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Nord Stream: Jetzt ermittelt nur noch Deutschland

Malte Kirchner
Gasaustritt in der Ostsee

Gasaustritt nach dem Sabotageakt auf Nord Stream in der Ostsee

(Bild: Schwedische KĂŒstenwache)

Anfangs ermittelten drei LÀnder wegen der Sabotage an den Ostsee-Pipelines. Jetzt hÀngt es von Deutschland ab, ob der Fall jemals gelöst wird.

Nach Schweden hat auch DĂ€nemark die Ermittlungen zur Sabotage an den Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 eingestellt. Es gebe keine ausreichende Grundlage, um in DĂ€nemark ein Strafverfahren einzuleiten, heißt es in der knappen BegrĂŒndung [1], die am Montagmorgen veröffentlicht wurde. Die Ermittlungen in DĂ€nemark hatte die Kopenhagener Polizei gefĂŒhrt. Sie arbeitete dabei mit dem dĂ€nischen Inlandsnachrichtendienst PET (Politiets Efterretningstjeneste) zusammen.

Gemessen an Dauer und Umfang der Ermittlungen rund um die September 2022 zerstörten Gasleitungen zwischen Russland und Deutschland geben sich die dÀnischen Ermittler Àhnlich wortkarg wie Anfang Februar die schwedische Staatsanwaltschaft [2]. Ja, es sei definitiv Sabotage gewesen, schlussfolgert die Polizei in ihrer Abschlusspressemitteilung. Aber viel mehr gibt es zumindest aus ihrer Sicht nicht mitzuteilen. Und von Fragen sei abzusehen.

Damit ermittelt nun nur noch Deutschland. Die Spurensuche des Generalbundesanwalts schien zuletzt ohnehin die vielversprechendste Spur zu sein. Wohl deshalb hat Schweden auch angekĂŒndigt, seine Beweise und Spuren an Deutschland weiterzugeben. Ob auch DĂ€nemark Ähnliches plant, ist ungewiss. Dort heißt es nur, der Nachrichtendienst wolle Vorkehrungen treffen, die kritische Infrastruktur des Landes zu beschĂŒtzen.

Bei dem Sabotageakt Ende September 2022 [3] wurden drei von vier Röhren in 60 bis 90 Metern Tiefe mithilfe von Sprengstoff schwer beschĂ€digt. GrĂ¶ĂŸere Mengen Gas traten aus. Nord Stream 1 war aufgrund der Spannungen zwischen Russland und westlichen Staaten von russischer Seite bereits in den Monaten zuvor außer Betrieb genommen worden. Nord Stream 2 wurde nach Fertigstellung niemals in Betrieb genommen, war aus betrieblichen GrĂŒnden aber mit Erdgas befĂŒllt.

In Deutschland wurde zuletzt eine Spur verfolgt, die zu einer angemieteten Segeljacht in Mecklenburg-Vorpommern fĂŒhrte [4]. Diese soll von fĂŒnf MĂ€nnern und einer Frau angemietet worden sein, um die AnschlĂ€ge nahe der dĂ€nischen Insel Bornholm zu verĂŒben. Zuletzt wurde bekannt, dass ein ukrainischer StaatsbĂŒrger das Boot ĂŒber Konten einer polnischen Firma angemietet haben soll. Deutsche Ermittler warten angeblich aktuell auf Aufnahmen von Überwachungskameras aus Polen, die bei einem Landgang der TatverdĂ€chtigen entstanden sein sollen.

Der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof ermittelt wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage (§ 88 StGB) und anderer Straftaten.

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(mki [6])


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  1. https://politi.dk/koebenhavns-politi/nyhedsliste/the-joint-investigation-into-nord-stream-explosions-has-been-concluded/2024/02/26
  2. https://www.heise.de/news/Nord-Stream-Sabotage-Schweden-stellt-Ermittlungen-ein-9621235.html
  3. https://www.heise.de/hintergrund/Sabotage-an-Nord-Stream-Wer-aktuell-gerade-bezichtigt-wird-und-warum-9186620.html
  4. https://www.heise.de/hintergrund/Sabotage-an-Nord-Stream-Wer-aktuell-gerade-bezichtigt-wird-und-warum-9186620.html
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