-Dinge-208941.html
[9] http://ec.europa.eu/information_society/policy/rfid/documents/earlychallengesIOT.pdf
[10] http://ec.europa.eu/yourvoice/ipm/forms/dispatch?form=IOTconsultation
[11] mailto:anm@ct.de
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