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EvolutionÀre Schachprogramme

Lars Bremer

Verteilte Evolution soll nach Ansicht Dortmunder Wissenschaftler ein gutes Schachprogramm erzeugen.

Die KI-Forscher haben das Probierfeld Schach noch nicht ganz aufgegeben: An der UniversitĂ€t Dortmund wurde das Projekt EvoChess [1] gestartet, das "mit Hilfe evolutionĂ€rer Verfahren ... spielstarke Schachprogramme entwickelt, die mit jedem Spiel aus Erfahrung klĂŒger werden". Verteiltes Rechnen auf den Rechnern möglichst vieler Internet-Nutzer soll die notwendigen KapazitĂ€ten erschließen.

Das System basiert auf genetischen Algorithmen, die aus den erfolgreichsten "Individuen" guter Populationen durch Kreuzung und Mutation neue Programme erzeugt. Mutationsrate und KreuzungshĂ€ufigkeit können dabei vom Anwender verĂ€ndert werden, das eigentliche Spielverhalten jedoch nicht. GrundgerĂŒst ist eine einfache Alpha-Beta-Baumsuche, die jedoch nicht alle ZĂŒge auf einer bestimmten Tiefe weiterverfolgt, sondern nur einige. Welche, entscheidet die Evolution, ebenso, wie die ZĂŒge sortiert und die entstehenden Stellungen bewertet werden. Die Anzahl der pro Zug zu untersuchenden Stellungen wurde auf 100.000 beschrĂ€nkt.

Die SpielstĂ€rke der generierten EvoChess-Individuen wird dabei von einem Standard-Schachprogramm ĂŒberprĂŒft, das die Schöpfer des Projektes in Java erstellten. Es spielt mit einer festen Suchtiefe, die schrittweise bis auf sieben HalbzĂŒge hochgeschraubt wird. Mehr sei aus GrĂŒnden des Bedenkzeitverbrauches nicht zu machen, sagte Wolfgang Kantschik, einer der Verantwortlichen des Projektes, gegenĂŒber heise online. Ziel sei es herauszufinden, wie weit man die SpielstĂ€rke mit diesem Verfahren steigern könne.

Wie auf der EvoChess-Webseite [2] zu lesen ist, glaubt man aber nicht daran, eine SpielstÀrke jenseits guter Vereinsspieler erreichen zu können. "Um Programme zu erstellen, die sich mit den Besten messen können, bedarf es sicherlich extrem getunter Speziallösungen, die von oben bis unten mit Schachwissen vollgestopft sind". (lab)


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-52889

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.qoopy.net/
[2] http://www.qoopy.net/