Leistungsschutzrecht soll "Snippets" erfassen
In einem Eckpunktepapier drÀngen VerlegerverbÀnde auf einen stÀrkeren Schutz von Presseerzeugnissen im Internet als bisher bekannt. Einen Gesetzesentwurf soll es zunÀchst nicht geben.
Die deutschen Verleger wollen den Schutzes von Presseerzeugnissen im Internet stĂ€rker ausweiten als bisher bekannt [1]. Laut einem auszugsweise vom Blog Netzpolitik veröffentlichten [2] Eckpunktepapier der BranchenverbĂ€nde VDZ [3] und BDZV [4] sollen "auch Ăberschriften, SĂ€tze, Satzteile etc." schutzwĂŒrdig sein, soweit sie "einer systematischen VervielfĂ€ltigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe" in Verbindung mit dem Titel eines Presseerzeugnisse dienten. Bisher hatte es geheiĂen, dass beispielsweise nur die Ăbernahme eines kompletten Vorspanns ohne Einbettung in ein eigenes Werk leistungsschutzrechtliche relevant sein solle.
Einer der Hauptstreitpunkte bei der Ausgestaltung des von Schwarz-Gelb geplanten [5] neuen Leistungsschutzrechts fĂŒr Pressetexte ist die Behandlung sogenannter Snippets durch Suchmaschinen oder Nachrichten-Aggregatoren wie Google News. Es geht dabei um die Frage, wie umfangreich die automatischen AuszĂŒge aus geschĂŒtzten Texten sein dĂŒrfen.
Der VDZ-Rechtsexperte Christoph Fiedler hĂ€lt "70 bis 80 Prozent" der KurzauszĂŒge in allgemeinen Trefferlisten von Suchmaschinen und nahezu alle lĂ€ngeren Snippets in Nachrichten-Angeboten fĂŒr urheberrechtlich geschĂŒtzt. Auf Ausnahmeregelungen des Urheberrechts fĂŒr Zitate oder zur tagesaktuellen Berichterstattung könnten sich die Suchmaschinen-Betreiber nicht berufen, da sie selbst keine schĂŒtzenswerten Angebote erstellten. Auch Ăberschriften seien bereits urheberrechtlich geschĂŒtzt, weil da "viel kreative Energie" drin stecke.
Das Leistungsschutzrecht sei nun in seiner Breite "mindestens parallel zu fassen zum Urheberrecht", begrĂŒndete Fiedler die Forderungen aus dem Eckpunktepapier gegenĂŒber heise online. Der Schutz solle so auf jeden Fall "auf alle Snippets erstreckt werden", damit eine konkrete EinzelfallprĂŒfung der Höhe der kreativen Leistung nicht mehr durchgefĂŒhrt werden mĂŒsse. AusgerĂŒstet mit dem neuen Recht wollen die Verleger "gewerblichen Nutzern" Lizenzvereinbarungen anbieten. Diese mĂŒssten dann fĂŒr die Darstellung geschĂŒtzter Texte etwa auf Computerbildschirmen oder anderen VervielfĂ€ltigungsgerĂ€ten zahlen.
Fiedler wehrte sich zugleich gegen die Interpretation der Forderungen als Versuch zur "Monopolisierung" von Sprache. Es dĂŒrfe nicht vergessen werden, dass das Schutzrecht nur "in Anbindung an ein Presseerzeugnis" und entsprechender Namensnennung gelten solle. Es wĂŒrde also immer auf die konkrete Verwendung der TextauszĂŒge ankommen. Insgesamt gebe es "viele wichtige Dinge noch zu diskutieren" rund um das geplante Leistungsschutzrecht, gab der Jurist der EinschĂ€tzung [6] von Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) recht. Die WĂŒnsche der Verleger dĂŒrften aber auch nicht immer vorschnell als "schreckliche EinschrĂ€nkung des Internet" dĂ€monisiert werden.
Mit Vertretern von VerbĂ€nden soll ĂŒber das Vorhaben bei einer nicht-öffentlichen Anhörung [7] im Justizministerium Ende Juni debattiert werden. Entgegen bisheriger AnkĂŒndigungen werde es dazu von Verlegerseite keinen konkreten Gesetzesentwurf geben, stellte Fiedler klar. Leutheusser-Schnarrenberger selbst habe jĂŒngst betont, dass ein solcher VorstoĂ letztlich aus dem eigenen Hause kommen und nicht von auĂen zugeliefert werde. Das Referenten- und spĂ€tere Kabinettspapier dĂŒrfte dann voraussichtlich Gegenstand weiterer Anhörungen unter Einschluss der Ăffentlichkeit sein. (vbr [8])
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[1] https://www.heise.de/news/Leistungsschutzrecht-Der-Baer-ist-noch-nicht-erlegt-1015334.html
[2] http://www.netzpolitik.org/2010/verleger-leistungsschutzrecht-soll-sprache-monopolisieren/
[3] http://www.vdz.de/
[4] http://www.bdzv.de/
[5] https://www.heise.de/news/Schwarz-Gelb-plant-Dritten-Korb-836450.html
[6] https://www.heise.de/news/Justizministerin-umreisst-Grundbedingungen-des-Urheberrechts-1022269.html
[7] https://www.heise.de/news/Bundesjustizministerium-plant-Fachanhoerungen-zum-Urheberrecht-Update-1014296.html
[8] mailto:vbr@heise.de
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