zurück zum Artikel

Regierungen fordern VertragszusÀtze bei neuen Top Level Domains

Monika Ermert

Beim 46. ICANN-Treffen in Peking diskutieren die Teilnehmer darĂŒber, wie sichergestellt werden kann, dass neue Top Level Domains keine öffentlichen Interessen verletzen. Regierungsvertreter drĂ€ngen auf freiwillige Selbstverpflichtungen.

Die Betreiber neuer Top Level Domains (.berlin, .google, .hiv) sollen sich vertraglich zur Wahrung öffentlicher Interessen verpflichten. Das fordern Regierungsvertreter bei dem am Wochenende in Peking anlaufenden 46. Treffen [1] der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN [2]). Erste VertragsabschlĂŒsse sind bereits fĂŒr Ende des Monats anvisiert. Im Vorfeld hatte die ICANN-Spitze Betreiber in spe aufgefordert, durch sogenannte „Public Interest Commitments“ (PICs) freiwillig Garantien dafĂŒr abzugeben, dass ihre TLDs keine öffentlichen Interessen verletzen.

Bislang von den Bewerbern vorgelegte PICs-ErklĂ€rungen betreffen ĂŒberwiegend den Schutz von Namensrechten oder den Datenschutz. Die Vorstellungen einzelner Regierungen gehen allerdings deutlich weiter. So sicherte die US-Regierung in einer Stellungnahme [3] (PDF) zu, den Kampf gegen illegale Online-AktivitĂ€ten, Onlinepiraterie und CopyrightverstĂ¶ĂŸe zu unterstĂŒtzten. Große Registries und TLD-Bewerber kritisierten den Nachschlag zu dem in langen Verhandlungen ausgehandelten Basisvertrag, der zum Ärger zahlreicher Bewerber lediglich eine lange Liste zusĂ€tzlicher Klauseln darstellt.

Regierungsvertreter drĂ€ngen in Peking nichtsdestotrotz darauf, die Selbstverpflichtungen zum Bestandteil der VertrĂ€ge zwischen den TLD-Betreibern und der ICANN zu machen. Das wĂŒrde, so das KalkĂŒl der Regierungen, nicht nur eine direkte Sanktionierung von VerstĂ¶ĂŸen erlauben. Es setzt Aufsicht und Durchsetzung gleichzeitig auf die to-do-Liste der ICANN. Die ICANN hatte demgegenĂŒber ein PICs-Schiedsverfahren vorgeschlagen, das jedermann in Gang setzen kann, der einen Verstoß gegen die Selbstverpflichtungen befĂŒrchte. Erst nach einem Schiedsspruch wĂŒrde die ICANN aktiv werden, erlĂ€uterte der COO der ICANN, Akram Atallah.

Ein solches Monitoring per „Crowdsourcing“ lehnen die Regierungen jedoch rundweg ab. Auch der von ICANNs Chef Fadi Chehade ausgegebene Zeitplan, der den Abschluss des ersten Vertrags mit einer neuen TLD bereits fĂŒr den 23. April vorsieht, ist den Regierungen nicht geheuer. Sie arbeiten nach wie vor an ihrer abschließenden Stellungnahme zum ersten Block der neuen TLDs.

93 Top Level Domain-AntrĂ€ge haben unterdessen das grundsĂ€tzliche Evaluierungsverfahren bei der ICANN passiert, ĂŒberwiegend handelt es sich dabei um nicht-lateinische TLDs. Atallah erklĂ€rte, es stĂŒnden technische Tests fĂŒr die neuen Registries bevor, zudem könnten diese selbst ihren Start noch verzögern. Auf DrĂ€ngen der Regierungen versicherte Atallah schließlich auch, das Management der ICANN werde auf die Stellungnahme des Regierungsbeirates warten. „Wir werden vorher keinen Vertrag unterzeichnen und uns damit möglicherweise in die Situation bringen, dann VertragsĂ€nderungen aushandeln zu mĂŒssen.“ WĂŒrde man jedoch auf einen Zeitplan verzichten, „wĂŒrden wir wohl 2100 noch darĂŒber sprechen, dass bald die neue TLDs kommen.“ (dwi [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-1836521

Links in diesem Artikel:

  1. http://beijing46.icann.org
  2. http://www.icann.org/
  3. http://forum.icann.org/lists/comments-base-agreement-05feb13/pdfVLviUdAKbs.pdf
  4. mailto:dwi@ct.de