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Meinungsumschwung bei Nacktscannern [Update]

Andreas Stiller

Die Ablehnungsfront bei deutschen Politikern bröckelt. Verbesserte Technik der Nacktscanner soll die IntimsphÀre besser wahren.

Stand vor wenigen Tagen [1] noch in den Parteien eine breite Ablehnungsfront zum Thema Nacktscanner, so bröckelt diese zumindest in den Regierungsparteien so langsam ab. Mit den Ganzkörperscannern lassen sich Personen bis auf die Haut durchleuchten. Beispielsweise GerÀte, die am Göteborger Flughafen zum Einsatz kommen [2] , arbeiten rein passiv mit der allgegenwÀrtigen Strahlung im Millimeterbereich: Durch Auswertung der verschiedenen Reflexions- und Absorptionseigenschaften von Kleidung, GegenstÀnden und menschlichem Gewebe lassen sich Körperkonturen sichtbar machen. Backscatter-Röntgentechnik wiederum [3] nutzt die Compton-Streuung normaler Röntgenstrahlen an OberflÀchen. Auch mittels Terahertz-Strahlung [4] lÀsst sich eine Person bis unter die Kleidung durchleuchten.

Nach Informationen der "Rheinischen Post" sind fĂŒhrende Politiker von Union und FDP nun bereit, ihren Widerstand aufzugeben, sofern die Persönlichkeitsrechte von Flugpassagieren bei der Durchleuchtung gewahrt bleiben. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, GĂŒnter Krings, sagte, er halte es fĂŒr "durchaus möglich, die Vorkehrungen so zu treffen, dass die IntimsphĂ€re gewahrt bleibt". Schon seit einem Jahr testet die Bundespolizei die Nacktscan-Technik. Die Anzeige der GerĂ€te könnte so modifiziert werden, dass der Schutz der IntimsphĂ€re stĂ€rker berĂŒcksichtigt wird.

Auch die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Gisela Piltz betonte gegenĂŒber der RP, dass sich die bisherige Ablehnung ihrer Partei auf die erste Generation der GerĂ€te bezogen habe. "Wenn die WĂŒrde des Menschen gewahrt wird, mĂŒssen wir zur Sicherheit der Passagiere auch in solche Systeme investieren", sagte Piltz.

DemgegenĂŒber Ă€ußerte sich des Leiters des Landeszentrums fĂŒr Datenschutz Schleswig-Holstein, Thilo Weichert [5] kritisch. Weichert, der den GrĂŒnen angehört, gilt bundesweit als einer der profiliertesten DatenschĂŒtzer. Ein flĂ€chendeckender Einsatz von Nacktscannern bei Kontrollen an FlughĂ€fen wĂ€re nach seiner Auffassung unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig. Die Forderung nach dieser Art der Untersuchung von Flugpassagieren gehe in die falsche Richtung. Der Sicherheitsgewinn sei minimal, kritisierte Weichert am Dienstag in Kiel. Das sichere Erkennen von Sprengmitteln sei damit nicht möglich. Es werde aber massiv in das Persönlichkeitsrecht aller gescannten Flugpassagiere eingegriffen.

GrĂ¶ĂŸere LĂŒcken scheint es ohnehin offenbar bei den normalen Kontrollen zu geben. So soll der AttentĂ€ter Umar Abdulmutallab amerikanischen Presseberichten zufolge ohne gĂŒltigen Pass an Bord gewesen sein.

[Update]

WĂ€hrend bei den deutschen Regierungsparteien die breite Ablehnungsfront bröckelt, geht Holland einen Schritt weiter: Der Amsterdamer Flughafen Schiphol will nach Medienberichten bei FlĂŒgen in die USA kĂŒnftig Ganzkörperscanner nutzen. Hollands Innenministerin Guusje ter Horst [6] hat den Berichten zufolge am heutigen Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Den Haag mitgeteilt, dass die Durchleuchtung bereits in den kommenden drei Wochen zum Einsatz kommen wird.

(as [7])


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https://www.heise.de/-893466

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Nacktscanner-erneut-in-der-Diskussion-893181.html
[2] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Goeteborger-Flughafen-testet-passive-Personenscanner-152079.html
[3] http://www.heise.de/newsticker/meldung/US-Regierung-plant-Roentgendurchleuchtung-von-Flugpassagieren-109841.html
[4] http://www.heise.de/newsticker/meldung/Huellenlose-ueberwachung-139970.html
[5] https://www.heise.de/news/Thilo-Weichert-als-oberster-Datenschuetzer-Schleswig-Holsteins-bestaetigt-789120.html
[6] http://www.government.nl/Government/Balkenende_IV_Government/Guusje_ter_Horst
[7] mailto:as@ct.de