Handelskrieg: China bereitet Sanktionen gegen auslÀndische Firmen vor
(Bild: WhisperToMe/Daniel AJ Sokolov (gemeinfrei))
Was Washington kann, kann Peking schon lange: Unternehmen auf Schwarze Listen setzen. So stellt China den USA die Rute ins Fenster.
Die Volksrepublik China hĂ€lt im Handelskrieg mit den USA dagegen. Nachdem Washington chinesische NetzwerkausrĂŒster wie Huawei und ZTE, Ăberwachungsfirmen wie Hikvision sowie Onlinedienste wie TikTok und WeChat mit verschiedenen Verboten bedacht haben, bereitet Peking eine Gegenreaktion vor. Der dabei an den Tag gelegte Langmut demonstriert, dass China einen langen Konflikt auszutragen bereit ist.
Am Samstag hat das Handelsministerium der Volksrepublik Regeln fĂŒr die Erstellung einer Liste "UnzuverlĂ€ssiger Personen" erlassen â in der unverbindlichen englischen Ăbersetzung der Behörde heiĂt das Regelwerk "Provisions on the Unreliable Entity List [1]". Auf die Liste sollen natĂŒrliche wie juristische Personen kommen, die die Nationale SouverĂ€nitĂ€t, Sicherheit oder die Entwicklungsinteressen Chinas bedrohen.
AuĂerdem droht ein Eintrag auf der Liste, wenn auslĂ€ndische Personen "normale Transaktionen" mit Chinesen oder chinesischen Einrichtungen einstellen, oder sich diskriminierend verhalten, "normale Markttransaktionsprinizipen" verletzen und dabei "legitimen Interessen" chinesischer Personen "erheblichen Schaden" zufĂŒgen. Vor einem Eintrag gibt es ein Untersuchungsverfahren, in dessen Rahmen sich die betroffenen auslĂ€ndischen Personen Ă€uĂern dĂŒrfen. Sie mĂŒssen auf Anfrage aber auch Informationen und Unterlagen bereitstellen.
Das Arsenal der Sanktionen
Einmal als "unzuverlĂ€ssig" eingestuft, wird auslĂ€ndische Personen eine im Einzelfall festgelegte Frist gewĂ€hrt, Abhilfe zu schaffen. Erfolgt das nicht zur Zufriedenheit Pekings, folgen Sanktionen. DafĂŒr nennt das Regelwerk einige Beispiele: Im- und Exportverbote, Investitionsverbot, Verbot von Einreise, Aufenthalt, Arbeit oder Warenverkehr, Strafen â und "andere notwendige MaĂnahmen". Da kann also alles Mögliche kommen. NatĂŒrlich mĂŒssen alle Chinesen dabei helfen, den Sanktionen Wirkung zu verleihen.
Betroffene können ihre Löschung von der Liste beantragen. Die Entscheidung ĂŒber solche AntrĂ€ge obliegt der selben Abteilung des Handelsministeriums, das fĂŒr Untersuchung, Einstufung und Sanktionierung zustĂ€ndig ist. Das neue Regelwerk gilt ab sofort. Das Ministerium hat aber noch keine auslĂ€ndischen Personen genannt, die untersucht werden. Peking hat es nicht eilig.
Die Beratungsfirma Eurasia Group erwartet, dass die Volksrepublik noch dieses Jahr mindestens eine Firma auf die Liste setzt. Es werde wohl ein Unternehmen sein, das mit chinesischen Firmen in Wettbewerb steht, aber nichts liefert, worauf Chinas Technikbranche angewiesen ist. Ein weiteres mögliches Ziel wÀren US-Firmen, die Taiwan Waffen verkaufen. Eurasia Group hat unter anderem Cisco, Dell, HP und Lockheed Martin als Kandidaten ausgemacht.
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