zurück zum Artikel

Niederlande bekennen sich zu offenen Standards und Open Source

Stefan Krempl

Das niederlĂ€ndische Parlament hat einen Aktionsplan gebilligt, wonach die öffentliche Hand flĂ€chendeckend auf freie Software und ODF umsteigen soll. Der Einsatz proprietĂ€rer Lösungen muss fĂŒr den Übergang gesondert begrĂŒndet werden.

Das niederlĂ€ndische Parlament, die Tweede Kamer [1], hat am heutigen Mittwoch einen Aktionsplan [2] gebilligt, wonach die öffentliche Hand möglichst flĂ€chendeckend auf offene Standards umsteigen soll. Zugleich mĂŒssen die Behörden bevorzugt Open-Source-Software einsetzen. GemĂ€ĂŸ dem 26-seitigen Papier aus dem Wirtschaftsministerium sind in einem ersten Schritt von April nĂ€chsten Jahres an zunĂ€chst Regierungsdienste und ab Dezember 2008 sĂ€mtliche öffentliche Verwaltungen verpflichtet, den weiteren Einsatz proprietĂ€rer Lösungen wie Betriebssysteme oder Office-Pakete von Microsoft gesondert zu begrĂŒnden. Zugleich mĂŒssen sie dabei eine Strategie vorlegen, wann eine Umstellung auf offene Standards und freie Software zu bewerkstelligen ist.

Im Juni spĂ€testens soll das niederlĂ€ndische Normierungsinstitut ein entsprechendes InteroperabilitĂ€tsrahmenwerk mit zulĂ€ssigen offenen Standards vorlegen. Der Plan schreibt dabei bereits vor, dass das von der ISO spezifizierte [3] Open Document Format (ODF) schrittweise fĂŒr das Lesen, Schreiben, Austauschen, Veröffentlichen und den Empfang von Verwaltungspapieren anzuwenden ist. Bis spĂ€testens Januar 2009 soll der großflĂ€chige Einsatz des offenen Dokumentenstandards forciert werden. Als offene Standards akzeptiert der Plan nur Normen, fĂŒr die keine Lizenzzahlungen etwa aufgrund von Patenten erhoben werden.

Dazu kommen Implementierungsstrategien fĂŒr Ausschreibungen, Einkauf und die Verwendung von Open Source durch alle Ministerien bis Anfang 2009 und fĂŒr andere Behörden bis Januar 2010. Flankiert wird das Vorhaben und seine Durchsetzung durch eine Beschwerdekammer sowie eine ĂŒbergeordnete IT-Abteilung, die bei der Umstellung auf freie Software vor Ort helfen soll.

Mit dem von allen Fraktionen gut geheißenen Fahrplan wollen Regierung und Parlament die InteroperabilitĂ€t verbessern. Modulare Softwarebausteine sollen konkret helfen, offene Standards nach und nach einzupflegen. Weiteres Ziel ist es, die AbhĂ€ngigkeit von einzelnen Anbietern zu verringern. Zugleich soll der IT-Markt fĂŒr alle zugĂ€nglich gemacht werden. Gleiche Bedingungen fĂŒr alle Anbieter sollen dafĂŒr sorgen, Innovationen voranzutreiben. Als weitere BeweggrĂŒnde nennt das Papier, dass die langfristige ZuverlĂ€ssigkeit der öffentlichen Verwaltung und der Benutzbarkeit ihrer Dokumente sichergestellt bleiben mĂŒsse. Letztlich dĂŒrften auch die Kosten fĂŒr Software-Ausgaben nicht steigen.

Das niederlÀndische Innen- und Wirtschaftsministerium hatten vor vier Jahren bereits das Aktionsprogramm OSOSS [4] (Open Source als Onderdeel van de Software Strategie) erarbeitet, das Ende des Jahres auslÀuft. Damit ist es gelungen, dass bereits 60 Prozent aller Verwaltungen in Holland mit offenen Standards arbeiten und 47 Prozent Open-Source-Software nutzen. Seit 2002 lÀuft zudem das Programm OASE zur Förderung freier Software im Mittelstand.

Trotz dieser Initiativen will Den Haag weiter Druck machen bei der UmrĂŒstung auf offene Standards und Linux, um europaweit eine Vorreiterrolle einzunehmen. Microsoft protestierte dagegen noch gestern heftig gegen den neuen Plan. GerĂŒchten zufolge sollen die Redmonder angedroht haben, beim Inkrafttreten des Programms den EuropĂ€ischen Gerichtshof wegen angeblicher VerstĂ¶ĂŸe gegen das Wettbewerbsrecht anzurufen. (Stefan Krempl) / (vbr [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-169885

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.tweedekamer.nl/
[2] http://minez.nl/content.jsp?objectid=153181&rid=154466
[3] https://www.heise.de/news/OpenDocument-Format-offiziell-als-ISO-Standard-veroeffentlicht-123716.html
[4] http://www.ososs.nl/
[5] mailto:vbr@heise.de