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Russland verbietet Verkauf von GerÀten ohne vorinstallierte russische Software

Simon Koenigsdorff
Russland verbietet Verkauf von GerÀten ohne vorinstallierte russische Software

(Bild: photomatika/Shutterstock.com)

In Russland sollen kĂŒnftig nur noch Smartphones und Computer verkauft werden, auf denen auch russische Software-Alternativen vorinstalliert sind.

In Russland dĂŒrfen in Zukunft viele elektronische GerĂ€te nur noch verkauft werden, wenn auf ihnen aus Russland stammende Software vorinstalliert ist. Das hat das russische Parlament am Donnerstag beschlossen. Betroffen von dem neuen Gesetz sind neben Smartphones und Computern auch Smart-TVs. Eine Auflistung, welche GerĂ€te dabei genau unter das Gesetz fallen und welche Software vorinstalliert werden soll, muss die Regierung allerdings noch vorlegen. Firmen, die sich nicht an die Vorschriften halten, drohen dabei Geldstrafen.

Das Gesetz soll offenbar russische Software-Alternativen fördern. Einer der Abgeordneten hinter dem Vorschlag, Oleg Nikolayev von der Partei "Einiges Russland", sagte der russischen Nachrichtenagentur Interfax, auf neuen GerĂ€ten seien hauptsĂ€chlich westliche Apps und Programme vorinstalliert, sodass Nutzer denken könnten, es gebe keine einheimischen Alternativen. "Wir wollen den Nutzern auch russische Anwendungen anbieten, damit sie ein Recht darauf haben, sich zu entscheiden." Einem Bericht der litauischen Nachrichtenseite Meduza zufolge [1] seien unter anderem die E-Government-App Goslusugi und Anwendungen der russischen Internetfirma Yandex im GesprĂ€ch, die die grĂ¶ĂŸte russische Suchmaschine betreibt.

Das Gesetz folgt dabei der Strategie des Kremls, Russland in Sachen Technologie und Internetzugang möglichst eigenstĂ€ndig zu machen. Zu Beginn des Monats war bereits ein Gesetz fĂŒr ein russisches "Staatsinternet" in Kraft getreten. Kritiker befĂŒrchten, dass auch die nun beschlossene Regelung die TĂŒr fĂŒr weitere staatliche Kontrolle und Zensur öffnen könnte, da die zwangsweise vorinstallierten Anwendungen auch dazu genutzt werden könnten, russische Nutzer auszuspĂ€hen.

Zu den möglichen Folgen gehört jedoch auch, dass Firmen kĂŒnftig auf den Verkauf ihrer GerĂ€te in Russland ganz verzichten könnten. Meduza zitiert unter anderem Quellen bei Apple, wonach man dort die zwangsweise Vorinstallation fremder Software als großes Sicherheitsrisiko bewerte, das die Firma nicht tolerieren könne. Laut BBC [2] hatte auch der russische Branchenverband fĂŒr elektronische HaushaltsgerĂ€te und EDV (RATEK) davor gewarnt, dass es nicht möglich sein werde, auf allen GerĂ€ten die geforderte Software zu installieren und auslĂ€ndische Firmen den russischen Markt deshalb verlassen könnten.

Das Gesetz muss nach seiner Verabschiedung in der Duma, dem russischen Unterhaus, noch vom Oberhaus genehmigt werden, bevor es PrĂ€sident Wladimir Putin zur Unterschrift vorgelegt wird. Eine Zustimmung gilt jedoch als Ă€ußerst wahrscheinlich. In Kraft treten soll es im Juli 2020.

Russland steht aufgrund seiner BemĂŒhungen um ein staatlich kontrolliertes "souverĂ€nes Internet" bereits seit lĂ€ngerem in der Kritik [3]. Menschenrechtler hatten den Entschluss, das "RuNet" potenziell vom World Wide Web abzukoppeln, aufgrund einer drohenden digitalen Isolation und totaler staatlicher Kontrolle der Inhalte stark kritisiert. Bereits jetzt sind zahlreiche auslĂ€ndische Seiten in Russland nicht erreichbar, unter anderem von Regimekritikern. Die Organisation Reporter ohne Grenzen sprach von einem Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit.

PrĂ€sident Putin hatte zudem angekĂŒndigt, eine eigene russische Wikipedia-Alternative [4] fĂŒr "verlĂ€ssliche Informationen" aufbauen zu wollen. Zuletzt hatte die Duma außerdem ein Gesetz beschlossen, das hohe Strafen fĂŒr Internetunternehmen vorsieht, die persönliche Daten russischer Nutzer außerhalb des Landes speichern [5]. (siko [6])


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https://www.heise.de/-4594569

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  1. https://meduza.io/en/feature/2019/11/07/why-is-the-duma-working-to-mandate-pre-installed-russian-made-apps-on-all-devices-sold-in-russia-the-answer-isn-t-as-simple-as-you-d-think
  2. https://www.bbc.com/news/world-europe-50507849?ocid=socialflow_twitter
  3. https://www.heise.de/news/RuNet-Russland-schafft-sein-eigenes-Staatsinternet-4573156.html
  4. https://www.heise.de/news/Putin-will-russische-Wikipedia-Alternative-aufbauen-4578867.html
  5. https://www.heise.de/news/Russland-verschaerft-Vorgehen-gegen-Medien-und-Internetkonzerne-4591649.html
  6. mailto:siko@heise.de