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SCO vs. Linux: SCO bekommt Konkursverwalter

Detlef Borchers

Die unter anderem mit IBM und Novell in juristischem Clinch um angeblich illegal nach Linux kopierten Unix-Code und das Unix-Copyright liegende SCO Group wird vorerst nicht liquidiert.

Die GeschĂ€fte der vom Konkurs bedrohten SCO Group werden von einem bestallten Konkursverwalter fortgesetzt. Dieser arbeitet nach Chapter 11 [1] daran, die Firma aus dem Konkurs zu fĂŒhren, kann aber auch die Liquidation nach Chapter 7 beschließen und einzelne Firmenteile meistbietend versteigern. Mit diesem Urteil des Konkursgerichtes in Delaware wird das SCO-Management abgelöst.

Mit seinem Urteil [2] (PDF-Datei) hat Konkursrichter Kevin Gross eine Reihe von wichtigen Entscheidungen gefĂ€llt. So hat er festgehalten, dass das HauptgeschĂ€ft von SCO nicht die mobilen Anwendungen und auch nicht der Verkauf von Unix-Software ausmacht, sondern die vor den Gerichten verhandelten Klagen gegen Novell, IBM, Red Hat und andere. Aus diesem Grunde lehnte Gross das von Novell und IBM und dem US-Trustee vorgetragene Ansinnen ab, die SCO Group zu liquidieren: Hier zeige sich das ĂŒbergreifende Interesse der beiden Firmen, einen Gerichtsgegner außergerichtlich zu beseitigen, und nicht das finanzielle Interesse, außenstehende Forderungen einzuklagen. Andererseits untersagte der Richter der SCO Group den Verkauf des Unix-SystemgeschĂ€ftes, das eine Firma namens UnXis fortfĂŒhren sollte.

In seiner BegrĂŒndung zur Bestallung eines Konkursverwalters zeichnete der Konkursrichter ein Bild, das ganz nach dem Geschmack der SCO Group gemalt ist. So sei das Unix-GeschĂ€ft, das die SCO Group im Jahre 1995 von Novell ĂŒbernommen hatte, ein blĂŒhendes GeschĂ€ft gewesen. Das Urteil spricht hier von "the world's most successful operating system". Dieses GeschĂ€ft sei von IBM zerstört worden, schreibt Gross unter Bezugnahme auf die AnsprĂŒche von SCO: "SCO claims that IBM breached its UNIX source code licenses by disclosing restricted information in connection with IBM's efforts to promote the IBM Linux operating system."

Ein Konkursverwalter nach Chapter 11 hat nach diesem Urteil die Aufgabe, die GeschĂ€fte und vor allem die Gerichtsverfahren weiterzuverfolgen und zu finanzieren. Gegen das Urteil sind allerdings noch Berufungen möglich, die wahrscheinlich von Novell und IBM vorgetragen werden. Eine Stellungnahme dieser Firmen steht noch aus. Bei SCO zeigte man sich gegenĂŒber der der Salt Lake Tribune [3] zufrieden, dass der Antrag auf unmittelbare Liquidierung nach Chapter 7 vom Tisch ist.

Zu den Entwicklungen in dem Streit, den SCO mit IBM, Novell und der Open-Source-Gemeinde um SCO-Rechte an Unix und angeblich unrechtmĂ€ĂŸig in Linux ĂŒbernommenen Code angezettelt hat, siehe den Online-Artikel in c't-Hintergrund (mit chronologischer Linkliste zu BeitrĂ€gen auf heise online, aus Technology Review und der c't):

(Detlef Borchers) / (jk [5])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-750061

Links in diesem Artikel:
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Chapter_11
[2] http://www.groklaw.net/pdf/SCOGBK-891.pdf
[3] http://www.sltrib.com/ci_13000457?IADID=Search-www.sltrib.com-www.sltrib.com
[4] http://www.heise.de/ct/SCO-vs-Linux-Die-unendliche-Geschichte--/artikel/44492
[5] mailto:jk@heise.de