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Mobile Payment: Mobilfunker und Banken nehmen neuen Anlauf

Als mobile Geldbörse hat sich das Handy hierzulande noch nicht etabliert. Anwendungen sind oft auf bestimmte Kundengruppen oder feste Kaufszenarien beschrÀnkt.

Nun hat auch der Mobilfunkriese T-Mobile [1] zum Ende MĂ€rz seine elektronische Geldbörse, die Mobile Wallet [2], eingestellt. Damit sich mobiles Bezahlen etwa im Stil der EC-Karte etablieren kann, mĂŒsste das Handy auf breiter Basis einsetzbar sein, sind sich die Experten sicher. FĂŒhrende Vertreter aus Bankwirtschaft, Mobilfunkindustrie und Wirtschaftsministerium arbeiten jetzt an einer gemeinsamen Lösung.

"Bezahlmöglichkeiten mit dem Handy werden von den meisten Anwendern noch immer ignoriert", bestĂ€tigt auch Key Pousttchi, Wirtschaftsinformatiker der UniversitĂ€t Augsburg. Bisher ziehen die Deutschen gewohnte Verfahren wie EC-Karte, Überweisung und Lastschriftverfahren vor. Die funktionieren sowohl an der Supermarktkasse, als auch im Internet, Parkhaus oder Restaurant. Das Handy dagegen lĂ€sst sich dazu nur in AusnahmefĂ€llen einsetzen, beispielsweise beim Ticketverkauf fĂŒr öffentliche Verkehrsmittel.

Dies erklĂ€rt auch das Scheitern der Mobile Wallet. "Die elektronische Geldbörse konnte sich nicht in der breiten Masse durchsetzen", sagt Husam Azrak von T-Mobile in Bonn. Dabei ist die Bereitschaft bei den BundesbĂŒrgern durchaus vorhanden: Eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums ergab im Herbst vergangenen Jahres, dass knapp die HĂ€lfte der Deutschen mit dem Handy bezahlen wĂŒrde.

Eine Arbeitsgruppe des Augsburger Wissenschaftlers Pousttchi hat ein neues Modell dafĂŒr entwickelt, wie das Handy zum universellen Bezahl-Instrument werden kann. Dabei soll der Zugriff auf das eigene Bankkonto ebenso möglich sein wie das Bezahlen von KleinstbetrĂ€gen per SMS, das Lösen von Parktickets oder der Kauf von Zigaretten am Automaten.

"Die Mobilfunkteilnehmer brauchen einen bequemen Weg, mit ihrem Handy zu bezahlen", sagt auch Jim Wadsworth, Marketing-Chef von Simpay [3] in London. Das Gemeinschaftsunternehmen der großen Mobilfunkanbieter -- in dem unter anderem Orange [4], Vodafone [5], T-Mobile und Telefonica Moviles [6] vertreten sind -- steht nach vielen AnkĂŒndigungen mit einer eigenen Lösung am Start.

GrenzĂŒberschreitend und unabhĂ€ngig vom nationalen Mobilfunkanbieter und individuellen Vertragsmodell soll das Verfahren funktionieren: Ein belgischer Mobilfunknutzer, der etwas von einem HĂ€ndler in Spanien kaufen möchte, kann durch eine einfache Transaktion mit Hilfe eines Klicks auf den Simpay-Button der mobilen Webseite den Kauf durchfĂŒhren - der Betrag wird ĂŒber die Handyrechnung beglichen.

"Ziel von Simpay ist es, eine Ă€hnliche Bezahlstruktur wie bei der Kreditkarte zu erreichen", sagt Azrak. Das Unternehmen hat seinen Dienst auf der Mobilfunkmesse 3GSM in Cannes fĂŒr Mitte 2005 in Spanien, Großbritannien und Belgien angekĂŒndigt. Eine EinfĂŒhrung in Deutschland sei allerdings nicht vor 2006 zu erwarten: "Es gibt auf dem deutschen Markt rechtliche Hindernisse, die vor dem Start geklĂ€rt werden mĂŒssen", sagt Wadsworth.

Das Problem ist bekannt: FĂŒr das Handling grĂ¶ĂŸerer BetrĂ€ge ist hierzulande eine Banklizenz notwendig -- ĂŒber die Telefonrechnung dĂŒrfen nur Telekommunikationsdienstleistungen im Bereich geringer BetrĂ€ge abgewickelt werden. Telekom-Unternehmen, Banken und HĂ€ndler sind bei der Abrechnung der BetrĂ€ge aufeinander angewiesen und mĂŒssen zusammenarbeiten.

Ein Roundtable des Wirtschaftsministeriums will BankenverbĂ€nde und Mobilfunkunternehmen zur konkreten Initiative bewegen. "Besonders fĂŒr die Banken ist das Thema von strategischer Bedeutung und der Zeitpunkt fĂŒr den Einstieg gĂŒnstig", sagt Pousttchi, der den GesprĂ€chskreis leitet. Werde die Chance jetzt verpasst, könnten die Mobilfunkanbieter mit Simpay versuchen, allein einen Weg zu finden.

"Der Weg ist eine Kooperation", sagt auch Sven Siering, M-Payment Experte der Postbank in Bonn. Mit am Roundtable sitzt daher auch der Zentrale Kreditausschuss (ZKA [7]) als Sprachrohr der SpitzenverbĂ€nde der deutschen Kreditwirtschaft. Zwei Treffen haben bereits stattgefunden, im April setzt die Runde ihre Zusammenarbeit fort. Bis Ende September sollen die Banken konkrete Entscheidungen treffen. Etwa zwei Jahre mĂŒsse man der Entwicklung jedoch noch geben, bevor der Verbraucher auf mobile Bezahlverfahren zugreifen kann, schĂ€tzt Siering. (Mareike Enderle, dpa) (ssu [8])


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Links in diesem Artikel:

  1. http://www.T-Mobile.de/
  2. https://www.heise.de/news/T-Mobile-bietet-Fahrschein-Service-im-t-zones-Portal-93517.html
  3. http://www.simpay.com/
  4. http://www.orange.com/
  5. http://www.Vodafone.com/
  6. http://www.telefonicamoviles.com/
  7. http://www.zka.de/
  8. mailto:ssu@ct.de