Bundeskanzleramt hÀlt an Rohrpost fest
(Bild: Bundesregierung / KrĂŒnkelfeld)
Im Bundeskanzleramt werden manche VorgÀnge noch per Rohrpost verschickt. Dabei soll es auch bleiben.
Die Rohrpostanlage im Bundeskanzleramt, die dort seit der Einweihung des Amtes im Jahr 2001 genutzt wird, soll bleiben. Das teilte ein Regierungssprecher laut SĂŒddeutscher Zeitung mit. Pro Monat wĂŒrden dort ĂŒber Rohrpost rund 1000 Sendungen verschickt; VorgĂ€nge, die nicht elektronisch oder ĂŒber Hausboten weitergeleitet werden könnten, weil sie beispielsweise geheim gehalten oder im Original unterschrieben werden mĂŒssen.
Die Rohrpostanlage im Bundeskanzleramt lĂ€uft ĂŒber zwei Linien 1300 Meter an ĂŒber 36 Stationen. DarĂŒber sind laut dem Bericht alle wichtigen Mitarbeiter bis hin zum Bundeskanzler selbst erreichbar.
2019 schilderte die damalige Parlamentarische StaatssekretĂ€rin Dorothee BĂ€r (CSU) dem damaligen FDP-Abgeordneten und heutigen Justizminister Marco Buschmann in einer Antwort auf dessen Anfrage, im Jahr zuvor habe die Rohrpostanlage 12.381,64 Euro Kosten fĂŒr Wartung, Reparatur und Instandhaltung gekostet.
2400 RohrpostvorgÀnge im Monat
Bis April des Jahres 2019 wurden im Kanzleramt monatlich 2400 VorgĂ€nge per Rohrpost ĂŒbermittelt. Bis zur EinfĂŒhrung der elektronischen Akte in dem Amt gebe es keine kostengĂŒnstigere Ăbermittlungsform, hieĂ es von BĂ€r [1]. "Um zusĂ€tzlich 120 VorgĂ€nge tĂ€glich in dieser Form ĂŒbermitteln zu können, wĂŒrden zusĂ€tzlich bis zu drei Boten (E 3) benötigt, deren Personalkosten sich auf 137.000 Euro jĂ€hrlich beliefen."
Im Bundeskanzleramt wird nach eigenen Angaben [2] seit April 2021 mit der E-Akte Bund gearbeitet. Mit Kabinettsbeschluss vom 18. November 2019 wurde zudem festgelegt, dass Bundesbehörden ab dem 1. Januar 2020 untereinander nicht mehr in Papierform, sondern ausschlieĂlich elektronisch miteinander kommunizieren, soweit geltendes Recht nicht entgegensteht. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag verbrauchten die Bundesregierung und nachgeordnete Behörden und Einrichtungen im Jahr 2022 fast 740 Millionen DIN-A4- und gut 13 Millionen DIN-A3-PapierblĂ€tter [3]. In der laufenden Legislaturperiode gehe es vor allem darum, die bereits eingesetzten E-Akte-Lösungen hin zur E-Akte Bund zu konsolidieren.
In dem geplanten Erweiterungsbau des Kanzleramts, dessen Baukosten auf 777 Millionen Euro prognostiziert werden, soll es keine Rohrpost geben, schreibt die SĂŒddeutsche Zeitung. Das Bundeskanzleramt selbst erlĂ€utert zu dem Bau, mit der EinfĂŒhrung der E-Akte wĂŒrden weniger LagerflĂ€chen fĂŒr Akten und ArchivrĂ€ume benötigt. Allerdings wĂŒrden weiterhin RĂ€ume fĂŒr die Archivierung von nicht digitalen EingĂ€ngen benötigt, es mĂŒssten Bestandsakten vorgehalten werden, um gesetzlichen Aufbewahrungsfristen zu entsprechen.
(anw [5])
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