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Landesmedienanstalt: Internet als erste Informationsquelle

Das Internet setzt der Zeitung stĂ€rker zu, als dem Fernsehen, glaubt der Chef der Landesmedienanstalt in Niedersachsen. Dennoch hat die Zeitung Zukunft, wenn sie auf QualitĂ€t setzt und Abonnenten fĂŒr digitale Angebote wirbt.

Die Informationsflut im Internet wird die Zeitung nach EinschÀtzung des Direktors der NiedersÀchsischen Landesmedienanstalt [1], Andreas Fischer, nicht verdrÀngen, aber verstÀrkt zu digitalen Angeboten zwingen. Der Fernsehkonsum befindet sich trotz des Internets weiter auf Rekordniveau, sagte Fischer im Interview mit dpa.

Gerade fĂŒr junge Leute ist das Internet heute hĂ€ufig die erste Informationsquelle. Wie sehen Sie die Entwicklung der klassischen, auf Papier gedruckten Zeitung?

Andreas Fischer: Printmedien werden in Zukunft eine ErgĂ€nzung des Internets sein. Die gedruckte Tageszeitung wird nicht vom Markt verschwinden, aber das primĂ€re Medium wird das Internet sein – bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist das heute schon so. Deshalb mĂŒssen die Verlage auch neue Wege gehen, um aus Printabonnenten und heutigen Nichtlesern nach Möglichkeit zahlungsbereite Digitalabonnenten zu machen. Warum sollte es nicht möglich sein, beispielsweise gezielt den Lokalteil oder den Sportteil als E-Paper zu abonnieren?

Wie verÀndert sich die Fernsehnutzung durch die vielfÀltigen Angebote gerade auch von Filmen und Portalen wie Youtube im Internet?

Fischer: Die durchschnittliche tĂ€gliche Sehdauer in Deutschland liegt seit 2010 mit rund 220 Minuten auf Rekordniveau. Das lineare Fernsehen behauptet sich also gegenĂŒber Abrufangeboten im Netz erstaunlich gut. Auch die Mediatheken der TV-Sender werden zunehmend intensiv genutzt. Ein Ende des Wachstums beim Konsum von Videoangeboten ist noch nicht in Sicht. Da unser Zeitbudget naturgemĂ€ĂŸ begrenzt ist, findet jetzt auch oft eine Parallelnutzung auf dem sogenannten second screen statt.

Wie können die Medien sich mit QualitÀtsjournalismus im Internet behaupten? Sind kostenpflichtige Angebote der einzige Weg?

Fischer: QualitĂ€tsjournalismus braucht professionelle Strukturen, die finanziert werden mĂŒssen. Spiegel Online beispielsweise zeigt, dass Bannerwerbung bei hoher Reichweite diese Finanzierung leisten kann. Ich bin skeptisch, ob sich Bezahlangebote im Netz durchsetzen können, die nicht ĂŒber exklusive Inhalte verfĂŒgen. ErfahrungsgemĂ€ĂŸ sind Verbraucher nur bei derartigen Angeboten zahlungswillig. Im Übrigen halte ich es fĂŒr falsch, die sogenannte GratismentalitĂ€t zu kritisieren. Auf kostenfreie Angebote zuzugreifen, ist fĂŒr wirtschaftlich denkende Menschen ein Gebot der Vernunft. Wenn es Freibier in ordentlicher QualitĂ€t gibt, wundert sich auch niemand, dass der Bierverkauf gegen Null tendiert. Das neue Leistungsschutzrecht wird wohl kaum zur Finanzierung der QualitĂ€tspresse beitragen. Google News hatte bislang keine erkennbare MĂŒhe, die deutschen Verlage abzublocken. Warum gibt es nicht lĂ€ngst ein gemeinsames Portal unserer Tageszeitungen, das Ă€hnlich wie Google News dafĂŒr sorgt, Leser auf die einzelnen Websites weiterzuleiten?

Trotz aller Globalisierung fĂŒhlen die meisten Menschen sich weiterhin in ihrer Heimatstadt oder einer Region fest verwurzelt. Was bedeutet dies fĂŒr die kĂŒnftige Medienentwicklung?

Fischer: Lokale und regionale Berichterstattung ist und bleibt wichtig. Deshalb sind QualitÀtsmedien auf dieser Ebene unverzichtbar. Kostenpflichtige lokale Angebote im Netz werden bei kluger Preispolitik hoffentlich eine gute Akzeptanz finden. (jk [2])


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[1] http://www.nlm.de/
[2] mailto:jk@heise.de