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Neuseeland macht neuen Anlauf zu Internetsperren

Stefan Krempl

Die neuseelĂ€ndische Regierung hat erneut einen Gesetzesentwurf veröffentlicht, der eine "abgestufte Erwiderung" auf wiederholte Copyright-VerstĂ¶ĂŸe bis hin zum Kappen von NetzzugĂ€ngen festschreiben soll.

Die neuseelĂ€ndische Regierung hat erneut einen Gesetzesentwurf [1] veröffentlicht, der eine "abgestufte Erwiderung" auf wiederholte Copyright-VerstĂ¶ĂŸe bis hin zum Kappen von NetzzugĂ€ngen festschreiben soll. Nachdem ein erster Anlauf zur Verabschiedung einer Regelung fĂŒr ein entsprechendes "Three Strikes"-Verfahren nach heftigen Protesten [2] im MĂ€rz gescheitert [3] war, zeigte sich der federfĂŒhrende Wirtschaftsminister Simon Power dieses Mal zuversichtlich, eine "gangbare Lösung" gefunden zu haben. Man habe hart daran gearbeitet, einen "fairen, effektiven und glaubwĂŒrdigen Prozess zur Durchsetzung des Copyrights gegen illegale Peer-to-Peer-Filesharer" vorzuschlagen.

Konkret sieht die geplante Änderung des neuseelĂ€ndischen Urheberrechts vor, dass Rechteinhaber von Internetprovidern zunĂ€chst das Aussenden von Warnhinweisen verlangen können. Sollte der ausgemachte illegal handelnde Nutzer nach drei Verwarnungen noch einmal bei rechtswidrigen AktivitĂ€ten in Tauschbörsen erwischt werden, kann der Rechteinhaber vor einem gesonderten "Copyright-Tribunal" eine Strafe von bis zu 15.000 US-Dollar beantragen. Dazu ist der entstandene Schaden nachzuweisen. Wenn ernsthafte und andauernde Copyright-Verletzungen vorliegen, können Vertreter etwa der Unterhaltungsindustrie auch auf schĂ€rfere Sanktionen wie eine sechsmonatige Internetsperre drĂ€ngen. Nutzer, denen die "digitale Guillotine" droht, dĂŒrfen eine ordentliche gerichtliche Anhörung verlangen, falls sie sich fĂ€lschlicherweise beschuldigt fĂŒhlen.

Den bereits im August ausgearbeiteten, aber erst jetzt vorgelegten Entwurf will die Regierung Anfang 2010 ins neuseelĂ€ndische Parlament einbringen. Parallel sitzt Neuseeland mit am Tisch der abschließenden, nach wie vor hinter verschlossenen TĂŒren stattfindenden Verhandlungen [4] ĂŒber ein sehr umstrittenes internationales Handelsabkommen gegen ProduktfĂ€lschungen und Markenpiraterie. Auch in diesem geplanten Anti Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) wird im sogenannten Internet-Kapitel dem Vernehmen nach ein "Three Strikes"-Modell erwogen, was EU-Diplomaten aber kritisch sehen [5]. Frankreich war hier bereits vorgeprescht und hatte im Herbst nach langen Auseinandersetzungen ein entsprechendes Gesetz fĂŒr eine abgestufte Erwiderung durch alle Instanzen gebracht [6]. (jk [7])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-889537

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.med.govt.nz/templates/MultipageDocumentTOC____42332.aspx
[2] https://www.heise.de/news/Protestaktion-gegen-Internet-Sperregelung-in-Neuseeland-197098.html
[3] https://www.heise.de/news/Vorerst-keine-Internet-Sperren-in-Neuseeland-208593.html
[4] https://www.heise.de/news/ACTA-Berlin-wiegelt-Befuerchtungen-um-Anti-Piraterie-Abkommen-ab-883718.html
[5] https://www.heise.de/news/Bruessel-hat-Bauchschmerzen-bei-Anti-Piraterie-Abkommen-874133.html
[6] https://www.heise.de/news/Frankreich-Internetsperre-fuer-Urheberrechtsverletzer-gebilligt-837138.html
[7] mailto:jk@heise.de