LTE-A-Modems liefern bald bis zu 300 MBit/s
AllmÀhlich zeichnet sich ab, wie die LTE-GerÀte der nÀchsten Generation beschaffen sein könnten. Doch die Mobilfunknetzbetreiber zÀhlen anders, wenn es um die Implementierung der LTE-Spezifikationen geht: 1, 2, 3, 4 ... 6!
In Deutschland macht die Entwicklung der LTE-Mobilfunknetze erfreuliche Fortschritte. Seit Anfang September [1] liefern hierzulande Vodafone und Telekom vielerorts Bruttodatenraten bis 150 MBit/s aus. Auch wĂ€chst allmĂ€hlich das Angebot an GerĂ€ten, die diese Datenrate verarbeiten können. Sie nutzen zur DatenĂŒbertragung bis zu 20 MHz breite FunkbĂ€nder und gehören entsprechend der LTE-Nomenklatur zu den GerĂ€ten der Kategorie 4 (Cat 4). Der LTE-Bauplan weist als nĂ€chste Stufe Cat-5-GerĂ€te fĂŒr bis zu 300 MBit/s aus (gemÀà 3GPP-Release 8 exakt 299,6 MBit/s in Downlink- und 75,4 MBit/s in Uplink-Richtung).
Doch die wird es so bald nicht geben. Die Cat-5-Spezifikation bestimmen hauptsĂ€chlich drei Eckwerte: Cat-5-Modems kommunizieren ĂŒber einen 20 MHz breiten Funkkanal, modulieren das Signal per 64QAM (64stufige Quadraturamplitudenmodulation) und sie senden und empfangen vier rĂ€umlich getrennte Datenströme (4x4-MIMO-Technik). Cat-4-Modems verwenden die 2x2-MIMO-Variante, haben also zwei Antennen (zwei EmpfangszĂŒge, zwei SendezĂŒge). Die 4x4-MIMO-Technik lĂ€sst sich in mobilen GerĂ€ten bei aktueller Antennentechnik kaum implementieren: Wo sollen sie in gĂ€ngigen Smartphones Platz finden? Eine weitere HĂŒrde ist auch der höhere Strombedarf. Ein Cat-5-Funkmodul mit vier Antennen kann man sich in einem LTE-Router schon eher vorstellen, zumal diese GerĂ€teklasse weniger auf geringe Stromaufnahme ausgelegt sein muss als mobile GerĂ€te. Doch weil dafĂŒr die Nachfrage weit geringer sein wird, ist offen, ob und wann Hersteller auf diese Spielart der LTE-Modems zurĂŒckgreifen.
Als Ausweg fĂŒr Smartphones bietet sich die GerĂ€tekategorie 6 an: Sie liefert in Downlink-Richtung 301,5 MBit/s und zwar wahlweise per 4x4-MIMO-Konfiguration und 20 MHz Spektrum oder mit 4x2MIMO-Konfiguration bei 40 MHz Spektrum. Die Kategorie 6 ist in 3GPP Release 10 fĂŒr LTE Advanced spezifiziert. In Uplink-Richtung bleibt sie gegenĂŒber Cat 5 etwas zurĂŒck ("nur" 51,0 MBit/s), aber fĂŒr Smartphones erscheint sie weit besser geeignet. Auf 40 MHz Spektrum kommt ein Cat-6-GerĂ€t durch einen Trick: Ein LTE-Funkband darf nĂ€mlich generell nicht breiter als 20 MHz sein. Ab Release 10 lassen sich jedoch maximal fĂŒnf bis zu 20 MHz breite BĂ€nder fĂŒr insgesamt 100 MHz bĂŒndeln (Carrier Aggregation).
Der australische Netzbetreiber Telstra [2] hat sich bereits fĂŒr LTE Advanced entschieden und betreibt seit einigen Wochen in Teilen Australiens entsprechende Basisstationen. CSL, ein in Hong Kong ansĂ€ssiger Mobilfunknetzbetreiber folgt nun mit ersten TestlĂ€ufen fĂŒr LTE Advanced und 300 MBit/s. DafĂŒr bĂŒndelt CSL zwei BĂ€nder zu je 20 MHz, eines im 1800-MHz-Band, eines im 2600-MHz-Band. Spannend ist diese Konfiguration, weil sie in Deutschland prinzipiell auch die Telekom verwenden könnte. Das Unternehmen hat ebenfalls in diesen beiden BĂ€ndern je 20 MHz Spektrum.
CSL plant die 300-MBit/s-Stufe Anfang 2014 öffentlich anzubieten. Bis dahin sollen die LTE-A-Modems (LTE-A fĂŒr LTE Advanced) noch etwas genĂŒgsamer hinsichtlich der Stromaufnahme werden, denn die 20+20-KanalbĂŒndelung erfordert mehr Leistung als fĂŒr einen einzigen 20-MHz-Kanal aufzuwenden ist. So erwartet man derzeit USB-Sticks und mobile WLAN-Hotspots mit Cat-6-Modems. Erste LTE-Smartphones mit Cat-6-Modems könnten Mitte 2014 auf den Markt kommen. (dz [3])
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[1] https://www.heise.de/news/Beschleunigte-Mobilfunknetze-Eine-Bestandsaufnahme-1950832.html
[2] https://www.heise.de/news/Bis-zu-300-MBit-s-LTE-Advanced-Verbindungen-auf-zwei-Funkbaendern-1934476.html
[3] mailto:dz@ct.de
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