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NSA-AffÀre: Brasilien liest den USA die Leviten

Monika Ermert

Die brasilianische PrĂ€sidentin Dilma Rousseff hat den USA in der UN-Generalversammlung tĂŒchtig eingeschenkt: Die bekannt gewordenen AusspĂ€haktionen gegen ihr Land seien ein Bruch internationalen Rechts.

Brasiliens PrĂ€sidentin Dilma Rousseff hat in der Generalversammlung der Vereinten Nationen Klartext zum Überwachungsprogramm der USA geliefert. In Anwesenheit von US-PrĂ€sident Obama, der kurz darauf seine eigenen Ansprache zu halten hatte, bezeichnete sie in ihrer Rede [1] die bekannt gewordenen AusspĂ€haktionen gegen ihr Land [2] als Bruch internationalen Rechts und eine Verletzung der Prinzipien, die das VerhĂ€ltnis unter befreundeten Staaten regele.

SouverĂ€ne Staaten könnten sich niemals ĂŒber die SouverĂ€nitĂ€t anderer Staaten hinwegsetzen, sagte Rousseff. "Das Argument, dass das illegale AusspĂ€hen von Informationen und Daten LĂ€nder gegen den Terrorismus schĂŒtzen soll, ist unhaltbar." Laut den Informationen von Edward Snowden und dem Guardian-Journalisten Glen Greenwald gehörte Brasilien zu den zentralen Zielen der AusspĂ€haktion. Rousseff kritisierte, Brasiliens BĂŒrger, Unternehmen von strategischer Bedeutung und diplomatische Vertretungen des Landes seien von den USA ausgespĂ€ht worden.

Ihre Regierung werde gesetzgeberische und technische Maßnahmen [3] treffen, um sich gegen die illegale Überwachung zu schĂŒtzen, kĂŒndigte Rousseff an. Allerdings forderte sie auch eine Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Sie werde bei den Vereinten Nationen einen Vorschlag fĂŒr einen Mechanismus einbringen, der die IntegritĂ€t von Daten im weltweiten Netz kĂŒnftig sichern soll. Damit gelte es, Informations- und Meinungsfreiheit, die PrivatsphĂ€re und MenschenwĂŒrde und insgesamt die Grundrechte zu schĂŒtzen. Rousseff nannte gleichzeitig DiversitĂ€t, NeutralitĂ€t des Netzwerks gegenĂŒber den Inhalten und eine multilaterale Aufsicht ĂŒber das Netz als Ziele fĂŒr die UN-Initiative.

Insbesondere der letzte Punkt könnte die Debatte ĂŒber die besondere Aufsichtsrolle der USA ĂŒber das Netz neu aufrollen. Seit Jahren ist so etwa die unilaterale Aufsicht der USA ĂŒber die Rootzone des Domain Name System ein Streitpunkt auf dem internationalen Parkett. Immer wieder waren VorstĂ¶ĂŸe in Richtung einer stĂ€rker internationalen Aufsicht als mögliche Übernahme des Internet durch die Vereinten Nationen zurĂŒckgewiesen worden. Zuletzt waren die entsprechenden Forderungen leiser geworden, LĂ€nder wie Brasilien oder China engagierten sich verstĂ€rkt in den Selbstverwaltungsgremien wie der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN [4]). Die SpĂ€haffĂ€re könnten nun fĂŒr eine Neuauflage des Ringens um das Netz sorgen. (axk [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1966154

Links in diesem Artikel:
[1] http://gadebate.un.org/sites/default/files/gastatements/68/BR_en.pdf
[2] https://www.heise.de/news/NSA-Affaere-Brasilien-und-Mexiko-bestellen-US-Botschafter-ein-1947222.html
[3] https://www.heise.de/news/NSA-Affaere-Brasilien-plant-spionagesicheren-E-Mail-Dienst-1948581.html
[4] http://www.icann.org/
[5] mailto:axk@heise.de