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Minority Report auf bayrisch: Musterbasierte Verbrecherjagd mit Precobs angeblich erfolgreich

Detlef Borchers
Precobs: Musterbasierte Verbrecherjagd in Bayern angeblich erfolgreich

Kriminaldirektor Karl Geyer erklĂ€rt im NĂŒrnberger PolizeiprĂ€sidium die neue Software, die EinbrĂŒche vorhersagen können soll.

(Bild: dpa)

Alarm in Planquadrat xy: Die Polizei fĂ€hrt los und verhaftet den TĂ€ter womöglich noch vor der Tat. Der Einsatz des Pre Crime Observation Systems in MĂŒnchen und Mittelfranken ist nach Aussagen des bayerischen Innenministers vielversprechend angelaufen.

Die Software Precobs, mit der EinbrĂŒche vorhergesagt werden soll, hat sich bewĂ€hrt. Das teilt das bayerische Innenministerium [1] mit. Die Software des Institutes fĂŒr musterbasierte Prognosetechnik (IfmPt) wird seit Anfang September in NĂŒrnberg und MĂŒnchen getestet [2]. Innenminister Joachim Herrmann will die bis Mai 2015 laufende Machbarkeitsstudie mit der polizeilichen Verbrechens-Progonosesoftware nun auf ganz Bayern ausdehnen.

Precobs ist eine Statistiksoftware, die auf der Theorie der near repeats [3] aufsetzt. Weil Einbrecher, StraßenrĂ€uber und Autoknacker nach bestimmten, erfolgreich "getesteten" Mustern vorgehen, werden diese Modi Operandi mit allen Variablen gespeichert. Anschließend werden statistische Korrelationen Ă€hnlicher Gebiete hinzugezogen. So werden "Treffer" erzielt, in dem ein Alarm fĂŒr bestimmte Planquadrate errechnet wird, die dann stĂ€rker von der Polizei bestreift werden.

Precobs soll mustergĂŒltig gearbeitet haben, berichtet die tageszeitung [4], als es einen Alarm fĂŒr Mittelfanken ausgab: "Die Polizeistreife fuhr hin, hielt einen Wagen an und machte einen Einbrecher dingfest, der zur Fahndung ausgeschrieben war."

Precobs ist nach Darstellung des Institutes bereits bei der Stadtpolizei ZĂŒrich in den Dauerbetrieb ĂŒbergangen. Dort ĂŒberlĂ€sst die "Fachgruppe Fahndung StraßenkriminalitĂ€t" die Analysearbeit dem Computer und soll damit die Zahl der EinbrĂŒche in den vom System ĂŒberwachten Gebieten die Zahl um 30 Prozent gesenkt haben. Gleichzeitig soll sich laut IfmPt die Verhaftungsquote verdoppelt haben.

Die deutsche Software des Soziologen Thomas Schweer konkurriert international mit der cloudbasierten Software PredPol, die ebenfalls aus einem universitĂ€ren Projekt der Erforschung urbaner KriminalitĂ€t entstand. Mit dabei ist auch IBM mit seinem Produkt Blue CRUSH (Criminal Reduction Utilizing Statistical History) auf der Basis der eigens dafĂŒr ĂŒbernommenen Statistik-Software-Firma SPSS [5].

Diese Systeme beschrÀnken sich nicht mehr nur auf polizeiliche Falldaten, sondern beziehen Daten aus sozialen Netzwerken in ihre Prognosen ein. So destillierte die Polizei in Chicago aus einer Liste von 13.000 verdÀchtigen eine "Heat List" mit 400 Personen, die als potenzielle GefÀhrder gelten und prÀventiv von Beamten besucht wurden, ein Vorgehen, das der Aktivist Cory Doctorow als pseudowissenschaftliche Rassendiskriminierung [6] brandmarkte. (anw [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-2467490

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.stmi.bayern.de/med/aktuell/archiv/2014/20141126sonderkontrollaktion/
[2] https://www.heise.de/news/Bayerischer-Minority-Report-Einbruchswarnung-vor-dem-Einbruch-2390662.html
[3] http://www.ifmpt.de/near-repeats/
[4] http://taz.de/Verbrechensvorhersage-in-Bayern/!150215/
[5] https://www.heise.de/news/IBM-schliesst-uebernahme-von-SPSS-ab-808690.html
[6] http://boingboing.net/2014/02/25/chicago-pds-big-data-using.html
[7] mailto:anw@heise.de