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SIS: Schengen in der Sackgasse

Detlef Borchers

Zum Streit um die EinfĂŒhrung des Computersystems SIS II gesellt sich nun auch Kritik aus Bayern: Innenminister Herrmann hĂ€lt die Grenzsicherheit osteuropĂ€ischer Staaten fĂŒr "absolut nicht zufriedenstellend", der Datenaustausch mĂŒsse intensiviert werden.

Das Schengener Informationssystem (SIS) kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nachdem sich die Innenminister der 27 EU-Staaten nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten, legt jetzt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nach. GegenĂŒber dem Behördenspiegel [1] forderte Herrmann einen "intensiveren Daten- und Informationsaustausch" der Schengen-LĂ€nder.

In der am kommenden Montag erscheinenden MĂ€rz-Ausgabe des Behördenspiegels Ă€ußert Herrmann deutliche Kritik an der seiner Meinung nach mangelhaften Grenzsicherheit osteuropĂ€ischer Staaten, die absolut nicht zufriedenstellend sei. Als Messlatte fĂŒr einen guten Daten-und Informationsaustausch gilt laut Herrmann etwa der Austausch von DNA-Daten zwischen Deutschland und Österreich. Lobend erwĂ€hnt Herrmann die verdachtsunabhĂ€ngige Schleierfahndung, die Bayern 30 bis 50 Kilometer hinter der Grenze durchfĂŒhrt. Beim Schengener Informationssystem hinke man den ursprĂŒnglichen Zielsetzungen jedoch weit hinterher, erklĂ€rt Herrmann.

Das Schengener Informationssystem, das von den 25 europĂ€ischen LĂ€ndern der Schengen-Zone [2] genutzt wird, steht seit einiger Zeit im Kreuzfeuer der Kritik [3]. Strittig ist vor allem der Wechsel von SIS I zum modernen Computersystem SIS II, das mit erheblich erweiterten DatenbestĂ€nden wie den DNA-Daten arbeiten kann, aber nach TestlĂ€ufen noch Probleme haben soll. UrsprĂŒnglich sollte SIS II im September 2009 in den Wirkbetrieb gehen, doch dieser Termin kann nicht mehr gehalten werden.

Gestern einigten sich die EU-Innenminister darauf, bis Ende Mai ein neues Gutachten zum Leistungsstand von SIS II vorzulegen, in dem auch Alternativen zu SIS II geprĂŒft werden sollen. Im Juni soll dann der EU-Rat der Innenminister ĂŒber SIS II entscheiden, wenn die Schengen-Integration von Bulgarien, Großbritannien, Irland, RumĂ€nien und Zypern auf der Tagesordnung steht. (Detlef Borchers) / (pmz [4])


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-201929

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.behoerden-spiegel.de/Internet/nav/1f7/1f75009d-e07d-f011-4e64-494f59a5fb42&conOrder=mc.dContentStartAt&conOrderDirection=DESC.htm
[2] http://europa.eu/scadplus/leg/de/lvb/l33020.htm
[3] https://www.heise.de/news/Europaeischer-Polizeikongress-Schengen-ist-keine-Insel-194311.html
[4] mailto:pmz@ct.de