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Motorola spaltet sich auf

Motorola sucht sein Heil in zwei unabhĂ€ngigen Firmen: Auf der einen Seite soll das GeschĂ€ft mit Mobiltelefonen und Unterhaltungselektronik fĂŒr Privatanwender stehen, auf der anderen Seite die Produkte und Dienstleistungen fĂŒr GeschĂ€ftskunden.

Der angeschlagene [1] Telekommunikationskonzern Motorola [2] sucht sein Heil in der Aufspaltung. Auf der einen Seite soll das GeschĂ€ft mit Mobiltelefonen und Unterhaltungselektronik fĂŒr Privatanwender stehen, auf der anderen Seite die Produkte und Dienstleistungen fĂŒr GeschĂ€ftskunden. Beide Unternehmen könnten sich alleine freier am Markt bewegen, begrĂŒndete Verwaltungsratschef David Dorman den lange erwarteten Schritt.

Seit Monaten hatte das Motorola-Management hinter verschlossenen TĂŒren verschiedenste Möglichkeiten der Teilung diskutiert und wieder verworfen. Unter dem Dach des Konzerns hat sich in den Jahrzehnten ein Sammelsurium an Produkten angehĂ€uft. SpĂ€testens die Wirtschaftskrise hatte die Probleme offenbart. Binnen eines Jahres will das Unternehmen nun so weit sein, die Aufspaltung durchzuziehen.

Die jetzigen AktionĂ€re werden dann erst einmal beide Unternehmen besitzen: Die Teilung passiert ĂŒber die AusschĂŒttung einer Dividende, die aus Aktien besteht. Auch die Kunden werden erst einmal nichts von der Aufspaltung mitbekommen: Beide Unternehmen werden den Namen Motorola weiter nutzen. EigentĂŒmer der Marke wird indes der Privatkunden-Teil sein.

Zum Privatkunden-GeschĂ€ft gehören im Wesentlichen die Handys. Der einstigen Perle im Konzern fehlen aber seit Langem durchschlagende neue Produkte. An das Erfolgsmodell Razr war kein Nachfolger jemals herangekommen. In der Wirtschaftskrise brachen die VerkĂ€ufe dann endgĂŒltig ein. Auch zuletzt schrieb die Sparte noch rote Zahlen. Zweites großes Standbein im PrivatkundengeschĂ€ft sind die EmpfangsgerĂ€te fĂŒr Kabelfernsehen. Das neue Unternehmen sei damit bestens aufgestellt, um vom Verschmelzen von Internet, Mobilfunk und Medien zu profitieren, sagte Co-Konzernchef Sanjay Jha, der das Unternehmen kĂŒnftig fĂŒhren soll.

Zum GeschĂ€ft mit GeschĂ€ftskunden gehören unter anderem Barcode-Scanner, Funketiketten-LesegerĂ€te, Rundfunk-Technik, Sicherheitssysteme und Handy-Netztechnik. Dieses Unternehmen soll der zweite Konzernchef Greg Brown ĂŒbernehmen. Die einzelnen Sparten waren zuletzt profitabel. Die Technik fĂŒr Mobilfunk-Netze könnte Brown allerdings direkt weiterverkaufen. Laut New York Times ist bereits die erste Bieterrunde gelaufen. Die Sparte dĂŒrfte mehr als 1 Milliarde Dollar einbringen.

Das Geld kann der Konzern gut gebrauchen. Motorolas Jahresumsatz war im Krisenjahr 2009 um rund ein Viertel auf 22 Milliarden Dollar gefallen, der Verlust lag bei 51 Millionen Dollar. Im Jahr zuvor hatte der Konzern sogar 4,2 Milliarden Dollar verloren. Mit einer Modelloffensive bei den beliebten Smartphones wollte der Konzern den Sprung zurĂŒck in die Gewinnzone schaffen. Motorola setzt dabei auf Googles Smarttphone-Betriebssystem Android. (jk [3])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-928705

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/news/Motorola-will-mit-Smartphones-punkten-917228.html
[2] http://www.motorola.com
[3] mailto:jk@heise.de