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Iran stellte erste Phase seines nationalen Internets vor

Axel Kannenberg
Netzwerkkabel

(Bild: dpa, Sven Hoppe/Archiv)

Will die iranische Regierung ihr Land vom weltweiten Internet abkoppeln? Am Sonntag wurde die erste Phase eines rein nationalen Datennetzwerks vorgestellt. ZunĂ€chst sollen lokale Webseiten und Behörden-Dienste verfĂŒgbar sein.

Die PlĂ€ne fĂŒr ein isoliertes, rein nationales Internet im Iran [1] kursieren bereits seit mehreren Jahren, nun macht die Regierung ernst: Am Sonntag wurde die erste Stufe eines auf den Iran beschrĂ€nkten Datennetzwerks feierlich eingeweiht, wie die Nachrichtenagentur Fars News meldete [2]. ZunĂ€chst sollen Nutzer darĂŒber zunĂ€chst lokale Webseiten und Online-Dienste von Behörden und Regierungsstellen aufrufen können.

Die zweite Phase solle dann im Februar 2017 beginnen und unter anderem Videostreaming möglich machen, schreibt die Agentur Mehr [3]. Die dritte Phase soll im MĂ€rz beginnen und weitere Dienste hinzufĂŒgen. Das Ganze solle gestĂŒtzt werden durch Investitionen in lokale Rechenzentrums-KapazitĂ€ten sowie in den Ausbau von Glasfasern und Kupferkabeln. Insgesamt solle das nationale Internet alle heimischen Inhalte, Dienste und Anwendungen in sich vereinen, zitiert die BBC [4] den iranischen Kommunikationsminister Mahmud Vaezi. Zudem solle es ein Garant fĂŒr schnelle und gĂŒnstige Breitbandverbindungen sein.

Obwohl der Iran einzelne soziale Netzwerke blockiert und andere scharf ĂŒberwacht [5], nutzen viele Iraner nach wie vor technische Umwege wie VPN, um auf Twitter, Facebook und anderen Medien zu posten. Zudem sind innerhalb des Landes Tausende von Webseiten verboten und geblockt. Die bisherige Vorgehensweise, ungewollten Netzinhalten mit Filtern zu begegnen, habe sich als "ineffizient“ erwiesen, sagte Minister Vaezi. Ein nationales Internet bringen hingegen einen deutlichen Zugewinn an Sicherheit. So habe sein Ministerium erst kĂŒrzlich mit DDoS-Angriffen zu kĂ€mpfen gehabt.

Im Mai hatte die iranische Regierung bereits verlauten lassen, dass auslĂ€ndische Anbieter von Messaging-Apps binnen eines Jahres Daten ĂŒber iranische StaatsbĂŒrger [6] auf Server innerhalb der islamischen Republik transferieren mĂŒssen. Beobachter gehen davon aus, dass die Maßnahme vor allem auf den Messenger Telegram zielt, der auch verschlĂŒsselte Chats ermöglicht. Telegram soll im Iran enorm populĂ€r sein und dort schĂ€tzungsweise 20 Millionen Nutzer haben.

Die PrivatsphĂ€re der Nutzer solle auch im nationalen Internet gewĂ€hrleistet bleiben, heißt es in den iranischen Agenturberichten. Angesichts harter Strafen gegen Urheber ungewollter Inhalte [7] und ausgeprĂ€gter Zensur klingt das eher unwahrscheinlich. Die britische Menschenrechtsorganisation Article 19 warnte in Bericht [8] bereits Anfang des Jahres vor dem Vorhaben. Das nationale Internet isoliere die Iraner vom Rest der Welt, limitiere ihren Zugang zu Informationen und behindere Möglichkeiten öffentlichen Protestes. Die Organisation Reporter ohne Grenzen fĂŒhrt den Iran immer wieder in seiner Liste der Feinde des Internets [9] auf. (axk [10])


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Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Iran-plant-wohl-doch-die-Abkopplung-vom-Internet-1664898.html
[2] http://en.farsnews.com/newstext.aspx?nn=13950607000806
[3] http://en.mehrnews.com/news/119304/Iran-launches-National-Information-Network
[4] http://www.bbc.com/news/technology-37212456
[5] https://www.heise.de/news/Iran-Verhaftungen-wegen-Mode-Fotos-ohne-Kopftuch-auf-Instagram-3209155.html
[6] https://www.heise.de/news/Iran-Messaging-Apps-sollen-Nutzerdaten-ab-2017-im-Iran-speichern-3222566.html
[7] https://www.heise.de/news/Iran-91-Peitschenhiebe-auf-Bewaehrung-fuer-Happy-Video-2399769.html
[8] https://www.article19.org/data/files/medialibrary/38315/The-National-Internet-AR-KA-final.pdf
[9] https://www.heise.de/news/Auch-Konzerne-unter-den-Feinden-des-Internets-1820477.html
[10] mailto:axk@heise.de