Gegner von Microsofts OpenXML fĂŒr Abbruch der ISO-Standardisierung
Der Förderverein fĂŒr eine Freie Informationelle Infrastruktur rĂ€t der ISO, den Vorschlag zur Zertifizierung des Dokumentenformats OOXML zu entsorgen. Die Redmonder selbst haben sich bei der reklamierten UnterstĂŒtzung offenbar getĂ€uscht.
Nachdem Microsoft mit seiner Spezifikation fĂŒr das Dokumentenformat Office Open XML (OOXML) bei der Internationalen Organisation fĂŒr Normung (ISO) in der ersten Runde des eingeleiteten Schnellverfahrens zur Standardisierung durchgerasselt [1] ist, raten OpenXML-Gegner zu einem raschen Abbruch des Verfahrens. "Der OOXML-Vorschlag ist so schlecht, dass jeder andere verlacht worden wĂ€re, wenn er ihn unterbreitet hĂ€tte", bemĂ€ngelt Benjamin Henrion, Leiter der OOXML [2]-Kampagne des Fördervereins fĂŒr eine Freie Informationelle Infrastruktur (FFII [3]), eine angebliche Sonderbehandlung des Softwarekonzerns. Er könne daher nicht verstehen, warum die ISO den gut 6000 Seiten umfassenden alternativen Standardvorschlag zum Open Document Format (ODF) nicht bereits im Papierkorb entsorgt habe. Die VerlĂ€ngerung des Prozesses laufe auf neue "Skandale" hinaus, die das Image der Genfer Institution verletzen wĂŒrden.
Mit der Kritik verweist der FFII auf eine Reihe von UnregelmĂ€Ăigkeiten, die rund um den Abstimmungsprozess vermeldet [4] wurden. Diese wĂŒrden unter anderem den "Kauf von Stimmen" in Schweden durch Microsoft, die ZurĂŒckweisung von Wettbewerbern der Redmonder in Portugal aufgrund mangelnder SitzplĂ€tze oder das "Kapern" der Standardisierungsgremien in vielen LĂ€ndern einschlieĂlich der USA, Italien, Kolumbien und Mexiko umfassen. Manipulationen beim Wahlvorgang seien zudem aus der Schweiz und Uruguay bekannt geworden. In Polen sei ein "nicht ausreichend Microsoft-freundlicher technischer Ausschuss" durch einen stĂ€rker "zustimmungsfĂ€higen" ersetzt worden, wĂ€hrend auch in Venezuela und in der Ukraine Kritiker behindert worden wĂ€ren. Mehrfache Beschwerden [5] gab es auch gegen die Entscheidungsfindung beim DIN hierzulande.
Die ISO hat inzwischen offiziell bestĂ€tigt [6], dass der Standardentwurf aus Redmond im ersten Anlauf nicht die erforderlichen Mehrheiten erhalten hat. Eine BefĂŒrwortung hĂ€tte vorausgesetzt, dass mindestens zwei Drittel der qualifizierten Mitglieder mit "Ja" gestimmt hĂ€tten. FĂŒr OpenXML konnten sich laut einem Bericht [7] von Groklaw aber mit 17 von 31 nur 53 Prozent der direkt eingebundenen LĂ€ndervertretungen erwĂ€rmen. Diese sogenannten "teilnehmenden Mitglieder" haben eine Verpflichtung, abzustimmen und sich aktiv an der Ăberarbeitung eines internationalen Entwurfs eines Standards zu beteiligen.
DemgegenĂŒber stehen die normalen Mitglieder, die keinen direkten Einfluss auf eine Revision eines Vorschlags haben und daher auch keine Kommentare abgeben mĂŒssen. Auch unter dieser Gruppe verfehlte das Microsoft-Format die dort erforderliche Dreiviertel-Mehrheit â mit 26 Prozent "Nein"-Voten allerdings nur knapp. FĂŒr Verwirrung sorgt angesichts des insgesamt klaren Ergebnisses aber die Behauptung [8] der Redmonder, dass 74 Prozent der "qualifizierten" ISO-Mitglieder OpenXML unterstĂŒtzt hĂ€tten. Hier hat Microsoft offensichtlich den Zirkel der weniger aussagekrĂ€ftigen "unbeteiligten" ISO-Vertretungen mit dem der kommentierungsberechtigten Mitglieder verwechselt. Kritiker unken bereits, dass sich die Redmonder wohl in der Excel-Spalte vertan hĂ€tten.
Nichtsdestoweniger hĂ€lt Microsoft an dem symboltrĂ€chtigen Standardisierungsvorhaben weiter fest. Laut Michael Grözinger, Technikchef von Microsoft Deutschland, will der Softwaregigant die Zeit bis zum zweiten Urnengang Anfang 2008 nutzen, um die zahlreichen bei der ISO eingegangenen kritischen Kommentare ĂŒber technische und rechtliche Probleme mit OpenXML in den fĂŒr unreif befundenen Spezifikationsentwurf einzuarbeiten. Er gab sich zuversichtlich, die Nein-Stimmen so letztlich noch in ein "Ja" umwandeln zu können "und die Abstimmung so fĂŒr uns zu entscheiden". Leicht dĂŒrften sich die Redmonder angesichts der KĂŒrze der Zeit und der Mengen an beanstandeten MĂ€ngeln damit nicht tun. (Stefan Krempl) / (vbr [9])
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[2] http://www.noooxml.org/
[3] http://ffii.de/
[4] http://www.computerwelt.at/detailArticle.asp?a=112079&n=2
[5] https://www.heise.de/news/Unstimmigkeiten-bei-DIN-Entscheid-zu-Microsofts-OpenXML-beklagt-166077.html
[6] http://www.iso.org/iso/newsandmedia/pressrelease.htm?refid=Ref1070
[7] http://www.groklaw.net/article.php?story=20070904082606181
[8] http://www.microsoft.com/presspass/press/2007/sep07/09-04OpenXMLVotePR.mspx
[9] mailto:vbr@heise.de
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