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RoboCup Dutch Open: Magma Offenburg steht kurz vorm Finale

Hans-Arthur Marsiske

Außer Roboterfußball gab es in Eindhoven neben Wettbewerben fĂŒr (eher enttĂ€uschende) Haushaltsroboter auch die wohl zuschauerfeindlichste Liga, die Rescue Agent Simulation League. Dabei geht es hier - zumindest in der Simulation - um Leben und Tod.

Am vorletzten Tag der RoboCup Dutch Open [1] in Eindhoven zeichnen sich bereits deutlich die Favoriten ab. Dominiert wird das Turnier weiterhin von den Fußball-Robotern der Middle Size League. Hier sieht alles nach einem Durchmarsch des klaren Favoriten Tech United [2] aus, der bislang nur zwei Gegentreffer kassiert und kein einziges Spiel verloren hat. Die stĂ€rksten Konkurrenten sind MRL [3] vom iranischen Mechatronics Research Laboratory und Cambada [4] von der portugiesischen University of Aveiro. Gegen beide wird es heute am spĂ€teren Nachmittag noch Gruppenspiele geben.

Ähnlich wie Tech United versucht auch Cambada, die fĂŒr den Roboterfußball entwickelten Technologien im Wettbewerb RoboCup@home fĂŒr Haushaltsroboter anzuwenden. Im Rahmen der "Open Challenge", bei der die Teams jeweils fĂŒnf Minuten Zeit fĂŒr frei gewĂ€hlte Demonstrationen ihrer Roboter haben, zeigten die Portugiesen, wie ihr Roboter durch die Wohnumgebung fuhr. Dabei verglich er die mit seinen Sensoren wahrgenommenen Objekte kontinuierlich mit der vorab erstellten Karte der Wohnung und konnte seine Position so recht prĂ€zise und zuverlĂ€ssig bestimmen. Die ÜberprĂŒfung der internen Karte konnte allerdings nicht in Echtzeit auf dem Monitor verfolgt werden, dort lief stattdessen die Aufzeichnung einer frĂŒheren Fahrt. Das schwĂ€chte dann doch etwas die Überzeugungskraft der Demo.

Robocup Dutch Open (0 Bilder) [5]

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Aber immerhin fuhr der Roboter und das auch noch recht geschmeidig. Der Haushaltsroboter von Tech United dagegen schaffte es gar nicht erst bis zu dem Tisch, auf dem drei Becher umgedreht bereit standen. Eigentlich sollte der Roboter zeigen, wie er den Bewegungen eines HĂŒtchenspielers folgen und die einzelnen Becher identifizieren kann, auch wenn sie hin und her geschoben werden. Aber bevor es dazu kommen konnte, waren die fĂŒnf Minuten um. Auch die Roboter der beiden anderen Teams, Borg [7] und Delft Robotics [8], machten keine wesentlich bessere Figur, sodass die Punkte in erster Linie fĂŒr die Ideen vergeben wurden, weniger fĂŒr die AusfĂŒhrung.

Ebenso enttĂ€uschend verlief der Restaurant-Test, bei dem die Roboter zunĂ€chst verschiedene GetrĂ€nke und Speisen auf einem Tisch erkennen und spĂ€ter, je nach Wunsch der RestaurantgĂ€ste, zu anderen Tischen bringen sollten. Lediglich der Borg-Roboter schaffte es, seinem menschlichen Betreuer immerhin bis zum ersten Tisch zu folgen, verlor dann aber den Kontakt. Cambada, das andere Team, das bei diesem Wettbewerb ĂŒberhaupt antrat, musste aufgeben, weil die Spracheingabe des Roboters versagte. Die Zuschauer, die sich in das kleine Restaurant des Sportzentrums gedrĂ€ngt hatten, applaudierten trotzdem.

Weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit fanden bislang die Simulationswettbewerbe statt. Heute wurden immerhin einige Spiele auf die Monitore im Foyer des Sportzentrums ĂŒbertragen. Insbesondere die 3-D-Fußballsimulation könnte dabei durchaus ein paar Zuschauer gefunden haben, schließlich kommt es hier immer wieder zu ansehnlichen Begegnungen. Auf einem 20 mal 30 Meter großen Feld spielen elf gegen elf humanoide Nao-Roboter, was von den GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnissen her dem menschlichen Fußball schon recht nahe kommt: Mit 60 Zentimetern haben die Roboter ungefĂ€hr ein Drittel der menschlichen KörpergrĂ¶ĂŸe, die Ausdehnungen des Spielfelds entsprechen ebenfalls etwa einem Drittel realer Fußballfelder.

Zwar stĂŒrzen die virtuellen Roboter noch ziemlich hĂ€ufig, ebenso wie ihre realen Geschwister, zeigen aber auch immer wieder schöne Dribblings und PĂ€sse. FC Portugal 3D [9] fĂŒhrte am Samstagmorgen die Tabelle an, konnte aber inzwischen von Magma Offenburg [10] geschlagen werden, die auch den anderen Rivalen Bold Hearts [11] bezwangen. Damit ist fĂŒr Offenburg erstmals der Einzug ins Finale eines großen RoboCup-Turniers in Reichweite gerĂŒckt. Dabei dĂŒrfte eine neue Lauftechnik geholfen haben, bei der der vorletzte Schritt vor Erreichen des Balles etwas versetzt ausgefĂŒhrt wird, um den Roboter schneller in Schussposition zu bringen.

Wenn es beim RoboCup einen Wettbewerb um die zuschauerfeindlichste Liga gĂ€be, hĂ€tte wohl die Rescue Agent Simulation League die besten Chancen auf den Titel. Dabei geht es hier um Leben und Tod: Softwareagenten versuchen, nach einem Erdbeben die Ausbreitung von Feuer zu verhindern und möglichst viele Überlebende zu bergen. Doch was zu sehen ist, sind rote, blaue, weiße und grĂŒne Punkte, die sich auf einem Stadtplan hin und her bewegen, wĂ€hrend GebĂ€ude langsam ihre Farbe verĂ€ndern. „Je krĂ€ftiger die GebĂ€ude rot eingefĂ€rbt sind, desto stĂ€rker brennen sie“, erlĂ€utert Moritz Göbelbecker von der UniversitĂ€t Freiburg, der den Wettbewerb der Rettungssimulation leitet. „Die beweglichen roten Punkte stellen Feuerwehrfahrzeuge dar, die versuchen, die Ausbreitung des Feuers einzudĂ€mmen. Die grĂŒnen Punkte sind Zivilisten, die von weißen SanitĂ€tern gerettet werden, wĂ€hrend die blauen Polizisten die Straßen freihalten.“

Je mehr Zivilisten gerettet werden, desto höher ist am Ende die Punktzahl. Wichtig ist die richtige Kommunikationsstrategie: Werden die Aktionen der Agenten zentral koordiniert oder können die dezentral vor Ort entscheiden? „FĂŒr die Teilnehmer ist es oft sehr spannend, dem Geschehen auf dem Bildschirm zuzusehen“, sagt Göbelbecker. FĂŒr das Finale am Sonntag soll der Stadtplan von Eindhoven verwendet werden. Das zeigt auf jeden Fall eins: Die Organisatoren der RoboCup Dutch Open bemĂŒhen sich um ihre Zuschauer, selbst bei einem so zĂ€hen Wettbewerb wie der Rescue Agent Simulation. (jk [12])


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Links in diesem Artikel:
[1] http://www.robocupdutchopen.org/
[2] http://www.techunited.nl/
[3] http://www.mrl.ir/
[4] http://www.ieeta.pt/atri/cambada/
[5] https://www.heise.de/bilderstrecke/832383.html?back=1563106;back=1563106
[6] https://www.heise.de/bilderstrecke/832383.html?back=1563106;back=1563106
[7] http://www.ai.rug.nl/crl/
[8] http://www.delftrobotics.nl/
[9] http://www.ieeta.pt/robocup/index.htm
[10] http://robocup.hs-offenburg.de/html/index.htm
[11] http://homepages.feis.herts.ac.uk/~comqdp1/boldhearts.html
[12] mailto:jk@heise.de