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Nord-Stream-Pipelines: EU-Sanktionen bremsten Begutachtung der Betreiberfirmen

Malte Kirchner

Eine der Austrittsstellen der beschÀdigten Nord-Stream-Pipelines in der Ostsee, aufgenommen Ende September.

(Bild: Schwedische KĂŒstenwache)

Die russischen Betreiber hÀtten nach der Explosion der Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 zunÀchst gar keine Chance gehabt, die SchÀden zu untersuchen.

Zur Frage, wer fĂŒr die Sprengung der Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 verantwortlich ist, gibt es von den Ermittlungsbehörden in Schweden, DĂ€nemark und Deutschland immer noch keine Antworten. Medienberichte zeigen aber, dass die Untersuchung der Austrittsstellen und eine mögliche Reparatur durch die Betreiberunternehmen infolge von Sanktionen der EuropĂ€ischen Union deutlich ausgebremst wurden. Auch werden inzwischen erste Anzeichen sichtbar, wie sich der massive Austritt von Methan – der immer noch nicht gĂ€nzlich versiegt sein soll – auf die Meereswelt auswirkt.

EU-Sanktionen haben laut einem Bericht der US-Nachrichtenagentur Reuters verhindert [1], dass das norwegische Energieunternehmen Equinor mit Spezialschiffen und geeigneter AusrĂŒstung zu den Schadstellen ausrĂŒcken konnte. Darum hatten die mehrheitlich im russischen Besitz befindlichen Betreibergesellschaften der Pipelines, die Nord Stream AG und die Nord Stream 2 AG mit Sitz in der Schweiz, gebeten. Die beiden Firmen, von denen sich die Nord Stream 2 AG inzwischen in einem Insolvenzverfahren befindet [2], sind sogar finanziell beteiligte Teilhaber eines AusrĂŒstungspools, der speziell fĂŒr Pipeline-Arbeiten und Reparaturen eingerichtet wurde.

Norwegen ist zwar kein Mitglied der EU, sei jedoch durch die Teilnahme am EU-Binnenmarkt an Sanktionen und Exportkontrollen der EU gebunden, berichtet Reuters. Aus diesem Grunde habe Equinor die AuftrĂ€ge im Oktober ablehnen mĂŒssen. Am Ende entsandten die Betreibergesellschaften ein russisches Schiff. Dessen Besatzung stieß nahe der dĂ€nischen Insel Bornholm auf zwei bis fĂŒnf Meter tiefe Krater [3] und beschĂ€digte Leitungen auf einer GesamtlĂ€nge von 248 Metern. Das norwegische Außenministerium verwies gegenĂŒber Reuters auf strenge Geheimhaltung und wollte sich zu dem Vorgang nicht Ă€ußern.

Wie weit Russlands Vorbereitungen und Planungen fĂŒr eine Reparatur von Nord Stream 1 [4] fortgeschritten sind, ist unklar. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Energiekonzerns Uniper, Klaus-Dieter Maubach, schĂ€tzte die Dauer einer Reparatur gegenĂŒber dem Handelsblatt auf sechs bis zwölf Monate ein. Entscheidend sei jedoch, ob Europa und Deutschland ĂŒberhaupt daran interessiert seien, wieder russisches Gas ĂŒber die 1200 Kilometer lange Direktverbindung zwischen Russland und Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern zu beziehen. Deutschland setzt auf LNG-Terminals [5], um den Anteil russischen Gases an den Energieimporten zu ersetzen.

FĂŒr die Meereswelt war der massive Methan-Austritt offenbar nicht folgenlos. Eine Expedition der schwedischen UniversitĂ€t fĂŒr Agrarwissenschaften (SLU) zu den Austrittsstellen hat laut einem Bericht der schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter [6] aufgezeigt, dass der in den GewĂ€ssern heimische Kabeljau negativ beeintrĂ€chtigt wurde. Die Forscher stellten bei Stichproben an 29 Fischen VerĂ€nderungen an den Kiemen fest. Es wird vermutet, dass dafĂŒr das Methan verantwortlich ist, welches den Sauerstoff in den Fischen verdrĂ€ngt habe. Genaueren Aufschluss wĂŒrde aber erst eine grĂ¶ĂŸere Untersuchung liefern.

Nach Erkenntnissen der UniversitĂ€t Göteborg strömt immer noch Methan an den Leckstellen aus. Die gemessene Konzentration im Wasser habe im Januar das FĂŒnffache des sonst ĂŒblichen Werts ergeben, heißt es. Allerdings war der massive Austritt Ende September, der unter anderem zu Blasen an der MeeresoberflĂ€che fĂŒhrte, nach einigen Tagen vorbei. Aus den vier Austrittsstellen war Gas ausgeströmt, das aus betrieblichen GrĂŒnden immer in den Pipelines vorgehalten wird. Über Nord Stream 1 wurde von russischer Seite schon seit dem Sommer kein Gas mehr transportiert. Nord Stream 2 wurde wegen einer fehlenden Zertifizierung Deutschlands niemals in Betrieb genommen. Von der neueren der beiden Pipelines soll einer der zwei RohrstrĂ€nge unversehrt geblieben sein.

Die Untersuchungen zu den Verursachern der Explosionen am Meeresgrund sind immer noch nicht abgeschlossen, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Ende Januar in einem Interview dem Tagesspiegel. Schweden und DĂ€nemark, die jeweils eigene Untersuchungen anstrengen, haben bislang lediglich offiziell festgestellt, dass die Sprengungen vorsĂ€tzlich herbeigefĂŒhrt wurden [7]. Russland bezichtigt Großbritannien und die USA, fĂŒr die Sabotage verantwortlich zu sein. In westlichen Kreisen kursieren verschiedene Theorien. Anfangs wurde es fĂŒr möglich gehalten, dass Russland die Pipeline selbst beschĂ€digt hat, um Europa einzuschĂŒchtern und seine FĂ€higkeit zu demonstrieren, in europĂ€ischen GewĂ€ssern kritische Infrastruktur zu zerstören. Zuletzt mehrten sich Aussagen, dass Russland womöglich doch nicht infrage kommt.

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(mki [9])


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  1. https://www.reuters.com/business/energy/norways-equinor-says-sanctions-prevented-it-helping-nord-stream-2023-02-01/
  2. https://www.heise.de/news/Nord-Stream-Letzte-Chance-auf-schnelle-Wiederinbetriebnahme-wird-abgewickelt-7467944.html
  3. https://www.heise.de/news/Nord-Stream-1-Truemmerfeld-auf-250-Metern-Laenge-und-tiefe-Krater-7329080.html
  4. https://www.heise.de/news/Nord-Stream-Russland-arbeitet-angeblich-bereits-an-Reparaturplaenen-7446973.html
  5. https://www.heise.de/news/Nach-den-ersten-LNG-Importen-Wird-Gas-jemals-wieder-so-guenstig-wie-2018-7464097.html
  6. https://www.dn.se/sverige/nord-stream-sabotage-kan-ha-drabbat-torsken/
  7. https://www.heise.de/news/Nord-Stream-Schweden-bestaetigt-Verdacht-auf-Sabotage-7345886.html
  8. https://www.heise.de/newsletter/anmeldung.html?id=ki-update&wt_mc=intern.red.ho.ho_nl_ki.ho.markenbanner.markenbanner
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