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EU will Verbindungsdaten mindestens ein Jahr speichern

Urs Mansmann

Ein Entwurf der dÀnischen EU-RatsprÀsidentschaft sieht eine massive Ausweitung der Datenspeicherung im Telekommunikations-Bereich vor.

Kommunikationsdaten von Telefonaten und E-Mails sollen in Europa kĂŒnftig ein Jahr lang gespeichert werden. Das sieht ein Vorschlag der dĂ€nischen EU-RatsprĂ€sidentschaft [1] vor. "Die Nutzung von Telekommunikationsdiensten ist so weit gewachsen, dass die Daten bezĂŒglich der Nutzung, insbesondere die Verbindungsdaten, sehr nĂŒtzliche Werkzeuge fĂŒr die Untersuchung und Verfolgung von Straftaten darstellen", heißt es als Einleitung zu dem Papier.

Die so genannte Vorratsdatenspeicherung ist heftig umstritten, da die Daten aller BĂŒrger gesammelt werden, ohne dass gegen sie ein konkreter Verdacht vorliegen mĂŒsste. Bisher ist die Speicherung von Verbindungsdaten in der EU nicht einheitlich geregelt. In Deutschland mĂŒssen die Anbieter die Verbindungsdaten mindestens 80 Tage lang speichern.

Das Papier [2] listet genau auf, welche Verbindungsdaten gespeichert werden sollen:

Der Katalog, bei welchen Straftaten die Weitergabe von Verbindungsdaten zulĂ€ssig sein soll, ist lange. Er umfasst neben Kapitalverbrechen wie Mord oder Menschenhandel eine Reihe weiterer Straftaten, beispielsweise Betrug, Produktpiraterie, Verkehrsstraftaten und UrkundenfĂ€lschung. Steuerhinterziehung ist allerdings nicht in der Liste enthalten. Anders als die bisherige Datenschutzrichtlinie [3] der EU, die den MitgliedslĂ€ndern das Speichern freistellt, wĂŒrde eine Umsetzung des dĂ€nischen Vorschlags alle MitgliedslĂ€nder zu einer Speicherung verpflichten.

Die britische BĂŒrgerrechtsorganisation Statewatch [4] kritisiert, dass in dem Entwurf fĂŒr den Datenaustausch zwischen den MitgliedslĂ€ndern keine Regelungen vorgesehen sind und dass keine Stelle fĂŒr den Datenschutz benannt wurde. Die Organisation bemĂ€ngelt, dass Grundlagen des Datenschutzes, AusfĂŒhrungsbestimmungen und Kontrollorgane in dem Entwurf zu weit zurĂŒckstehen.

Ob sich der dÀnische Vorschlag durchsetzen wird, ist nicht abzusehen. Erst wenn alle EU-Staaten zustimmen, tritt die Richtlinie in Kraft. Mitte September soll es ein erstes Treffen einer entsprechenden Arbeitsgruppe geben. (uma [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-56928

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.eu2002.dk/main/
[2] http://www.statewatch.org/news/2002/aug/05datafd.htm
[3] https://www.heise.de/news/Ministerrat-verabschiedet-EU-Datenschutzrichtlinie-63353.html
[4] http://www.statewatch.org
[5] mailto:uma@ct.de