Schau mir in die Augen, Nutzer!
Ăber Reflexionen auf Teekannen, Brillen und Augen lassen sich Daten auf einem Monitor aus der Ferne ausspionieren. Kriminelle könnten dies nutzen, um Industriespionage vom NachbargebĂ€ude aus zu betreiben. Abhilfe schafft es, die VorhĂ€nge zuzuziehen.
Ăber Reflexionen auf Teekannen, Teelöffeln, Kaffeetassen, BrillenglĂ€ser und sogar in den Augen eines PC-Benutzers kann man die Daten eines beliebigen Bildschirms ausspionieren. Das haben Informatiker der UniversitĂ€t des Saarlandes in einer Untersuchung herausgefunden. Mit einer speziellen Teleskop-Ausstattung konnten sie aus einer Entfernung von bis zu zehn Metern die auf einem Bildschirm dargestellten Informationen rekonstruieren, die sich in verschiedenen GegenstĂ€nden spiegelten. Die erforderliche AusrĂŒstung soll nur 1000 Euro gekostet haben.
Das Forscherteam geht davon aus, dass man mit professionelleren GerĂ€ten mĂŒhelos aus gröĂerer Entfernung, etwa vom Fenster eines NachbargebĂ€udes aus, geheime Daten auf diese Weise ablesen könnte. Kriminelle könnten diese Technik nutzen, um Industriespionage zu betreiben, Bankdaten zu erschnĂŒffeln oder Politiker und Prominente zu beschatten. Die Forschungsergebnisse will man auf der CeBIT 2008 vom 4. bis 9. MĂ€rz auf dem Forschungsstand (Halle 9, Stand B 35) des Saarlandes prĂ€sentieren.
Insbesondere die Spiegelungen in den BrillenglĂ€sern von PC-Benutzern sollen sich gut zum AusspĂ€hen der Informationen eignen. Damit lieĂen sich laut Bericht des Teams noch Texte mit einer 12-Punkt-Schrift problemlos entziffern. Sogar das menschliche Auge kann in gewissen Grenzen als Spiegel dienen. Zwar waren die Bilder bei den Tests verschwommen, trotzdem war es möglich, noch Ăberschriften und angezeigte Webseiten und Diagramme eingeschrĂ€nkt zu erkennen. FĂŒr das Fotografieren einzelner Webseiten ĂŒber das Teleskop reichten Belichtungszeiten von einer Sekunde. Probleme bei der Erkennung bereiteten dabei die schnellen Bewegungen des Auges. Nach Meinung der Wissenschaftler könnte dies jedoch schon bald durch besseres Equipment und verfeinerte Algorithmen ausgeglichen werden.
Die besten Ergebnisse erzielten die Wissenschaftler bei fest stehenden GegenstĂ€nden wie reflektierenden Teekannen. Die von gekrĂŒmmten FlĂ€chen verzerrten Bilder entzerrten sie einfach mit Bildbearbeitungssoftware.
Wer sich der beschriebenen Gefahren bewusst sei, könne sich im Moment nur schĂŒtzen, indem er beim Umgang mit vertraulichen Daten RolllĂ€den oder VorhĂ€nge schlieĂe und nach versteckten Teleskopen Ausschau halte. Das Forschungsteam will seine Ergebnisse auf der internationalen Konferenz fĂŒr Sicherheitsthemen, dem "IEEE Symposium on Security and Privacy" im Mai 2008 in den USA vorstellen.
Siehe dazu auch:
- Compromising Reflections: How to read Computer Monitors around a Corner [1], Studie von Michael Backes, Markus DĂŒrmuth und Dominique Unruh
(dab [2])
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[1] http://www.infsec.cs.uni-sb.de/projects/reflections/
[2] mailto:dab@ct.de
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