Mastercard investiert in Herzrhythmus-ID
Das kanadische Nymi-Armband erkennt seinen TrÀger an dessen Herzschlag. Auf der MIT EmTech wurde Nymi öffentlich demonstriert. Am selben Tag kamen 14 Millionen US-Dollar Risikokapital herein.
Das Armband Nymi [1] des kanadischen Startups Bionym misst die Herzströme seines Nutzers. Weil der Herzschlag Ă€hnlich einmalig ist wie ein Fingerabdruck, kann Nymi seinen TrĂ€ger gegenĂŒber Bluetooth-fĂ€higen GerĂ€ten authentifizieren. Am Mittwoch gab das Unternehmen aus Toronto eine neue Finanzierungsrunde mit 14 Millionen US-Dollar Risikokapital bekannt [2]. Zu den Investoren zĂ€hlen neben Finanzinvestoren auch MasterCard, die kanadische Exportförderungsagentur EDC und Salesforce Ventures.
Am selben Tag demonstrierte [3] Bionym-PrÀsident Andrew D'Souza erstmals öffentlich sein fertiges Armband und wie es an einen Benutzer angepasst wird. Schauplatz war die MIT EmTech in Cambridge, Massachusetts. Diese Konferenz der MIT Technology Review widmet sich neuer Technik.
(Bild:Â Bionym)
Die erstmalige Anpassung eines Nymi an den Benutzer dauert ein bis zwei Minuten. Dabei muss es mit beiden HĂ€nden berĂŒhrt werden, um den elektrischen Kreis zu schlieĂen. Ungewöhnlich schnelle Pulse, wie sie etwa bei Aufregung oder körperlicher Anstrengung auftreten, können bei dieser Eichung abtrĂ€glich sein. Im spĂ€teren Betrieb sollen sie die Erkennung aber ebenso wenig behindern wie Herzkrankheiten. Eine Akkuladung soll fĂŒr zirka eine Woche reichen.
Persistent Authentification
"Wir verstehen uns nicht als Wearable-Firma", stellte D'Souza klar. Auch behaupte Bionym nicht, dass Nymi ein medizinisch valides EKG liefere. Seine Firma trete vielmehr an, um Probleme bei Authentifizierung und Vertrauen zu lösen. "Wenn Nymi gestohlen wird oder verloren geht, ist es ziemlich nutzlos", sagte D'Souza. Sein Produkt enthĂ€lt auch ein Gyroskop sowie einen AnnĂ€herungssensor. Da das Armband selbst eine eigene ID und ein Geheimnis einbringt, sieht er es als Werkzeug fĂŒr Multi-Faktor-Authentifizierungen an.
(Bild:Â Daniel AJ Sokolov)
Im Unterschied zu einem (oft leicht fĂ€lschbaren [4]) Fingerabdruck oder einem Passwort kann mit Nymi auch fortlaufend authentifiziert werden. VerlĂ€sst der User beispielsweise seinen Arbeitsplatz oder legt er das Armband ab, kann ihn die Software automatisch nach wenigen Sekunden abmelden. Doch Nymi eignet sich auch fĂŒr einmalige Transaktionen: "Wir stehen kurz davor, einen Feldversuch fĂŒr BezahlvorgĂ€nge zu starten", berichtete D'Souza. Namen nannte er zwar keine, doch angesichts des Mastercard-Investments liegt nahe, wer der Partner fĂŒr den Feldversuch ist.
Wann die ersten Nymi ausgeliefert werden ist nach wie vor offen. Vorbestellungen nimmt Bionym schon seit ĂŒber einem Jahr [5] entgegen. Die Bestellseite erweckt den Eindruck, dass eine hohe vierstellige Zahl an Vorbestellungen zum Preis von 79 Dollar plus 10 Dollar Lieferspesen (weltweit) eingegangen ist. Der angekĂŒndigte Liefertermin "Mitte 2014" ist allerdings schon verstrichen. Die Entwicklung dĂŒrfte sich schwieriger gestaltet haben als Bionym angenommen hatte. (ds [6])
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- http://www.getnymi.com/blog/weve-closed-14m-series-a-financing-from-ignition-mastercard-and-relay-ventures/
- http://www.technologyreview.com/emtech/14/video/watch/andrew-dsouza-bionym-heartbeat-password
- https://www.heise.de/news/Fingerabdrucksensor-des-iPhone-6-ueberlistet-2399891.html
- https://www.heise.de/news/Herzrhythmus-als-Tueroeffner-1948359.html
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