SAP stutzt Jahresprognose und mittelfristige Ziele
(Bild: nitpicker/Shutterstock.com)
Das Management rechnet nun mit weniger Umsatz und Betriebsergebnis als bisher. Und der Drang zu den CloudgeschÀften kostet Marge.
Die Corona-Pandemie bringt Europas gröĂten Softwarehersteller SAP stĂ€rker in BedrĂ€ngnis als gedacht. Die Belebung der Nachfrage fiel auch wegen neuer BeschrĂ€nkungen verhaltener aus als erwartet, wie der Dax-Konzern ĂŒberraschend am Sonntagabend in Walldorf mitteilte.
Umstieg auf Cloudprodukte
So rechnet das Management um Vorstandschef Christian Klein nun mit weniger Umsatz und Betriebsergebnis als bisher. Weil die Krise die GeschĂ€fte mindestens bis Mitte kommenden Jahres belasten werde und die Wechselkurse sich zuletzt negativ entwickelt hĂ€tten, dĂŒrften sich auch die Zielsetzungen fĂŒr 2023 bei Umsatz und Ergebnis um ein bis zwei Jahre verschieben. Zudem sorge der schnellere Umstieg von Kunden auf die Cloudversionen von SAP-Software fĂŒr vier bis fĂŒnf Prozentpunkte weniger Marge.
SAP sticht in der Coronavirus-Pandemie selbst mit einer groĂzĂŒgigen Homeoffice-Regelung hervor. Sie wurde bis Mitte 2021 [1] ausgeweitet.
Langfristige Prognosen
Zuvor hatte SAP versprochen, die bereinigte operative Marge (bereinigtes Ebit) von 2018 bis 2023 um rund 5 Prozentpunkte auf dann rund 34 Prozent steigern zu wollen â dieses Ziel stammte noch von Kleins VorgĂ€nger Bill McDermott. In diesem Jahr rechnet SAP nun mit einem Gesamtumsatz von 27,2 bis 27,8 Milliarden Euro auf Basis konstanter Wechselkurse, das heiĂt zu Wechselkursen aus dem vergangenen Jahr. Vorher waren es 27,8 bis 28,5 Milliarden. Das Betriebsergebnis dĂŒrfte nun zwischen 8,1 und 8,5 Milliarden Euro landen statt zwischen 8,1 und 8,7 Milliarden.
[Update, 26.10.2020, 9:00 Uhr] In einer Telefonkonferenz am Montag verteidigte SAP-Chef Christian Klein seinen Strategieschwenk hin zu mehr Wachstumsinvestitionen als notwendigen Schritt. "Ich opfere den Erfolg unserer Kunden nicht der kurzfristigen Optimierung unserer Marge". Die Kunden fragten verstĂ€rkt Software aus der Cloud zur Nutzung ĂŒber das Internet nach. Insofern wĂ€re das Beibehalten der alten Mittelfristziele mit dem Fokus auf die eigene ProfitabilitĂ€t gegen deren WĂŒnsche gewesen. Finanzchef Luka Mucic ergĂ€nzte, das Management steuere das Unternehmen nicht nach der operativen Marge. "Wir wollen ein Wachstumsunternehmen bleiben", sagte der Manager.
Die Aktie des wertvollsten deutschen Unternehmens verlor vorbörslich auf der Handelsplattform Tradegate am Morgen rund 14 Prozent.
CloudvertrĂ€ge sind erst mit lĂ€ngerer Laufzeit so lukrativ wie Softwarelizenzen gegen hohe EinmalbetrĂ€ge. SAP hatte mit Beginn des vergangenen Jahrzehnts vor allem ĂŒber milliardenschwere ZukĂ€ufe das eigene Cloudangebot gestĂ€rkt, in den vergangenen Jahren dann aber auch eigene Kernprogramme als Cloudversion angeboten. "Wir glauben, dass uns die Investitionen in die Lage versetzen, beim Umsatz kĂŒnftig stĂ€rker zu wachsen, wenn die Investitionsphase vorbei ist", sagte Mucic. [/update]
(kbe [3])
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